Tour de France

Sagan bringt Bora den Premieren-Sieg

Für Bora-Hansgrohe hat sich die Verpflichtung des Weltmeisters gelohnt. Er sichert dem deutschen Radteam den ersten Tour-Sieg überhaupt.

Weltmeister Peter Sagan (Slowakei) ist im Zielsprint mal wieder der Stärkste

Weltmeister Peter Sagan (Slowakei) ist im Zielsprint mal wieder der Stärkste

Foto: Bryn Lennon / Getty Images

Nachdem Peter Sagan sein deutsches Team Bora-Hansgrohe in den siebten Tour-Himmel geschickt hatte, zog der exzentrische Superstar gleich die nächste große Show ab. Um den Hals trug er eine riesige Motocross-Brille, den Schriftzug "1st" auf dem einen, "100%" auf dem anderen Glas, verkündete der slowakische Weltmeister im Zielraum von Longwy lauthals: "Der Sieg ist einfach super – denn jetzt gibt es mehr Bier!"

Und das hat sich der 27 Jahre alte Radsport-Showman auch redlich verdient. Mit dem Triumph beim knüppelharten Bergaufsprint der dritten Etappe der Tour de France hat Sagan der Bora-Hansgrohe-Mannschaft den ersten Sieg überhaupt beim wichtigsten Radrennen der Welt beschert. Einen Tag nach dem Sprintsieg von Marcel Kittel, der am Montag das Grüne Trikot erfolgreich verteidigte, gehen die deutschen Festtage in Frankreich weiter. "Ich danke dem ganzen Team, es hat grandiose Arbeit geleistet", sagte Sagan artig – doch sein Anteil am Sieg war freilich der mit Abstand größte: "Ich bin unglaublich froh. Wenn ich ehrlich bin, hatte ich im Sprint nicht einmal eine Strategie. Im Finale hatte ich ja auch noch Pech, hab's aber ganz gut hinbekommen."

Das war freilich maßlos untertrieben. Im Finale nach 212,5 Kilometern an der Cote de Religieuses war Sagan unwiderstehlich angetreten, dann aber aus der Pedale gerutscht. Dennoch blieb er völlig cool, korrigierte den Fauxpas, zog den Sprint voll durch und siegte vor dem Australier Michael Matthews (Sunweb) und dem Iren Daniel Martin (Quick Step). "Das ist ein großer Moment für mich. Seit 2010 sind wir stetig gewachsen und stehen jetzt oben. Jetzt hat es endlich geklappt, da werden wir heute Abend sicher anstoßen", sagte Teammanager Ralph Denk, dessen Equipe unter anderen Namen zuvor bereits Siege bei der Vuelta in Spanien (2013 durch Leopold König) und beim Giro in Italien (2017 durch Lukas Pöstlberger) gefeiert hatte. "Peter zahlt sich schon die ganze Saison aus", schwärmte Denk nach der Gala-Vorführung seines Stars, der pro Saison rund vier Millionen Euro verdienen soll. Woher denn aber nun die Motocross-Brille auf einmal kam, wollte der Slowake nicht verraten. Nur soviel: "Die ist einfach stylish. Richtig nice. Und aerodynamisch – die trage ich jetzt beim nächsten Zeitfahren."

Das Gelbe Trikot verteidigte derweil Brite Geraint Thomas (Sky), er führt mit zwölf Sekunden Vorsprung auf seinen Teamkollegen und Titelverteidiger Christopher Froome (Großbritannien) sowie Matthews. Marcel Kittel spielte am Tag nach seinem Triumph in Lüttich keine Rolle, blieb im Rennen um Grün aber knapp vor Sagan, der die Punktewertung zuletzt fünfmal in Serie gewonnen hatte. Der Thüringer sparte Körner für die vierte Etappe – am Dienstag dürfte es in Vittel zum zweiten Massenspurt kommen: "Wenn meine Mannschaft und ich weiter so gut zusammenarbeiten, bin ich sicher, dass wir um den einen oder anderen weiteren Sieg kämpfen werden."

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