Budapest

Und auf einmal ist die Formel 1 ein Hort der Moral

Hamiltons Geste an Bottas kann ihn aber den WM-Titel kosten

Budapest.  Moral als wichtige Komponente im Titelkampf, das hat gerade noch gefehlt. Aber wer will, der kann die erstaunlichen Vorkommnisse beim Großen Preis von Ungarn tatsächlich so werten. Während Ferrari WM-Spitzenreiter Sebastian Vettel mit krummer Lenkung unter dem Geleitschutz von Kimi Räikkönen glücklich über die Runden und in die Sommerpause brachte, ließ Mercedes-Titelkandidat Lewis Hamilton um des lieben Betriebsfriedens willen kurz vor der Zieldurchfahrt seinen Teamkollegen Valtteri Bottas wieder durch auf Platz drei. Eine Geste, die ihn drei WM-Punkte kostete – und am Ende vielleicht den Titel.

„Ich habe auf mein Herz gehört und es fürs Team getan“, erklärte Hamilton, „ich habe in diesem Jahr immer betont, dass ich den Titel auf dem richtigen Weg gewinnen möchte.“ Bottas wirkte fast ein wenig irritiert: „Ich bin dem Team und Lewis zu Dank verpflichtet, sie haben ihr Versprechen eingelöst.“ Respekt.

Gut und Böse sind nicht unbedingt die Kriterien, die auf der Rennstrecke gelten, weshalb die Formel Fairplay so überrascht. Zumal Mercedes-Teamaufsichtsrat Niki Lauda – aus alter Ferrari-Schule – eher ein Befürworter der Konzentration auf einen Titelkandidaten ist. Aber dafür war es seinem Landsmann Christian „Toto“ Wolff am Kommandostand noch zu früh, er wollte die aufstrebende Karriere von Valtteri Bottas nicht schon jetzt beschädigen, wo der Rosberg-Ersatz tatsächlich noch eigene Chancen hat. Wolff weiß, dass er sich damit ins Knie schießen könnte: „Auf den ersten Blick mag das vielleicht naiv wirken, aber diese Fairness hat uns drei Titel gewinnen lassen und wird uns auch noch weitere Titel gewinnen. Wenn uns am Ende des Jahres die drei Punkte fehlen, wird jeder sagen, dass wir sie hier verschenkt haben. Aber manchmal ist es wichtiger, zu seinen Werten zu stehen.“

Verboten ist der Eingriff in die Reihenfolge des eigenen Rennstalls laut Reglement nicht mehr, am Ende ist die Formel 1 eine Mannschaftssportart mit zwei Protagonisten. Sie wird nur, anders als bei der Tour de France, wo die Konzentration auf den Einen viel ausgeprägter ist, nicht so wahrgenommen. Entsprechend groß sind immer noch die Diskussionen, wenn vom Kommandostand aus ein Platztausch befohlen oder ein Überholmanöver verhindert wird. Außer bei Ferrari. Da steht am Ende der Mensch immer hinter der Marke zurück. Bei Ferrari zählt nur der Titel.