Die drei größten Geschichten aus dem kleinen Berliner Fußball

Wieder mal ein Neuanfang bei TeBe

Mit dem in der Winterpause verpflichteten Trainer Yildiz wollen die Charlottenburger zurück in die Regionalliga

Berlin. Tennis Borussia konnte am vergangenen Wochenende spielen. Zwar wieder nicht wie vorgesehen um Punkte, doch Cemal Yildiz ist inzwischen mit wenig zufrieden. „Ich bin froh, dass wir kurzfristig einen Gegner gefunden haben“, sagt der neue Trainer über den Test gegen den Ludwigsfelder FC aus der Brandenburgliga (2:2). Immerhin rollte der Ball.

Der Tabellensechste befindet sich in einer Dauer-Warteschleife. Wegen vereister Plätze war über Wochen kaum Training möglich, auch die Testspiele fielen reihenweise aus. Keine guten Voraussetzungen für einen Coach, der frisch im Amt ist und die Mannschaft kennenlernen muss. Die ersten beiden Oberliga-Pflichtspiele des Jahres wurden witterungsbedingt abgesagt. Freitag (19.30 Uhr, Mommsenstadion) fällt – falls es das Wetter zulässt – gegen Germania Schöneiche endlich der Startschuss zum Neubeginn. „Zeit wird‘s“, sagt Yildiz.

Nach zweieinhalb Jahren hatte Daniel Volbert kurz vor Weihnachten als Trainer und Sportlicher Leiter der Männermannschaft gehen müssen. Inzwischen ist die Zusammenarbeit mit ihm auch als Sportlicher Leiter der Jugend beendet worden. Mit Volbert war man in die Oberliga zurückgekehrt, dort gab es auf Anhieb Platz vier. In dieser Saison häuften sich trotz eines hochwertigen Kaders die schwachen Auftritte. Tiefpunkt war das 0:1 im Pokal beim klassentieferen Berliner SC. „Uns fehlte die Konstanz. Und es waren keine Fortschritte zu erkennen“, sagt Geschäftsführer Andreas Voigt.

Während anderswo Ruhe herrschte, war bei den Veilchen viel los. Mit gleich zehn Trainerkandidaten fanden Gespräche statt. Die Entscheidung für Yildiz, dessen Vertrag bis Mitte 2018 läuft, überraschte zunächst. „Er hatte den besten Auftritt und das beste Konzept“, erläutert Voigt. Und – positiver Nebeneffekt – dürfte gut ins finanzielle Gerüst gepasst haben. Im Team gab es ebenfalls Veränderungen: Neu aus der Regionalliga sind Abwehrspieler Enes Aydin (20/Berliner AK) und Stürmer Toni Hager (23/Union Fürstenwalde). Sieben Mann sind weg, darunter mit Philipp Haastrup und Benjamin Siegert zwei deutlich jenseits der 30. Die klare Botschaft: TeBe verjüngt sich.

Potenzielle Geldgeber stehen auch bei TeBe nicht Schlange

Mit „Willkommen zurück, Teddy“ verkündete der Verein die Trainerpersonalie. Den Spitznamen trägt Yildiz (40) seit der D-Jugend. Er war in der Regionalliga unter anderem für Hertha 03 aktiv und in der Oberliga auch für TeBe. 2010 sah es trüb aus im Eichkamp: Kein Geld, keine Spieler, ein Betreuer – so beschreibt Yildiz, der im Klub auch schon Co-Trainer war, die Situation in der Insolvenz. Trotzdem übernahm er für ein dreiviertel Jahr das Traineramt. Der frühere Bundesligist stieg nach seinem Abschied erstmals in die sechste Liga ab, aber sein Engagement hatte Yildiz rund ums Mommsenstadion viel Respekt eingebracht. Später war er Assistent bei Viktoria 89 und zuletzt beim BAK und „hat sich enorm weiterentwickelt“, so Voigt. Yildiz ist mittlerweile Inhaber der A-Lizenz.

Nun erhält er das, was Trainer selten kriegen: Zeit. Laut Voigt soll Yildiz „neuen Schwung reinbringen und sagen, mit welchen Spielern er weiter plant und wo wir uns verstärken müssen“. Was nicht bedeutet, dass die Ergebnisse egal sind. Im Schnitt kommen 400 Zuschauer, deutlich mehr als bei vielen anderen Oberligisten. „Wir sind Tennis Borussia. Wir sind es den Fans schuldig, eine gute Rückrunde zu spielen. Bekommen wir noch die Chance, oben einzugreifen, müssen wir da sein“, sagt Yildiz. Der Rückstand auf Tabellenführer Rathenow beträgt bei zwei Partien weniger zehn Punkte.

Im Frühjahr 2016 präsentierte TeBe einen neuen Hauptsponsor und formulierte das Ziel, binnen zwei Jahren die Regionalliga zu erreichen. Diese Saison ist in Sachen Titel wohl gelaufen, heißt: Danach wird es ernst. Lange hat der Verein gebraucht, das schlechte Image aus den Zeiten der Göttinger Gruppe abzustreifen. Potenzielle Geldgeber stehen trotzdem nicht Schlange. Um für einen Aufstieg gewappnet zu sein, „arbeiten wir daran, den Sponsorenpool zu verbreitern“, sagt Voigt. Und Yildiz sagt: „Ich will dahin zurück, wo ich hergekommen bin.“ In die Regionalliga. Fürs erste wäre ein Punktspiel, das nicht ausfällt, ein Anfang.

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