Berlin

Daniel Mesenhöler forciert den Kampf ums Union-Tor

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Marcel Stein

Starke Leistung im Pokal zeigt Qualität auf Torhüter-Position

Berlin. Nach großen Momenten fällt die Konzentration oft ab. Zwei Schüsse, zweimal segelte der Ball schnell an Daniel Mesenhöler vorbei ins Netz, kaum dass die Kollegen mit dem Spiel begonnen hatten. Am Montagmittag erlebte der Torhüter beim 1. FC Union den Alltag, das ewige Training. Keine 24 Stunden zuvor war Mesenhöler derjenige gewesen, der dafür gesorgt hat, dass der Alltag der Berliner Zweitliga-Fußballer vor allem Routine bleibt und nicht in zermürbenden Fragen zergeht. Da hatte der Torhüter gehalten, was zu halten war, vielleicht sogar mehr. Nur deshalb überstand Union die erste Runde des DFB-Pokals, mit einem 2:1 nach Verlängerung beim Viertligisten Saarbrücken.

Union und der Pokal, das war in den vergangenen Jahren stets eine schwierige Beziehung. Mit Trainer Jens Keller schien sich diese in der zurückliegenden Saison zu normalisieren. Doch im Saarland sah es fast nach einem Rückfall in alte Zeiten aus. „Es war deutlich mehr Arbeit, als ich erwartet habe. Aber im Endeffekt ist alles gut gegangen. Wir sind vielleicht ein bisschen glücklich in die nächste Runde gekommen“, sagt Mesenhöler. Glück spielte eine Rolle, gewiss, doch das Können des 22-Jährigen zwischen den Pfosten wog dieses Glück auf. Dafür gebührte ihm großer Respekt. „Was Daniel Mesenhöler hinten rausgeholt hat, war sensationell“, so Stürmer Steven Skrzybski. Trainer Keller lobte: „Wir können uns bei Mesi bedanken, der ein Riesenspiel gemacht hat.“

Er strahlt eine Erfahrung aus, die er noch gar nicht besitzt

Viele Eins-gegen-Eins-Situationen musste Mesenhöler entschärfen, hielt einen Elfmeter, den er allerdings selbst verursacht hatte. Er agierte im Stile eines Keepers, der seinen Job schon lange und kontinuierlich auf hohem Niveau erledigt. Doch Erfahrung und Spielpraxis, die fehlen dem Torhüter weitgehend. So ein Spiel wie in Saarbrücken abzuliefern unter diesen Voraussetzungen, „ist nicht selbstverständlich, aber ich war wie immer top vorbereitet. Ich denke, das hat man auch gesehen“, so Mesenhöler. Das könnte Trainer Keller zum Nachdenken anregen. Darüber, wie intensiv er den Kampf zwischen den Pfosten führen lassen möchte.

Für Mesenhöler war es das erste Pflichtspiel der Saison, in der Liga erhielt bislang Jakob Busk den Vorzug. Der Däne, ein Jahr älter, war auch in der vergangenen Spielzeit der Stammkeeper. Als er sich am Saisonende verletzte, übernahm Mesenhöler den Posten für zwölf Partien und absolvierte sie sehr ordentlich. Nach der Vorbereitung auf die neue Spielzeit entschied sich Keller wieder für Busk. Enttäuscht sei er gewesen, habe das aber auch als Zeichen betrachtet, weiter an sich zu arbeiten, so Mesenhöler. Immerhin, das ließ Keller ihn wissen, sei der Abstand zwischen beiden Torhütern gering. Das Pokalspiel zeigte, dass der Jüngere weiter aufgeholt hat und der Trainer auf dieser Position im Prinzip zwei gleichwertige Alternativen besitzt. Das Duell um den Startplatz könnte also an Intensität zunehmen. Auf anderen Positionen sind die Berliner nicht so gut aufgestellt, wie die Partie, in der Jens Keller sieben neue Spieler brachte, verdeutlichte.

Auswirkungen auf das nächste Spiel in der Liga dürften allerdings noch nicht zu erwarten sein. Am Sonntag, wenn Union als Zweiter beim Tabellenführer Nürnberg antritt, wird Busk wieder auflaufen, der Mesenhöler in der Aggressivität beim Herausgehen und bei den passgenauen langen Bällen noch etwas voraushat. In Saarbrücken fiel das allerdings nicht auf.