Fußball-Geschichte.

Hamann: Das neue Wembleystadion ist zu groß und zu kalt

Dietmar Hamann vermisst den Mythos des alten Wembley und kritisiert, dass junge Talente in England kaum Einsatzzeiten bekämen.

Dietmar Hamann erzielte im Oktober 2000 das letzte Tor im alten Wembleystadion. Hier steht  der heutige TV-Experte bereits im neuen Wembleystadion

Dietmar Hamann erzielte im Oktober 2000 das letzte Tor im alten Wembleystadion. Hier steht der heutige TV-Experte bereits im neuen Wembleystadion

Foto: Andreas Gebert / picture alliance / dpa

Sein Siegtreffer zum 1:0 über England am 7. Oktober 2000 sicherte Dietmar Hamann einen Eintrag in die Geschichtsbücher. Es war das letzte Tor, das im ehrwürdigen Wembley-Stadion fiel. Wir sprachen mit dem 44-jährigen Sky-Experten und Vizeweltmeister von 2002, der zwölf Jahre in England spielte (FC Liverpool, Manchester City, Newcastle United), über den Mythos Wembley, in dem 1966 das legendäre WM-Finale England gegen Deutschland (4:2 n.V.) stattfand. Die deutschen Nationalmannschaft trifft am Freitag in London in einem Freundschaftsspiel auf England (21 Uhr/ZDF live). Gespielt wird im neuen Wembleystadion, das 2007 eröffnet wurde und 90.000 Zuschauern Platz bietet.

Berliner Morgenpost: Herr Hamann, verströmt das neue Wembley-Stadion die gleiche Aura wie das alte?

Dietmar Hamann: Nein. Es ist eine Arena wie viele andere in der Welt. Sie ist zu groß und zu kalt. Das neue Wembley könnte auch in Japan stehen. Das alte Wembley roch noch nach Fußball. Wenn man die Arena betrat, spürte man den Mythos. Die engen, kaputten Kabinen, der Weg durch den Tunnel auf den Rasen, die fantastische Stimmung auf den Rängen - das alte Wembley war ein einzigartiger Ort.

Der englische Humor ist legendär. Als Sie in Newcastle spielten, bekamen Sie von einem Mitspieler das Buch "Mein Kampf" geschenkt. Konnten Sie darüber lachen?

Natürlich. Das war schwarzer Humor, mit dem ich gut zurechtkam. In England ging es zu meiner Zeit rustikal zur Sache, aber die Stimmung in der Mannschaft war immer fantastisch. Wir gingen raus und tranken auch mal ein Bier zusammen. Das stärkte den Mannschaftsgeist.

Was haben sie mit dem Buch gemacht?

(Hamann lacht): Ich habe es im Bus vergessen.

Englands Nachwuchsmannschaften spielten zuletzt groß auf. Es heißt, es erwache ein starker Rivale für das deutsche Team. Stimmen Sie zu?

Nein. Junge englische Talente bekommen kaum eine Chance, um zu spielen. In der Premier League steckt zu viel Geld, das ist eine Unterhaltungsindustrie geworden, in der es ums Geldverdienen geht. In naher Zukunft bleibt das DFB-Team das Maß aller Dinge. Bundestrainer Joachim Löw kann aus 40 Top-Spielern seinen Kader für Russland bilden. Für mich ist Deutschland im Sommer der Favorit auf den Titel.

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