Acht zu null! Gegen Timo Boll! Und das als Amateur. Sebastian Borchardt erinnert sich gern daran zurück, wie er vor Jahren gegen Deutschlands bekanntesten Tischtennisspieler einmal so deutlich in Führung lag. „Ich habe sogar ein Foto mit dem Zwischenstand“, erzählt er. Auch wenn er den Satz und das Spiel noch verlor: Diesen Moment kann Borchardt keiner mehr nehmen.

Gegen den aktuell besten Deutschen Dimitrij Ovtcharov hat der Berliner sogar schon einmal gewonnen, allerdings war Ovtcharov zu der Zeit noch Jugendlicher. „Er war trotzdem schon besser als ich“, sagt Borchardt. Doch im Tischtennis haben Außenseiter eine Chance, auch weil zum Gewinn eines Satzes nur elf Punkte benötigt werden. „Das macht die Sportart für Spieler und Zuschauer so interessant“, so Borchardt.

Drei Mal DM-Dritter im Doppel

Am Wochenende trifft er bei den Deutschen Meisterschaften in Bamberg auf die nationale Spitze. An die Halle hat er gute Erinnerungen, dort wurde er 2013 DM-Dritter im Doppel – schon seine dritte Bronzemedaille im Doppel nach 2007 und 2008. „Damals sah ich noch ein bisschen fitter aus als jetzt“, bemerkt er. Borchardt ist jetzt 32 Jahre alt und sein Körper inzwischen nicht mehr ganz austrainiert. Doch auch dafür ist Tischtennis bekannt: Dass man – bis zu einem bestimmten Level – auch dann noch mithalten kann, wenn Tempo und Ausdauer langsam nachlassen. Mit Erfahrung und Taktik lassen sich diese körperlichen Defizite wettmachen. „Ich mache gute Aufschläge und komme so schnell zu einfachen Punkten. Während der ersten paar Ballwechsel bin ich deshalb meist im Vorteil“, sagt Borchardt. Er lacht: „Aber je länger es dauert, desto mehr wandelt sich das Blatt.“

Insgesamt sieben Mal war der Lichtenberger Berliner Meister im Einzel, zudem dreimal norddeutscher Meister. Auch in diesem Winter hat er wieder beide Titel geholt. Schon sein Vater Bernhard Thiel gehörte zu den besten Tischtennisspielern der DDR. „Er hat die Medaillen nach Hause gebracht und sie mir dann immer um den Hals gehängt“, erzählt Borchardt. Mit sieben Jahren fing er selbst an, Tischtennis zu spielen. 2008 hätte er es sogar fast in die Erste Liga geschafft, doch sein damaliger Klub Tennis Borussia Berlin konnte sich den Aufstieg trotz sportlicher Qualifikation nicht leisten. Die Zeit bei TeBe will Borchardt trotzdem nicht missen: „Wir hatten eine tolle Mannschaft“, sagt er.

Mit Hertha will er zurück in die Zweite Liga

Auch sein aktueller Klub ist wieder ein Fußballverein: Hertha BSC. Die Tischtennisabteilung der Herthaner spielt in der Dritten Liga, ist dort aktuell Dritter. Nur der Erste steigt sicher auf, der Zweite hat ebenfalls noch Chancen, den Sprung nach oben zu schaffen. „Unser Ziel ist die Zweite Liga“, sagt Borchardt. Dort spielte Hertha schon von 1997 bis 2013; zwischen 1971 und 1974 sowie 1985 und 1987 war der Klub sogar zweimal kurzzeitig erstklassig. Immer wieder würden auch Fußballfans vorbeischauen, um die Tischtennisspieler der Blau-Weißen anzufeuern, sagt Borchardt. „Leider spielen wir oft zeitgleich mit den Fußballern. Wenn sie spielfrei haben, kommen gleich mehr Zuschauer.“ Einige sind inzwischen sogar Stammbesucher.

Die Morgenpost berichtet in ihrer Serie jeden Mittwoch über erfolgreiche Berliner Sportler, die ins Rampenlicht drängen.