Tony Martin machte aus seinem Frust kein Geheimnis, als er einige Minuten nach seiner Zielankunft am Bus seiner Mannschaft Katusha Alpecin ankam. „Ich bin riesig enttäuscht“, sagte der viermalige Weltmeister über seinen vierten Platz im Zeitfahren über 14 Kilometer. Martin wollte unbedingt den Sieg zum Auftakt der 104. Tour de France, die am Sonnabend bei Dauerregen in Düsseldorf begann. Monatelang hatte er sich auf diesen Tag vorbereitet, um mit einem Erfolg in seiner Spezialdisziplin ins Gelbe Trikot schlüpfen zu können. „Es ist sehr schade für mich, ich habe gesagt, dass es eine einmalige Chance ist, in Deutschland in Gelb zu fahren“, erklärte Martin.
Er hatte auf dem Kurs durch die Düsseldorfer Innenstadt mutig begonnen. Trotz des Regens, der den Asphalt in eine gefährliche Rutschbahn verwandelt hatte, trat er voll in die Pedale und lag auch zur Hälfte der Strecke noch an der Position eins. Aber am Ende gewann nicht Martin, sondern der Brite Geraint Thomas aus der Sky-Mannschaft von Titelverteidiger Chris Froome. Thomas benötigte für den Kurs 16:04 Minuten und war damit acht Sekunden schneller als der Deutsche.
Enttäuschung beim Deutschen
Trotz seiner Enttäuschung wird Martin den Grand Départ in Düsseldorf in bester Erinnerung behalten. „Es war ein wunderschönes Rennen. Ich habe überhaupt keine Anweisungen verstanden, weil die Leute mich so gepusht, so angefeuert haben“, sagte er über die vielen Tausend Zuschauer, die dem Wetter in Düsseldorf trotzten. „Durch den Regen war es ein unrhythmisches Rennen, anders als erhofft. Mit dem Wetter hatte dauerhaft niemand gerechnet. Das kam mir natürlich nicht entgegen. Es war für alle das Gleiche, aber das Unrhythmische, das Beschleunigen aus den Kurven hat mir den Zahn gezogen.“
Bei den ebenso schwierigen wie gefährlichen Bedingungen gab es zahlreiche Stürze. Schlimm endete es für Alejandro Valverde, für den Routinier ist die Tour bereits beendet. Der Spanier kam in einer tückischen Kurve zu Fall und krachte in ein Absperrgitter, er brach sich die linke Kniescheibe und zog sich eine tiefe Fleischwunde am Bein zu. Bitter ist Valverdes Ausfall auch für Nairo Quintana. Valverde sollte im Team Movistar der Edelhelfer des Kolumbianers sein. Glück im Unglück hatte Tour-Neuling Rick Zabel, der bei seiner Premiere gleich stürzte. „Ich habe ein bisschen zu viel Risiko genommen und bin weggerutscht“, sagte der Sohn von Ex-Profi Erik Zabel. Rick Zabel wurde 190., über zwei Minuten hinter dem Sieger.
Sprinter sind am Sonntag am Zug
Von den Favoriten machte Titelverteidiger Christopher Froome den besten Eindruck. Der Brite kam als Sechster mit zwölf Sekunden auf seinen Sky-Kollegen Thomas ins Ziel und machte gegenüber seinen vermeintlich härtesten Konkurrenten um den Gesamtsieg, nämlich Quintana und Richie Porte aus Australien, schon wichtige Sekunden gut.
Zweitbester Deutscher war Marcel Kittel, der Neunter mit einem Rückstand von 16 Sekunden wurde. Kittel will am Sonntag auf der ersten Etappe nach Lüttich wie auch André Greipel und John Degenkolb seine Sprint-Qualitäten ausspielen.


