Die Tour de France endet erst in zweieinhalb Wochen, der Anstieg zur Planche des Belles Filles auf der fünften Etappe dürfte am Mittwoch aber den ersten Hinweis über den Ausgang des Rennens geben. Im Jahr 2012 holte hier der Tagesdritte Bradley Wiggins – gezogen von seinem Teamkollegen Christopher Froome – das Gelbe Trikot und gewann danach auch die Tour. 2014 triumphierte der Italiener Vincenzo Nibali zuerst auf der Planche, holte sich damit das Führungsleibchen und bekam es dann auch nach dem Finale auf den Champs Elysees überreicht. 2017 möchte Chris Froome aus dieser Zufallskorrelation gern eine echte Serie machen. „Ja, ich habe gute Erinnerungen an diesen Berg. Er ist gut für aggressive und explosive Fahrer. Er kommt in diesem Jahr bereits früh im Rennen. Und wir werden dann schon besser wissen, wer für den Gesamtsieg in Frage kommt“, meinte der Brite, der die Tour 2013, 2015 und 2016 gewinnen konnte, beim Tour-Auftakt in Düsseldorf.

Froome hat sich gewissenhaft auf diesen ersten Gipfel vorbereitet. Der Sky-Profi, ein wahrer Spezialist in der Streckenanalyse, verlässt sich nicht allein auf seine Erinnerung an das Jahr 2012. Da zog er erst seinen Kapitän Bradley Wiggins auf den Gipfel, parierte dabei eine Attacke von Titelverteidiger Cadel Evans und schuf die Grundlage für seinen Ruf als stärkster Kletterer der Gegenwart. „Froome war unglaublich. Er fuhr die letzten drei Kilometer an der Spitze, konnte mir dann folgen und hinter mir sogar beschleunigen“, meinte damals mit einem Hauch Verzweiflung der Australier Evans. Wiggins durfte damals zwar die Tour gewinnen; die Stallorder von Team Sky hielt Froome in den folgenden zwei Wochen noch zurück. Aber der künftige Toursieger war hier geboren.

Im Mai 2017, im Anschluss an die Tour de Romandie, in der Froome leistungsmäßig unter den eigenen Erwartungen geblieben war, suchte er erneut seinen ersten großen Triumphort auf und prägte sich noch einmal all die Steigungen und Serpentinen ein. Denn die haben es in sich. Der Anstieg ist mit 5,9 Kilometern zwar nicht lang bei einer durchschnittlichen Steigung von 8,5 Prozent Aber er ist nur unrhythmisch zu bezwingen. Davon zeugen schon die 20 Prozent Maximalsteigung, die auf dem letzten Kilometer zu meistern sind. Zum Vergleich: Die legendäre Auffahrt nach l’Alpe-d’Huez weist „nur“ 14 Prozent Maximalsteigung auf. Die „Planke“ ist also eher eine veritable Wand. Thibaut Pinot, Tourdritter 2014, lebt ganz in der Nähe und weiß daher um die Tücken des Aufstiegs.

Dopingverdacht wegen Einnahme von Asthmamittel

„Für uns Leute aus der Gegend ist die Planche des Belles Filles vor allem der Berg, auf dem wir Ski fahren gelernt haben. Auf dem Rad liebe ich ihn eigentlich gar nicht. Er ist so extrem unregelmäßig. Es geht steil los, dann wird es sanfter, und dann wieder supersteil, bevor es auf die Kuppe geht. Das tut allen richtig weh“, so der FDJ-Profi.

Dem analytischen Ansatz von Froomes Team Sky kommt diese Auffahrt vielleicht sogar entgegen. Denn während alle anderen vor allem die Unregelmäßigkeiten sehen, sucht Sky nach Mustern und zergliedert die 5,9 Kilometer. Froome wiederum ist trotz aller Analysevorlieben auch ein Instinktfahrer. Er orientiert sich am Powermeter, kann aber auch intuitiv reagieren. Eine perfekte Mischung. Seit seinem Husarenritt 2012 hält er auch die Bestzeit von 16.23 Minuten für eine Auffahrt. Die Bestenliste von Strava, einer Tracking-App für Radtouren, beginnt bei 17:56 Minuten – aufgestellt von Adam Yates, dem Bruder des aktuellen Tourstarters Simon. Eine Sekunde dahinter Lokalmatador Pinot. An der Stelle sei erwähnt, dass Froome und sein Team Sky natürlich immer mal wieder Dopingverdächtigungen begleiten. Selbst das britische Parlament intererssierte sich schon für die Ausnahmegenehmigung für die Einnahme sonst verbotenenr Asthmamittel.

Froome beteuert immer, er sei sauber, nie verleitete ihn seine Überlegenheit zu großen Sprüchen. Für die Spannung des gesamten Rennens wäre aber zu wünschen, dass die Serie, die den Gesamtführenden an der Planche des Belles Filles auch in Paris vorn sieht, endlich reißt. Passiert das nicht, dann sind in Zukunft Alpen und Pyrenäen entwertet, wenn schon die Vogesen über das Klassement entscheiden. Es geht also um viel bei dieser 5. Etappe der Tour 2017.