Radprofi Peter Sagan (27) mag einfach die große Show. Auf dem Rennrad will der Slowake immer gewinnen, am liebsten aber mit einer spektakulären Performance. Auch am Sonntag bei der Flandernrundfahrt (ab 13.45 Uhr live bei Europsport), die der Weltmeister von 2015 und 2016 im Vorjahr erstmals gewann.
Herr Sagan, warum kamen Sie zu Saisonbeginn zum deutschen TeamBora hansgrohe und nicht zu einem größeren, bekannteren Rennstall?
Peter Sagan: Es gab eine Menge Interessenten. Aber die meisten redeten einfach nur. Ralph Denk und Willi Bruckbauer (die Teamchefs, d.Red.) waren anders. Sie ließen Taten sprechen, und das überzeugte mich.
Außer dem Trikot hat sich für Sie persönlich ja nicht allzu viel geändert, oder? Sie brachten Ihren Bruder, weitere Fahrerkollegen aus dem vorherigen Team Tinkoff und sogar Ihre Masseure und Mechaniker mit.
Das ist sehr wichtig für mich, denn alles geht leichter, wenn du mit Leuten arbeitest, die du magst. Es macht dann einfach Spaß. Deshalb war die Veränderung auch nicht so groß. Ich bin Ralph dankbar, dass er das möglich machte.
Welches ist Ihr Lieblings-Klassiker?
Als ich mit dem Radsport anfing, waren die einzigen Profirennen, von denen ich gehört hatte, die Flandernrundfahrt, Paris-Roubaix und die Tour de France. Für mich sind Flandern und Roubaix noch immer die größten Eintagesrennen. Sie sind eine echte Herausforderung und die Fans dort sind einfach besonders.
Wann haben Sie denn gemerkt, dass Sie das Talent haben, um Radprofi zu werden?
Als ich den ersten Profivertrag unterschrieben habe. Da hat die Geschichte für mich begonnen. Ich bin keiner, der viel darüber nachdenkt, was ich in fünf Jahren machen werde. Ich bin jetzt hier, und was mir passiert, das passiert. Das ist Schicksal. Ich habe zum Beispiel auch nie daran gedacht, eine Tour de France zu fahren. Das war ein Traum, mehr nicht. Aber Träume werden Tag für Tag realer und dann werden sie eines Tages auch wahr.
Bei der Tour dominieren die Sprintwertung. Auf das Grüne Trikot haben Sie ein Abo wie einst Erik Zabel. Sie könnten in diesem Jahr sogar seinen Rekord einstellen. Wird es nicht langsam langweilig für Sie, immer das Grüne Trikot zu holen?
Wenn man bei der Tour Langeweile verspürt, sollte man mit dem Radsport aufhören. Ansonsten denke ich nicht zu viel daran, dass ich Zabels Rekord einstellen kann. Wenn es so kommt, bin ich sehr glücklich, aber ich habe deswegen keine schlaflosen Nächte.
Was bedeutet denn Glück für Sie persönlich?
Glück bedeutet, mit meiner Familie und den Leuten, die mir wichtig sind, zusammen zu sein. Das sind die Momente, die ich am meisten schätze.
Einige Jahre waren Sie der „König der zweiten Plätze“. Sie waren oft im Finale dabei, aber fast genauso oft schnappten Ihnen andere den Sieg weg. Jetzt gewinnen Sie häufiger. Was ist der Grund dafür?
Ich denke, ich habe mehr Erfahrung gewonnen. Und ehrlich, ich werde als Fahrer auch immer besser. Und dann ist es eben so, dass du manchmal verlierst, und manchmal gewinnst du halt...
Ihr Sport war einst von Doping verseucht. Wie sehen Sie aktuell die Situation?
Wer heute Dummheiten macht, der wird sofort gefunden. Es gibt keine Möglichkeit mehr. Wenn du da was machst, dann bist du dumm oder krank. Wir geben doch alles an, die Hotels, in denen wir sind. Wir sind wie im Gefängnis. Ich habe mir damals gesagt, als ich zu den Profis kam: Ich weiß nicht, wie es weitergeht, aber ich bin zufrieden, dass ich dabei bin. Und ich hatte keine Ambitionen, dass ich das oder das Rennen unbedingt gewinnen muss. Und als ich die ersten Siege einfuhr, da dachte ich mir, dass ich lieber weniger Siege habe, als mich dopen zu müssen, um irgendwelche Quoten zu erreichen. Lieber gewinne ich nur zwei- oder dreimal im Jahr. Ich will da nichts riskieren.
Sie fahren als Weltmeister jetzt in einem deutschen Team. Was haben Sie bisher von Deutschland gesehen?
Am Tegernsee hatten wir unser erstes Trainingslager. Der See, die Berge – eine wirklich schöne Gegend. Und auch die Leute waren sehr nett. Ich freue mich natürlich auch auf den Grand Depart der Tour de France in Düsseldorf. Das wird sicher etwas ganz Besonderes für einen deutschen Rennstall. Ich hoffe, dass ich mit meinem Team mehr Mädchen und Jungen dazu bringen kann, Radsport zu betreiben. Es würde mir viel bedeuten, wenn ein künftiger Marcel Kittel, André Greipel oder John Degenkolb mal sagen würde, er habe mich als Kind in Düsseldorf fahren sehen.


