Die auf dem Papier recht einfache 16. Etappe der Tour de France bot ein echtes Spektakel im Kampf um Tagessieg und Sprinterpunkte. Der Australier Michael Matthews gewann den Sprint in Romans-sur-Isere, musste sich aber einen Nackengriff des erbosten John Degenkolb gefallen lassen, der sich vom Sunweb-Profi behindert fühlte. Matthews verkürzte zugleich den Rückstand in der Wertung des Grünen Trikots auf den an diesem Tage abgehängten Marcel Kittel. Auch in dieser Spezialwertung wird es wieder spannend.

Erschöpft stand Marcel Kittel in der Mixed Zone. Er hatte ein frisches Grünes Trikot an, war aber blasser um die Nase als sonst. „Ich habe heute alles gegeben. Aber es war nicht unser Tag“, sagte der Thüringer. Er hatte an diesem Dienstag viel von seinem Vorsprung in der Punktewertung eingebüßt. Hauptkonkurrent Matthews holte nicht nur den Etappensieg, sondern auch Punkte im Zwischensprint. Nur noch 29 Punkte liegt der Australier jetzt zurück.

Ursache war eine beeindruckende Mannschaftsleistung von Team Sunweb. Bereits an der ersten Bergwertung, dem Cote de Boussoulet nach 20 Kilometern, schlug der deutsche Rennstall ein Tempo an, das Kittel hinten aus dem Feld herausfallen ließ. Der Erfurter kämpfte erst allein, dann von einem, später zwei Teamkameraden unterstützt gegen das enteilende Peloton. Aber dieses Teamzeitfahren gewann auf Dauer Sunweb. Der Rückstand betrug 16 Minuten.

Degenkolb fühlt sich vom Australier behindert

„Es war enorm, was das Team heute geleistet hat. Wir waren ja über 140 Kilometer vorn. Wir hatten uns das vorgenommen. Aber wie jeder seine Aufgabe gelöst hat, das war fabelhaft“, erzählte im Ziel der Niedersachse Nikias Arndt. Er hatte vor allem in der Schlussphase großen Anteil am Tagessieg seines Teamkollegen Matthews. Er fuhr die Lücke zum ausgerissenen Movistar-Fahrer Daniele Bennati zu. „Dadurch war ich etwas zu früh vorn und Michael musste zu früh in den Wind, aber hat dann noch das richtige Hinterrad gefunden“, meinte Arndt weiter.

Arndt gab auch zu, dass er seinem Landsmann John Degenkolb leicht in die Linie gefahren war. Über diesen Kontakt regte sich im Ziel der Frankfurter aber gar nicht auf. Sein Zorn galt Matthews. „Er hat eindeutig seine Linie verlassen und mich behindert. Das geht einfach nicht“, sagte der Tagesdritte, dann doch gefasster, am Teambus. Auf der Ziellinie waren die Emotionen hochgekocht. Wütend reckte der Trek-Profi erst den Arm gegen Matthews, später soll er ihn, nach Darstellung des Australiers, am Kragen gepackt haben. „Das war unsportlich von ihm“, meinte Matthews, der sich selbst gar keiner Schuld bewusst war. „Ich bin einen sauberen Sprint gefahren, habe meine Linie eingehalten“, beteuerte er. Degenkolb sah das anders. Sein Team legte Protest ein – ohne Erfolg.

Matthews tritt mit dem doppelten Etappensieg die Nachfolge Peter Sagans an. Er führt zwar noch nicht in der Punktewertung. Wie der Slowake, der fünf Mal grün gewann, ist er aber ein kletterstarker Sprinter, der auch dann Punkte holen kann, wenn die reinen Kraftsprinter bereits im hinteren Feld sind. Bereits auf der heutigen Etappe durch die Alpen kann er seinen Rückstand weiter verkürzen. Der Zwischensprint erfolgt nach einer Bergwertung der zweiten Kategorie. Matthews kann da vorn sein, Kittel eher nicht. Dann trennen nur noch neun Punkte die beiden. Gelb verteidigte Chris Froome, ohne Probleme.