Berliner Champions

Boule: Mit Präzision zum Schweinchen

Dominique Tsuroupa ist der beste Boulespieler Berlins. Bei seinem Sport ist nicht die Hand an der Kugel entscheidend, sondern der Kopf.

Dominique Tsuroupa auf einem Bouleplatz in Kreuzberg

Dominique Tsuroupa auf einem Bouleplatz in Kreuzberg

Foto: Ricarda Spiegel

Berlin.  Die Geschichte mit dem Rheuma erzählt Dominique Tsuroupa nur ungern. Sie ist ihm ein bisschen unangenehm, dabei geht es gar nicht um ihn. Trotzdem rückt der 33-Jährige nur zögerlich mit der wenig schmeichelhaften Episode zum Ursprung von Pétanque, seiner Sportart, heraus.

Anfang des 20. Jahrhunderts lebte in Südfrankreich ein gewisser Jules Le Noir, ein ausgezeichneter Boulespieler, der aber aufgrund eines Rheumaleidens nicht mehr in der Lage war, die drei Anlaufschritte zu machen. Sein Freund Ernest Pitiot erfand deshalb eine Spielvariante ohne Anlauf und auf kürzere Distanz: Pétanque, nach dem französischen Ausdruck "pieds tanqués" – geschlossene Füße. "Diese Geschichte ist eigentlich nichts, worauf man stolz sein kann", sagt Dominique Tsuroupa. Doch mittlerweile ist aus der rheumafreundlichen Version weltweit die populärste Boule-Variante geworden, auch wenn heute kaum noch jemand Pétanque dazu sagt.

Das Talent hat der 33-Jährige vom Vater geerbt

Längst hat sich der Name Boule eingebürgert. Tsuroupa ist Berlins bester Boulespieler. Zwei Mal wurde der Reinickendorfer Deutscher Meister im Triplette, also im Dreier-Team. In der deutschen Rangliste steht er auf Rang neun. Das Talent hat er von seinem Vater geerbt, insgesamt siebenfacher Deutscher Meister. Tsuroupas Vater stammt aus Frankreich – dem Mutterland des Boulesports. Die Sommerurlaube dort waren für den jungen Dominique Tsuroupa das beste Training.

In der deutschen Spitze ist der Berliner eine Ausnahme. Die meisten guten Boulespieler hierzulande stammen aus Baden-Württemberg – dort hatten die Franzosen nach dem Zweiten Weltkrieg ihre Spuren hinterlassen. Auch in Berlin selbst liegt ein Schwerpunkt des Sports in den ehemals französischen Bezirken. Die größte Anlage der Stadt des Club Bouliste de Berlin befindet sich unweit des Flughafens Tegel.

Dort wurde am vergangenen Wochenende die Deutsche Meisterschaft im Doublette Mixte ausgetragen: Tsuroupa trat im gemischten Zweierteam mit seiner Ehefrau Kim Flores an. Beide spielen sie für den TSV Zehlendorf 1888, Berlins einzigen Mehrspartenverein mit einer Bouleabteilung. Bei regnerischem Wetter war für Tsuroupa und seine Flores allerdings schon in der ersten K.o.-Runde Endstation.

Schiedsrichter nur, wenn man sich nicht einig wird

Dominique Tsuroupa fehlte an diesem Tag die nötige Präzision. Beim Pétanque geht es oft um Millimeter, deshalb gehören ein Maßband und ein spezieller Meterstab (Tirette) zur Standardausrüstung. Die Teams klären zunächst unter sich, welche der Kugeln näher an der kleinen Zielkugel liegt, dem sogenannten "Schweinchen" (Cochonnet). Erst wenn sie sich partout nicht einigen können, wird ein Schiedsrichter herbeigerufen.

Körperlich anstrengend ist die Sportart nicht, auch wenn ein Turniertag zwölf Stunden dauern kann. Es kommt vor allem auf den Kopf an. "Boule wird im mentalen Bereich entschieden", so Tsuroupa. Er hält deshalb auch nicht viel davon, das Spiel allzu sehr zu verwissenschaftlichen und bestimmte Spielsituationen gezielt zu trainieren: "Am Ende ist es wie mit dem Elfmeterschießen", sagt er. Den Druck der Situation könne man nicht simulieren.

Die Kugel kann auf zwei Arten gespielt werden, wobei beim Doublette üblicherweise jeder Spieler eine der beiden Aufgaben übernimmt: Der Leger (Pointeur) versucht mit seiner Kugel möglichst nah an die Zielkugel heranzukommen, oder sie zu platzieren, dass sie dem Gegner im Weg liegt. Der Schießer (Tireur) ist für das Entfernen gegnerischer Kugeln verantwortlich. Tsuroupa ist Schießer. Mit 17 war er sogar kurzzeitig Junioren-Weltrekordler im Präzisionsschießen. Auch hier geht es nicht um Kraft, sondern darum, die Beschaffenheit des Bodens einzuschätzen. Der Kopf ist entscheidend.


Die Morgenpost berichtet in ihrer Serie regelmäßig über erfolgreiche Berliner Sportler, die ins Rampenlicht drängen.

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