Gut, dass wenigstens einer klar sieht in dieser Saga, die alle bekannten Rahmen des Fußballs sprengen könnte. Auch wenn es Sergio Ramos war, der Kapitän von Real Madrid, der nach dem 2:3 im Testspiel gegen den FC Barcelona in Florida seine Einschätzung zur Causa Neymar gab. „Ich habe mit ihm Trikot getauscht, und hoffe, dass es das letzte war, das er je für Barca getragen hat.“
Falls jemand in Katalonien bezweifelt, welcher Verlust dem Verein ins Haus steht – in der hoffnungsfrohen Erwartung des Erzrivalen bekam er den Beweis geliefert. „Ein Problem weniger für uns“, feixte Ramos. Die Partie hatte untermauert, welches Problem Neymar für seine Rivalen darstellt: Er war kaum zu verteidigen. Ob er deshalb 222 Millionen Euro wert ist – die Summe seiner Ausstiegsklausel, die Paris St. Germain zu zahlen bereit ist –, mag unter moralischen Gesichtspunkten diskussionswürdig sein, aber in der Logik der Luxusbranche Fußball gilt die Melancholie des Barca-Kapitäns Andrés Iniesta: „Ich glaube nicht, dass uns 200 bis 300 Millionen mehr bringen als Neymar.“
Der Spieler selbst schwieg sich auch in Miami aus. Folgt man jedoch einstimmigen Medienberichten aus Spanien und Frankreich, ist die Entscheidung zugunsten eines Wechsels längst gefallen. Sowohl habe er seinem neuen Klub das Ja gegeben, als auch den engsten Vertrauten des FC Barcelona die Motive erläutert. Die Barca-nahe Presse geht bereits der Frage nach, wen der Verein mit dem vielen Geld als Ersatz kaufen solle. „Griezmann oder Dybala?“ fragte „Sport“ etwa am Sonntag.
Während Neymar heute bei einem PR-Termin in Shanghai auftritt (für Barca), soll in seinen Vorverträgen mit dem PSG sogar der Termin für die offizielle Vorstellung abgemacht worden sein: noch diese Woche. Die Verhandlungen mit dem PSG haben den Ruf des Spielers als gierigste Ich-AG des Weltfußballs nun eindrucksvoll untermauert. „Money, money, money“, wurde er vor ein paar Tagen beim Test gegen Manchester United in Washington von Fans geschmäht. Sein Noch-Teamkollege Gerard Piqué sagte: „Neymar muss sich entscheiden, zwischen mehr Geld oder mehr Titeln“.
fh


