Marcel Kittel ist auf seinem Sprint in die Geschichtsbücher der Tour de France zum nächsten Rekord gerast: Der Spurtkönig war auch auf der elften Etappe der Frankreich-Rundfahrt eine Klasse für sich und stellte mit seinem fünften Etappensieg bei der laufenden Tour die 40 Jahre alte deutsche Bestmarke von Didi Thurau ein.
„Im Moment kommt alles zusammen, ich habe super Beine und das richtige Gefühl für die Hinterräder“, sagte Kittel (29), der nach 203,5 km in Pau am Fuße der Pyrenäen im Massensprint vor dem Niederländer Dylan Groenewegen (Lotto-NL) und dem Norweger Edvald Boasson Hagen (Dimension Data) lag. Das Gelbe Trikot des Gesamtführenden behauptete Titelverteidiger Christopher Froome.
Konkurrent Greipel nur auf Rang sieben
Als erster Fahrer seit Francois Faber im Jahr 1909 (!) hat Kittel mindestens fünf der ersten elf Etappen gewonnen. Insgesamt hat er nun 14 Tour-Erfolge auf dem Konto, den bisherigen deutschen Rekordmann Erik Zabel (zwölf Siege) hatte er bereits am Dienstag überflügelt.
In einem packenden Finale hatten die Sprintzüge erst 300 Meter vor dem Ziel den polnischen Ausreißer Maciej Bodnar (Bora-hansgrohe) geschnappt. Kittel musste einen weiten Weg fahren, schoss aber an der Konkurrenz vorbei und machte das „Quintuple“ perfekt. André Greipel (34) landete derweil auf Rang sieben. „Ihm fehlt im Moment das Zutrauen“, sagte Lotto-Teamchef Marc Sergeant über den Rostocker.
Rundfahr-Ass Thurau hatte bei seiner glanzvollen Tour 1977, auf der er 15 Tage lang in Gelb fuhr, ebenfalls fünf Etappen gewonnen – darunter auch in Pau. Dort setzte sich der 20-jährige Sieg-Rhythmus der deutschen Profis fort: Nach Thurau und vor Kittel hatte hier 1997 Zabel feiern dürfen.
Merckx’ Tour-Rekord in Reichweite
Nun könnte der Sprinter bei noch drei Chancen auf einen Massenspurt sogar in Reichweite des Tour-Rekords kommen, den Charles Pelissier (1930), Eddy Merckx (1970/1974) und Freddy Maertens (1976) mit je acht Siegen halten. Vorerst legt die Kittel-Show jedoch eine Pause ein. Heute und morgen sind die Kletterer dran. Danach will der Deutsche noch mal attackieren. „Wenn wir arrogant werden, und denken, wir sind unbesiegbar, dann werden wir verlieren“, warnte er. Das klingt alles andere als satt.
BM


