Als sich Moritz Koburg vor vier Jahren den Berlin Grizzlies anschloss, um Rugby zu spielen, da waren die Bedingungen alles andere als optimal. Der Klub bestand damals gerade einmal aus vier Leuten, die allein auf einem Ascheplatz trainierten. Einen Trainer gab es nicht, dafür waren die Mitspieler nett, also blieb Koburg dabei. Ab 2014 schob er dann zusammen mit Vereinspräsident Mick Schmidt eine Entwicklung an, die die Grizzlies nach zwei Aufstiegen in Folge bis in die Bundesliga befördert hat. Dort empfangen die Treptower am Sonntag den RK 03 Berlin zum Stadtderby (14 Uhr, Willi-Sänger-Sportanlage).

Der Aufstieg der Grizzlies erfolgte so rasant, dass die Vereinsstrukturen damit nicht ganz Schritt halten konnten. Immer noch besteht der Klub hauptsächlich aus den Spielern der ersten Mannschaft. „Wir haben das Pferd von hinten aufgezäumt“, sagt Koburg, auch wenn es inzwischen auch eine zweite Mannschaft und eine Jugendabteilung gibt.

Der Traum von der Meisterschaft

Was fehlt, sind Personen, die sich nur um das Organisatorische kümmern. Bislang erledigen das die Spieler selbst. Als Manager investiert Koburg bis zu 40 Stunden pro Woche in den Verein, alles neben seinem normalen Job – „eigentlich ist das Wahnsinn“, sagt er. Der 26-Jährige bezeichnet sich selbst als „Träumer“. Seine Vision: „In vier Jahren wollen wir Meister werden.“ Dazu steht seit Saisonbeginn auch ein neuer Trainer an der Linie: Der Brite Josh Harvey soll die Spieler vor allem taktisch weiter voranbringen.

Der gute Saisonstart seiner Mannschaft hat Koburg deshalb nicht überrascht. Zwei der ersten drei Spiele haben die Grizzlies gewonnen, in der Tabelle der Nordstaffel stehen sie auf Rang vier – einen Platz vor dem RK 03. Der Lokalrivale hatte zuletzt zweimal das Meisterschafts-Halbfinale erreicht, schwächelt in dieser Saison aber. Für das Derby hofft Koburg auf eine große Kulisse, schließlich sei sein Verein jetzt neben den Fußballern von Union das sportliche Aushängeschild des Bezirks. Er weiß aber auch: „Wir müssen in der Umgebung noch bekannter werden.“

Ein Turnier in der Alten Försterei?

Doch nicht jeder gönnt den Grizzlies ihren Erfolg. Vorige Saison gab es Ärger um fehlerhaft ausgefüllte Spielerausweise, Bilder waren vertauscht worden. Die Konkurrenz sprach von Passfälschung, das Sportgericht verurteilte den Verein zu einer Geldstrafe.

„Diesen Fehler muss ich auf meine Kappe nehmen“, sagt Koburg. Für die Zukunft wünscht er sich weniger Missgunst zwischen den Vereinen. „Wenn wir unseren Sport voranbringen wollen, müssen wir zusammenarbeiten“, sagt er. Gemeinsam könnte man auch in Berlin solche Events wie das „Oktoberfest Sevens“ organisieren, das vor kurzem im Münchener Olympiastadion stattfand. Koburg hätte da auch schon eine Idee: „Ein internationales Turnier in der Alten Försterei“, sagt er, „das hätte was.“