Der Erfolg verschlug ihm die Sprache. Besonders viel hatte Marc Koch nach seinem Meistertitel über 400 Meter nicht zu sagen, bloß das: „Ich muss das erst einmal verarbeiten.“ Sein Auftritt am Mikrofon konnte nicht mithalten mit dem, was der Berliner zuvor auf die Bahn der Leipziger Arena gezaubert hatte. In 46,40 Sekunden holte der Läufer der LG Nord nicht nur Gold, sondern unterbot auch die Norm für die Leichtathletik-Halleneuropameisterschaften Anfang März in Belgrad deutlich. „Hammer! Mit dieser Zeit hätte ich selbst nicht gerechnet“, sagte er, als er sich wieder etwas gefangen hatte. Leipzig bleibt ein gutes Pflaster für den 22-Jährigen. Im vergangenen Jahr hatte er dort in seinem ersten Finalrennen bei den Männern Silber gewonnen.

Es klingt komisch, aber: Mit der Qualifikation für die Hallen-EM hat Koch sein Ziel für diesen Winter klar verfehlt. „Eigentlich wollte ich nur eine halbe Hallensaison machen und mich mehr auf die Uni konzentrieren“, verriet der Betriebswirtschaftsstudent. Vielleicht lag aber genau darin das Erfolgsrezept. Koch ging ohne große Erwartungen in den Winter; er blieb auch locker, als er nach den Absagen von Titelverteidiger Eric Krüger und dem Vorjahresschnellsten Alexander Gladitz plötzlich als Favorit dastand. „Das hat mich eher motiviert“, sagte er.

Zwei-EM-Starter über diese Strecke

Bei der EM will Koch „Gas geben, Erfahrung sammeln, eine Runde weiter kommen“. Mit Marvin Schlegel aus Chemnitz wird ein weiterer Deutscher über 400 Meter am Start sein. Marc Koch sieht die deutschen Viertelmeiler nach zuletzt schwächeren Leistungen wieder im Aufwind: „Das war das erste Lebenszeichen. Wir haben eine gute Truppe, die bei der EM 2018 in Berlin richtig etwas erreichen kann.“

Jossie Graumann sah den Gold-Lauf von Marc Koch auf der Videoleinwand. Doch der Triumph ihres Vereinskollegen konnte der Hochspringerin keine Flügel verleihen: Als Jahresbeste angereist, musste sie sich mit 1,89 Meter hinter Marie-Laurence Jungfleisch (1,92) mit Silber begnügen. Über 3000 Meter verpasste Caterina Granz (LG Nord) als Siebte eine Medaille.

Eine andere Läuferin hatte kurz zuvor den sportlichen Höhepunkt des Wochenendes geliefert. Über 1500 Meter rannte Konstanze Klosterhalfen im Alleingang 4:04,91 Minuten. Man muss schon bis 1985 zurückblättern, um eine Deutsche zu finden, die über diese Strecke noch schneller lief. Sogar Klosterhalfen selbst schien erstaunt über diese Zeit, die weltweit in diesem Winter nur vier Athletinnen unterboten haben: „Ich hätte nie gedacht dass ich in diesen Bereich laufen kann“, sagte sie.

Niveau im 60-Meter-Sprint besser als zu DDR-Zeiten

Das galt auch für die Hürdensprinterinnen: Selbst eine persönliche Bestzeit von 7,84 Sekunden reichte für Vizeweltmeisterin Cindy Roleder diesmal nicht zum Sieg, denn Pamela Dutkiewicz war in 7,79 Sekunden noch schneller – auch das war Meisterschaftsrekord. „Es ist völlig verrückt, das ist meine erste Ehrenrunde“, sagte Dutkiewicz, die im Vorlauf beinahe gestürzt war. Im 60-Meter-Sprint blieben gleich vier Läuferinnen unter 7,20 Sekunden – ein solches Niveau gab es nicht einmal zu DDR-Zeiten. Am schnellsten war Gina Lückenkemper mit 7,14 Sekunden vor Rebekka Haase (7,16). „Wir haben momentan einfach ein krasses Hoch im deutschen Damensprint“, meinte Lückenkemper.