Budapest

Kubica ist nach Rallyeunfall zurück in der Formel 1

Der Pole testet für Renault und kann sich bald mehr vorstellen

Budapest. Am Mittwoch wird Robert Kubica (32) zum ersten Mal wieder bei offiziellen Testfahrten einen Formel-1-Rennwagen steuern. Ein Comeback nach sechs Jahren, das allein wäre schon bemerkenswert. Aber dazu das eines Rennfahrers, dessen rechter Arm nur noch eingeschränkt bewegungsfähig ist. Dass ihn das Renault-Team dennoch für die Session auf dem Hungaroring gemeldet hat, zeigt, dass der Glaube an den bislang einzigen Polen der Grand-Prix-Geschichte immer noch stark ist.

„Ich bin wirklich happy, dass Robert diesen Test bekommt, und ich werde ein Auge darauf haben, wie er sich schlägt“, sagt Lewis Hamilton. „Es wäre großartig, wenn er in der Lage wäre, zurückzukommen. Er ist ein Naturtalent, wie es in diesem Sport nicht viele gibt und einer der Schnellsten, gegen den ich je gefahren bin. Hätte er weiterfahren können, wäre er vermutlich schon Weltmeister geworden.“ Stattdessen steht nur ein Sieg für ihn zu Buche in seinen 76 Rennen. Es gibt eben Rennfahrerkarrieren, die definieren sich über die Unfälle.

Die von Robert Kubica fällt definitiv in diese Kategorie. 2007 hatte er den immer noch spektakulärsten Formel-1-Crash des Jahrtausends in Kanada unverletzt überlebt. Sein Auto hatte sich bei Tempo 300 überschlagen. Ein Jahr später siegte er an gleiche Stelle in Montreal. Sein einziger Grand Prix. Kubica blieb der Geheimtipp unter den Formel-1-Fahrern, kompromisslos und schnell. Mit Lotus-Renault wollte er 2011 den Sprung an die Spitze schaffen, bis er sich bei einer Jux-Rallye in Italien mehrere schwere Handverletzungen sowie Arm- und Beinbrüche zuzog. Er hatte wieder einen Schutzengel, denn eine Leitplanke hatte den Skoda Fabia durchbohrt. Die Grand-Prix-Karriere war beendet, aber der Mann aus Krakau wollte das nicht akzeptieren. Also musste er selbst für das nächste Wunder sorgen: Komplizierte Operationen, kleine Schritte zurück in Richtung Rennfahren. Er scheut auch den Kampf gegen einen übermächtigen Gegner nicht: die Zweifel der anderen.

Seit 2013 versuchte Kubica sich im Rallyesport. Aber der Traum, in seiner Karriere nochmal die entscheidende Kurve zu kriegen, hat ihn bis heute nicht losgelassen. Um Glanz der Formel 1 geht es dabei nicht. Der Reiz, am Limit zu fahren, obwohl er schon zweimal drüber war, wirkt immer noch. Nach optimistisch verlaufenen Sportwagen-Rennen in Spa-Francorchamps im letzten Herbst ermöglichte ihm sein alter Rennstall zwei Formel-1-Testfahrten mit älteren Modellen, in Valencia und Le Castellet. Renault hatte ihn gebeten, als Referenzfahrer im Simulator des Formel-1-Werksteams im britischen Enstone Runden zu drehen. Kubica gilt als Meister solcher Testläufe, er hat in den letzten Jahren auch regelmäßig für den Weltmeisterrennstall von Mercedes virtuelle Probefahrten absolviert.

Es ist eine Art drittes Rennfahrerleben, das er anstrebt. „Vor ein paar Jahren hätte ich es noch für unmöglich gehalten“, sagte Kubica nach seinem ersten Testeinsatz. Er selbst kann am besten messen, was er gegenüber früher an Fähigkeiten verloren hat. Renault-Renndirektor Cyril Abiteboul will die Spekulationen um eine Rückkehr von Kubica nicht anheizen. Einen Einsatz gleich im nächsten Rennen für den umstrittenen Briten Jolyon Palmer schließt er aus: „Aber Robert ist noch immer schnell, und was noch wichtiger ist, dass er immer noch diese Energie, diesen Antrieb hat.“ Nach den über 200 Runden im Frühsommer sagte Kubica: „Ich glaube, die meisten Fragezeichen sind verschwunden. Ich habe ein sehr gutes Gefühl. Bei den Tests ging es darum, zu sehen, ob ich es schaffen kann oder ob ich die Tür zur Formel 1 für immer schließen muss.“ Er hat sie aufgestoßen.