Eine Blamage gerade noch abgewendet, aber die erhoffte Dauerlösung vertragt: Nach langen Diskussionen haben die Fußball-Funktionäre aus den 21 Landesverbänden ein Scheitern der dringend benötigten Regionalliga-Reform verhindert. Bis Donnerstagabend galten die Gespräche bereits als gescheitert, ehe sich der Deutsche Fußball-Bund (DFB) erleichtert zu Wort meldete. „Es ist uns gelungen, bis zum nächsten DFB-Bundestag 2019 eine Übergangslösung zu finden, die eine deutliche Verbesserung der Ist-Situation darstellt“, sagte DFB-Vizepräsident Rainer Koch. Auf dem heutigen Bundestag soll der Kompromiss, der einen zusätzlichen Aufsteiger vorsieht, durchgewunken werden.

Ein Scheitern der Reform hätte den Frust bei den Regionalligisten nochmals deutlich erhöht. Der Unmut über die Aufstiegsregelung aus den fünf Regionalligen in die 3. Liga schwelt schließlich seit Jahren, auch bei den Berliner Viertligisten Viktoria 89, BFC Dynamo, Berliner AK, Herthas U23 und der VSG Altglienicke. „Die oberste Prämisse ist, dass die Meister aufsteigen müssen“, fordert Viktorias Sportdirektor Rocco Teichmann. Das ist bislang nicht der Fall. Selbst den dominantesten Meistern fehlte es an Planungssicherheit, weil die drei Drittliga-Aufsteiger erst in K.o.-Spielen ermittelt wurden. Jene bestritten die beiden Bestplatzierten der Südwest-Staffel sowie die Meister der Staffeln Nord, Nordost, Bayern und West – die Paarungen wurden gelost.

Wie es gerechter zugehen könnte? Daran scheiden sich – je nach Regionalverband – die Geister. Nun wurde beschlossen: In den Spielzeiten 2018/19 und 2019/20 bleiben die bisherigen Staffeln bestehen, statt drei wird es aber vier Aufsteiger geben. Der Meister aus dem Südwesten steigt dabei direkt auf, hinzu kommen zwei weitere feste Aufsteiger aus den übrigen vier Staffeln. 2018/19 wird einer davon der Titelträger aus dem Nordosten sein, der dritte Aufsteiger wird per Los festgelegt. Die beiden verbleibenden Meister, im Folgejahr als Aufsteiger gesetzt, gehen indes in ein Play-off. Ein Modell, das in ähnlicher Form auch der Nordostdeutsche Fußballverband (NOFV) vorgeschlagen hatte. Dessen Präsident Rainer Milkoreit zeigte sich erleichtert. „Wir sind uns aufgrund der Mehrheitsverhältnisse bewusst, dass das ein großes Entgegenkommen der anderen Regionalverbände für den Nordosten darstellt“, sagte er.

Nordost-Staffel bleibt vorerst bestehen – Aufatmen in Berlin

Eine zufriedenstellende Lösung ist der Kompromiss auf Zeit allerdings nicht. Als plausibelster Weg wird nach wie vor das Schrumpfen auf vier Regionalligen erachtet, womit sich jedoch die Frage stellen würde, wie sich in Fußball-Deutschland faire Grenzen ziehen lassen. Nach Fläche oder Erfolgen in den bisherigen Aufstiegsspielen, was für den NOFV spräche? Oder durch die Zahl der gemeldeten Teams, wodurch die Nordost-Staffel zerschlagen würde? Letzteres hätte für die Berliner Klubs fatale Folgen. „Wir hätten weitere Wege und gleichzeitig weniger Gegenwert“, sagt Altglienickes Sportchef Daniel Böhm: „Teams wie der HSV II sind keine attraktiven Gegner. Unter solchen Umständen müsste man überlegen, ob sich die Regionalliga überhaupt noch lohnt.“ Auch Dynamos Teamleiter Jörn Lenz ist sich sicher: „Das würde einen hellen Aufschrei mit sich bringen.“ Um eine tragfähige Reform zu erarbeiten, hat der DFB nun eine Arbeitsgruppe installiert. Eine Maßnahme, die man schon vor Monaten hätte ergreifen können.

J. Lange/M.Priola