Die einheimischen Tennis-Asse kannte Franziska Sziedat bislang nur aus dem Fernsehen. Die Weltranglistenzweite Angelique Kerber etwa, Julia Görges oder Laura Siegemund, die erst kürzlich das WTA-Turnier von Stuttgart gewonnen hat. Nun spielen sie in einer Liga. Sziedat ist mit dem TC 1899 Blau-Weiss in die Bundesliga aufgestiegen, wo die besten deutschen Spielerinnen aufschlagen, sofern es die Verpflichtungen auf der WTA-Tour zulassen. Die Saison startet für die Berlinerinnen am Freitag beim Club an der Alster in Hamburg. Dort spielt unter anderem die Weltranglisten-17. Barbora Strycova aus Tschechien. Am Sonntag (11 Uhr, Waldmeisterstraße) empfängt Blau-Weiss dann Aachen auf der Anlage im Grunewald.

„Es ist für uns eine große Ehre, wieder in der Bundesliga mitzuspielen“, sagt Franziska Sziedat. 2013 und 2014 war Blau-Weiss sogar zweimal Dritter, zuletzt war der Klub aber nur noch zweitklassig. Auch in der vergangenen Saison verpasste er sportlich den Aufstieg, nutzte aber die Chance, als Nachrücker in die Bundesliga aufzusteigen, nachdem sich der ehemalige Deutsche Meister Ratingen vom Spielbetrieb zurückgezogen hatte.

Beim ersten Training musste der Vater ihre Hand halten

„Ich finde es super, dass der Verein diesen Schritt gewagt hat. Wir hatten uns schon in der Zweiten Liga gut geschlagen“, findet Franziska Sziedat. Teamchef Michael Brandt macht allerdings keinen Hehl daraus, „dass es für uns mit dieser Mannschaft nur um den Klassenerhalt geht“. Blau-Weiss hat nur wenige Ausländerinnen im Kader, darunter als Spitzenspielerin die neu verpflichtete Russin Ekaterina Alexandrova. Die Nummer 88 der Weltrangliste schlug 2016 in Wimbledon auch schon einmal die frühere Nummer eins der Welt, die Serbin Ana Ivanovic. Neben Alexandrova stehen viele junge Deutsche im Aufgebot. Dass mit Franziska Sziedat sogar eine 16-Jährige in der Bundesliga eingesetzt wird, sagt einiges über die Ambitionen des Berliner Klubs.

Bei ihrem Namen dürften einige hellhörig werden. Ihr Vater Michael Sziedat absolvierte für Hertha BSC und Eintracht Frankfurt insgesamt 379 Spiele in der Fußball-Bundesliga. Seine 280 Bundesligaeinsätze für die Berliner waren Vereinsrekord bis 2010, als er von Pál Dárdai übertroffen wurde. Auch Franziska Sziedat spielte als Kind zunächst Fußball, ehe sie mit sieben Jahren mit dem Tennistraining begann. Anfangs war sie auf dem Court schüchtern: „Mein Vater hielt meine linke Hand, während ich mit der rechten gespielt habe“, erinnert sich die Schülerin.

Bald stellten sich die Erfolge ein: Sziedat wurde Dritte bei deutschen Jugendmeisterschaften, war ostdeutsche und norddeutsche Meisterin und mehrmals Berliner Champion in der U18. Bis 2015 spielte sie noch bei einem kleinen Verein, dem Tennisclub Lichterfelde 77. Dort trat sie schon mit zwölf gegen die Männer an. „Am Anfang hatte ich keine Chance, aber mit der Zeit haben mich diese Duelle immer stärker gemacht“, sagt sie. Irgendwann wollte niemand mehr gegen sie antreten – weil es den Erwachsenen peinlich war, gegen ein Mädchen zu verlieren.

Seit 2016 spielt Franziska Sziedat für Blau-Weiss. Am wohlsten fühlt sie sich auf Sand – auf diesem Belag wird auch in der Bundesliga gespielt. „Sie hat viel Ballgefühl und ein gutes Händchen“, sagt Michael Brandt über seine Athletin. Und auch Sziedats Vater ist nicht traurig, dass seine Tochter nicht in seine Fußstapfen getreten und Fußballspielerin geworden ist. Immerhin hat Blau-Weiss ja die gleichen Vereinsfarben wie Hertha.