Jana Novotna konnte einfach nicht aufhören zu weinen. Ihre bittere Niederlage im Wimbledon-Finale gegen Steffi Graf warf die Tennisspielerin im Jahr 1993 derart aus der Bahn, dass sie selbst von der Herzogin von Kent in den Arm genommen und getröstet werden musste. Novotna hatte das prestigeträchtige Endspiel fast schon gewonnen, ehe sie die Begegnung doch noch aus der Hand gab.

Ihre größte Niederlage: 1993 gab Novotna (l.) im Wimbledon-Finale den Sieg gegen Steffii Graf noch aus der Hand - und musste von der Herzogin von Kent getröstet werden
Ihre größte Niederlage: 1993 gab Novotna (l.) im Wimbledon-Finale den Sieg gegen Steffii Graf noch aus der Hand - und musste von der Herzogin von Kent getröstet werden © Chris Cole

Die Bilder ihres emotionalen Weinkrampfs machten sie berühmt, fünf Jahre später siegte sie im All England Tennis Club aber doch noch. Am Sonntag starb die Tschechin im Alter von nur 49 Jahren nach einer Krebserkrankung im Kreise der Familie in ihrer Heimat.

„Die Tenniswelt trauert nach dem Tod von Jana Novotna. Ich habe keine Worte dafür. Jana war eine Freundin und eine tolle Frau“, schrieb Martina Navratilova am Montag. Auch wenn Novotna nie die Erfolge ihrer erfolgreichen Landsfrau und 18-maligen Grand-Slam-Siegerin Navratilova erreichte, traf der tragische Verlust nicht nur ihr Heimatland.

Becker: „Sie war ein Champion der Herzen“

„Ich bin tief schockiert, ich werde dich vermissen“, twitterte ihre frühere Kollegin Barbara Rittner und nannte Novotna „eine wundervolle Person, ein Vorbild“. Boris Becker schrieb: „Es ist so traurig, von ihrem Tod zu hören. Sie war ein Champion der Herzen.“

Größte Freundin: Mit Martina Navratilova (r.) spielte sie noch 2010 beim Einladungsturniier in Wimbledon Doppel
Größte Freundin: Mit Martina Navratilova (r.) spielte sie noch 2010 beim Einladungsturniier in Wimbledon Doppel© Matthew Stockman

Novotna gewann in den 14 Jahren ihrer Profi-Karriere 24 Titel im Einzel und 76 im Doppel. Sie war in der Weltrangliste die Nummer zwei im Einzel und die Nummer eins im Doppel.

Im Wimbledon-Endspiel 1993 gegen Graf hatte Novotna bei eigenem Aufschlag schon mit 6:7, 6:1 und 4:1 geführt - und verlor den entscheidenden Satz nach einem unerklärlichen Leistungseinbruch doch noch mit 4:6. 1998 holte sie gegen die Französin Nathalie Tauziat ihren einzigen Grand-Slam-Titel. „Sie war ein wahrer Champion, und ihr Erfolg 1998 wird noch sehr lange in Erinnerung bleiben“, twitterten die Wimbledon-Veranstalter.

2005 in die Tennis Hall of Fame aufgenommen

„Tennis gibt mir alles und erfüllt mich auch nach all den Jahren“, hatte Novotna noch vor zwei Jahren in London am Ort ihres größten Triumphes gesagt. Außerdem hatte sie zwei Silber- und eine Bronzemedaille bei Olympischen Spielen gewonnen, mit Tschechien holte sie 1988 den Sieg im Fed Cup. „Jana war auf dem Platz und außerhalb des Platzes eine Inspiration für alle, die die Chance hatten, sie kennenzulernen. Unsere Gedanken sind bei Janas Familie“, sagte WTA-Chef Steve Simon.

Novotna bei der Aufnahme in die Tennis Hall of Fame 2005
Novotna bei der Aufnahme in die Tennis Hall of Fame 2005 © dpa | Cj Gunther

Sechs Jahre nach ihrem Rücktritt wurde Novotna 2005 in die Tennis Hall of Fame aufgenommen. Selbst Tschechiens Ministerpräsident Bohuslav Sobotka reagierte betroffen und hob Novotnas Bedeutung für das Land hervor.

„Der tschechische Sport hat eine bedeutende Persönlichkeit verloren“, teilte der Sozialdemokrat mit. „Die Freude, die sie uns mit ihrem Sieg in Wimbledon oder dem Gewinn der Olympia-Bronzemedaille in Atlanta bereitet hat, bleibt unvergesslich.“

Und immer wieder wurde Novotna auf dieses eine Match im Sommer 1993 in Wimbledon angesprochen. „Steffi und ich hatten unsere Karrieren sozusagen zeitgleich. Wir haben mehr als 30 Mal gegeneinander gespielt, immer hat sie mich kurz vorm Ziel gestoppt“, sagte Novotna: „Das war schon hart für mich. Aber wir sind trotzdem stets respektvoll miteinander umgegangen.“ Mit Tränen in den Augen hielt Novotna damals noch stolz ihren Silberteller in die Höhe, das Publikum applaudierte, genau wie die Duchess von Kent und Steffi Graf.

dpa/sid