Boxen

Das Profiboxen bekommt eine Champions League

Die Inflation an Box-Weltmeistern stört auch die Box-Weltmeister. Nun wird ein neuer Versuch gestartet, für klare Verhältnisse zu sorgen.

Jack Culcay (l.) boxt am Sonnabend gegen Demetrius Andrade um den WM-Titel im Superweltergewicht. Er gilt als Kandidate für die neue Superserie

Jack Culcay (l.) boxt am Sonnabend gegen Demetrius Andrade um den WM-Titel im Superweltergewicht. Er gilt als Kandidate für die neue Superserie

Foto: Uwe Anspach / dpa

Hamburg.  Den Traum vieler Boxfans, einen Besten in jeder Gewichtsklasse zu ermitteln anstatt vier Weltmeister, teilt Kalle Sauerland seit Langem. In diesem Jahr scheint der Traum des Mitinhabers des Hamburger Profistalls Sauerland Realität zu werden. Auf einer Pressekonferenz im The Pierre Hotel in New York wurden am Donnerstagabend deutscher Zeit die Pläne für ein weltweites Turnier vorgestellt, das das Profiboxen revolutionieren soll: die „World Boxing Super Series“.

Im September Start, im Mai Finale

Starten soll das von Sauerland in den vergangenen zweieinhalb Jahren maßgeblich mitentwickelte Format im September 2017 in zunächst zwei Gewichtsklassen. Je Limit sind acht Kämpfer am Start, die sich im K.-o.-System mit Viertelfinale, Halbfinale (Januar/Februar 2018) und Finale (Mai 2018) duellieren. Die Kämpfe werden weltweit an verschiedenen Orten ausgetragen und sind auf zwölf Runden à drei Minuten angesetzt. Die erste Staffel ist mit 50 Millionen Dollar Preisgeld dotiert, die Summe soll ebenso sukzessive steigen wie die Zahl der involvierten Gewichtsklassen. Die Sieger erhalten die „Muhammad Ali Trophy“ in Erinnerung an den größten Boxer aller Zeiten, dessen Tochter Laila (39) ihr Einverständnis gegeben hat.

Organisiert wird das Turnier von der neu gegründeten Comosa AG mit Sitz in der Schweiz, deren Chief Boxing Officer Sauerland (39) ist. „Wir sind stolz, dass wir eng mit der Familie des Größten kooperieren und damit Alis Vermächtnis in Ehren halten können“, sagt der Wahl-Hamburger, der kürzlich den Firmensitz von Berlin an die Elbe verlegt hatte. Shareholder von Comosa sind unter anderen das Medienunternehmen Modern Times Group mit Hauptsitz in Stockholm (Schweden) und die Schweizer Vermarktungsagentur Highlight Event & Entertainment, die die Fußball-Champions-League zu einem Erfolgsprodukt gemacht hat.

Lehren gezogen aus dem Super-Six-Turnier

„Die World Boxing Super Series wird die Boxwelt verändern. Sie wird neue Standards setzen und über das gesamte Jahr hochklassiges Boxen garantieren. Wir wollen sie zum größten und besten Boxturnier der Welt machen“, sagt Robert Dalmiglio, Head of Management Board der Comosa AG. Um das zu erreichen, habe man aus dem Super-Six-Turnier im Supermittelgewicht, das Sauerland 2009 initiiert hatte, wichtige Lehren gezogen. Damals war stark kritisiert worden, dass sich das Turnier, das der US-Amerikaner Andre Ward gewann, über zwei Jahre hingezogen hatte, da zunächst in Dreiergruppen Vorrundenkämpfe ausgetragen wurden.

„Die World Series werden einen verlässlichen Zeitplan einhalten“, sagt Sauerland. So sei sichergestellt, dass es einen Pool von Ersatzboxern gebe, die in ständiger Kampfbereitschaft stünden und sogar auf kurzfristige Ausfälle am Kampfabend reagieren könnten. „Wimbledon wartet auch nicht auf Roger Federer, und genau an solchen Topturnieren orientieren wir uns.“

50 Millionen Dollar Preisgeld als Motivation

Wichtig ist, dass die vier bedeutenden Weltverbände WBC, WBA, WBO und IBF hinter dem Projekt stehen und mit Promotern und Managern weltweit kooperiert wird. „Wir schließen niemanden aus. Das Turnier soll eine Bereicherung für das gesamte Boxen werden“, sagt Sauerland. Zwar könne nicht garantiert werden, dass die Weltmeister aller vier Verbände antreten, da niemand gezwungen werden solle. „Aber das hohe Preisgeld dürfte einen entsprechenden Anreiz für alle schaffen.“

Die vier bestplatzierten Boxer werden fürs Viertelfinale gesetzt, um nicht sofort aufeinander zu treffen. Alle Teilnehmer werden von einem Expertengremium bestimmt, das aus Vertretern der vier Verbände, Journalisten und Boxpersönlichkeiten besteht. Bewerben können sich alle Boxer, die in den Top 15 der Weltranglisten platziert sind.

Gewichtsklassen werden noch festgelegt

In welchen Gewichtsklassen die Premiere ausgetragen wird, soll in Kürze bekannt gegeben werden. Die 16 Starter werden im Juni 2017 auf einer Draft Gala in New York oder Los Angeles, auf der die jeweils vier gesetzten Boxer ihre Gegner selbst wählen dürfen, verkündet. Aus Deutschland kommen die aktuellen Weltmeister Jack Culcay (31, verteidigt WBA-Titel im Superweltergewicht am Sonnabend in Ludwigshafen gegen den US-Amerikaner Demetrius Andrade) und Tyron Zeuge (24, Titelverteidigung seines WBA-Gürtels im Supermittelgewicht am 25. März in Potsdam gegen den Nigerianer Isaac Ekpo) infrage. Aber auch Ex-Champions wie Jürgen Brähmer (38, Halbschwer), Arthur Abraham (37) oder Robert Stieglitz (35, beide Supermittel) dürften Kandidaten sein.

Welche TV-Sender die Kämpfe in Deutschland übertragen werden, steht noch nicht fest. Die Fernsehrechte wurden weltweit außerhalb der USA für vier Jahre an den am stärksten wachsenden Medienrechtegiganten MP & Silva veräußert. Der 2004 in Singapur gegründete Konzern, der dem chinesischen Investmentriesen Everbright gehört, vermarktet unter anderem alle großen europäischen Fußballligen und die Formel 1 und wird in Kürze Sublizenzen anbieten. Sauerland, dessen Kämpfer aktuell exklusiv in der Sendergruppe ProSieben Sat.1 zu sehen sind, betonte, dass die Geschäfte aller deutschen Promoter von den neuen Plänen unberührt seien – es sei denn, einer der oben genannten Kämpfer qualifiziert sich für die „World Series“.

„So ein Turnier hat dem Boxen gefehlt“

Richard Schaefer, Chairman von Comosa, ist überzeugt davon, das Profiboxen auf ein neues Level heben zu können. „Genauso ein Turnier hat dem Boxen gefehlt, und die Kompetenz der Leute im Hintergrund wird sicherstellen, dass es ein Erfolg wird“, sagt er. Das gilt es ab September zu beweisen.

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