Der Name Becker muss übermächtige Wirkung haben. Und so gelang es dem Präsidenten des Deutschen Tennis Bund, dem pensionierten Schuldirektor Ulrich Klaus, doch tatsächlich, den denkwürdigsten Moment dieses Tages im Frankfurter Römer zu setzen. Kaum hatte er zu einem Statement über die neuen Personalien beim DTB angesetzt, da war der gallige Versprecher auch schon raus. „Barbara Becker“ nannte Klaus vor einer Hundertschaft Journalisten und 20 Kamerateams die langjährige Fed Cup-Chefin Barbara Rittner irrtümlich, so hieß bekanntlich einmal die erste Ehefrau von Boris Becker. Alles Becker – oder was?

Es war allerdings die einzige Irritation an diesem 23. August, einem Meilenstein-Tag für das deutsche Tennis. Offiziell bestätigt wurde: Boris Becker, vor rund 18 Jahren im Unfrieden aus DTB-Diensten geschieden, wird der neue Oberaufseher und Chefkontrolleur im deutschen Männertennis, damit zugleich der Vorgesetzte von Davis Cup-Kapitän Michael Kohlmann. Und Barbara Rittner, die hoch angesehene Bundestrainerin, nimmt die deckungsgleiche Stelle im Frauentennis ein und macht den Weg frei für Jens Gerlach, der ab 1. Januar 2018 neuer Fed Cup-Verantwortlicher wird. Head of Mens und Head of Womens Tennis nennen sich Becker und Rittner.

Becker: „Ich liebe diesen Sport. Ich liebe dieses Land“

Aber was sich dahinter verbirgt, darf man getrost als das denkbar größte Kompetenzzentrum bezeichnen, als eine Gewinner-Koalition. Nämlich zwischen der international erfahrensten, am besten vernetzten Trainerin und einem Mann, der sich, wie er selbst sagte, einen „Vertrauensbonus“ für diese Stelle erworben hatte als Coach des Weltklasseprofis Novak Djokovic: „Ich freue mich unglaublich auf diese Aufgabe. Ich liebe diesen Sport. Ich liebe dieses Land. Und ich bin stolz, es wieder in dieser Position vertreten zu können“, sagte Becker mit gebotenem Pathos.

Für Becker, der kurz nach zwölf auf Krücken in den Saal gehumpelt kam (er war vor fünf Wochen am Sprunggelenk operiert worden), war der Tag ein Wiederbeginn, für Rittner zunächst noch ein Abschied aus der allerersten Reihe: „Alles hat seine Zeit. Ich bin traurig jetzt, aber man muss aufhören und Abschied nehmen, bevor man vielleicht die Leidenschaft verliert“, sagte die Leverkusenerin.

Vertrag gilt erst einmal bis Tokio 2020

Rittner soll sich in der neuen, herausgehobenen Rolle genau so wie Becker auch intensiv um die Nachwuchsförderung kümmern, es gehe darum, die Lücken zu anderen Big Playern im Tennis zu schließen, sagte dazu DTB-Vize Dirk Hordorff, der den Deal mit dem dreimaligen Wimbledon-Champion bei einer Tasse Kaffee in dessen Londoner Haus perfekt gemacht hatte. Becker will, das betonter er mit ausladender Geste, „keinesfalls über den Dingen schweben“, sondern auch immer wieder „an die Basis gehen“.

Als Becker gefragt wurde, wie es sich anfühle, jetzt wieder für das deutsche Tennis zu arbeiten, da erzählte er, wie er bei den Olympischen Spielen in Rio zum Betreuerstab von Novak Djokovic gehört hatte, aber nach dem dritten Tag dort immer öfter Zeit mit den deutschen Spielern verbracht habe: „Irgendwann dachte ich: Mann, du gehörst doch hierhin.“ Bis zu den Spielen von Tokio im Jahr 2020 habe man sich auf eine Kooperation verständigt, so Becker. „Becker wird ehrenamtlich arbeiten“, sagte DTB-Präsident Klaus. Nur die Aufwendungen werden bezahlt. Das erstaunt, da Becker im Moment in einigen Finanznöten steckt. Schon bei den US-Open (bis 10. September) wird Becker unterwegs sein.