Marc Bartra stand allein vor der tosenden Südtribüne und weinte. Trotzig reckte der Spanier den Fans nach dem episch-verrückten Millionenspiel, das Borussia Dortmund die direkte Champions-League-Teilnahme sicherte, seinen gelb geschienten Arm entgegen. Thomas Tuchel drückte ihm im Überschwang einen Schmatzer auf die Wange. Dazu dirigierte Torschützenkönig Pierre-Emerick Aubameyang den Tanz der Sieger. Es könnte alles so schön sein beim BVB – ist es aber nicht.

Noch absurder erscheint nach diesem so ekstatisch bejubelten 4:3 (2:1) gegen Werder Bremen, dass es wahrscheinlich Tuchels letztes Heimspiel als Borussen-Trainer gewesen ist. Weil sich die Verantwortlichen der Schwarz-Gelben nicht mehr annähernd grün sind – trotz des Erfolgs und einer exzellenten Chance auf den DFB-Pokal-Sieg am Sonnabend (20 Uhr).

Der Versuch, Einigkeit zu demonstrieren

Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und Tuchel nahmen sich immerhin kurz in den Arm. „Na klar umarmen wir uns. Aki fiebert da oben ja schließlich auch heftig mit“, sagte Tuchel, ohne auf die Risse im Verhältnis einzugehen: „Dass ich große Lust auf eine weitere Saison hier habe, steht außer Frage.“ Watzke wollte sich hingegen nicht äußern. Der Versuch, Einigkeit zu demonstrieren, um den Pokalsieg nicht zu gefährden.

Der Trainer nannte die letzten Minuten eines wüsten, beinahe chaotischen Spiels „unglaublich emotional“, eine „wilde Fahrt“ sei es gewesen. Dies trifft noch mehr auf die gesamte Saison zu, die vom schockierenden Bomben-Anschlag auf den Teambus am 11. April überschattet wurde. 39 Tage nach dem Attentat stand Bartra, der einzige Verletzte durch die Explosion, plötzlich in der Startelf, weil sich Marcel Schmelzer beim Aufwärmen verletzt hatte. Als Bartra Stunden später mit seiner Tochter aus der Arena schlenderte, habe es sich angefühlt, „als sei ein Kreislauf geschlossen“, sagte Tuchel.

Tuchel fordert Tore vom wechselwilligen Aubameyang

Nun also geht es nach Berlin, wo reichlich moralische Unterstützung wartet. Spieler, Verantwortliche und Fans von Hertha BSC drücken den Dortmundern alle Daumen, schließlich wäre der Hauptstadtklub nur bei einem Sieg der Borussia direkt für die Gruppenphase der Europa League qualifiziert. Gewinnt jedoch Eintracht Frankfurt, müsste Hertha zwei Qualifikationsrunde überstehen.

Nicht nur Berlin, auch der Breisgau wird Sonnabend hinter dem BVB stehen. Der SC Freiburg würde nur allzu gern in der dritten Qualifikationsrunde antreten, bräuchte als Tabellensiebter aber ebenfalls schwarz-gelbe Unterstützung. „Ich bin nächste Woche Dortmund Fan“, sagte Stürmer Nils Petersen – „die ganze Mannschaft ist jetzt Dortmund-Fan.“ Klub-Präsident Fritz Keller, der das Pokal-Finale im Olympiastadion verfolgen wird, versprach: Sollte der BVB gewinnen, „gehen ein paar Fläschle Wein nach Dortmund“.

Dort wird nicht nur über Tuchels Zukunft spekuliert, sondern auch über die von Torschützenkönig Aubameyang. „Ich werde nach dem Finale mit dem Klub sprechen“, sagte der Gabuner. Dies wäre angesichts seines Vertrages bis 2020 kaum nötig, würde er nicht wechseln wollen. Tuchel gab ihm noch einen Auftrag: „In Berlin darf er gerne noch mal treffen.“

BM