Vielleicht wäre er auch ein passabler Skifahrer geworden. Mit fünf Jahren stand Jacob Schopf das erste Mal auf Brettern, regelmäßig fährt er mit den Eltern in den Skiurlaub. Am Wochenende war er gerade erst wieder in Oberwiesenthal. Eine Karriere als Skiläufer kam für den 17-Jährigen trotzdem nie in Frage. „Als Berliner kann man da nicht viel erreichen“, sagt er. „Uns fehlen hier einfach die Berge.“ Wasser gibt es in der Stadt dagegen ausreichend. So überrascht es nicht, dass bei der diesjährigen Wahl der Berliner Nachwuchssportler ausschließlich Wassersportler die vorderen Plätze belegten. Kanu-Juniorenweltmeister Jacob Schopf gewann vor Schwimmerin Leonie Kullmann, Seglerin Julia Büsselberg, die Vorjahressiegerin, wurde Dritte. Am Montagabend wurden sie im Bluemax Theater am Potsdamer Platz für ihre tollen Leistungen in 2016 geehrt.
Die Wahl ist eine gemeinsame Initiative des Landessportbunds (LSB), des Olympiastützpunkts und der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie. LSB-Präsident Klaus Böger sagt: „Damit unterstreichen wir, dass die Förderung des Nachwuchssports eines der wichtigsten Anliegen des Landessportbundes Berlin ist. Wir zeichnen Athletinnen und Athleten aus, die Vorbilder sind, weil sie für ihre Erfolge hart trainiert haben. Wir ermutigen sie, auf diesem Weg weiterzugehen.“ Geehrt wurden am Montag auch die Berliner Eliteschüler des Sports 2016: Patrick Kreisel (Wasserspringen), Frederik Johne (Rudern) und Olaf Roggensack (Rudern).
Im vergangenen Jahr hatte Jacob Schopf diesen Preis gewonnen. Der Kanute holte 2016 Gold bei der Junioren-WM in Minsk. In einem dramatischen Finale im Kajak-Einer über 1000 Meter konnte der Jüngste im Feld die Konkurrenz dank eines starken Endspurts hinter sich lassen. Auch im Kajak-Vierer erreichte er mit seinen Teamkollegen den Endlauf und paddelte nur knapp an einer Medaille vorbei. In diesem Jahr ist das Talent vom Köpenicker Kanu-Club erneut bei den Junioren startberechtigt und könnte somit im August seinen Titel verteidigen. Momentan baut er an seiner Form für den Sommer: „Erfolgreiche Kanuten werden im Winter gemacht“, so Schopf. Wegen Eisschollen kann er zurzeit nicht aufs Wasser in Grünau, stattdessen wird auf dem Paddel-Ergometer trainiert. „Auf dem Wasser fühle ich mich aber wohler“, sagt er.
Das gilt auch für Leonie Kullmann. Die Schwimmerin der SG Neukölln hat 2016 erreicht, wovon die meisten in dem Alter nur träumen können: Als 17-Jährige nahm sie an den Olympischen Spielen in Rio teil, erreichte dort mit der 4x200-Meter-Staffel den zwölften Rang. Seglerin Julia Büsselberg (Seglerhaus am Wannsee) gewann in diesem Jahr erneut die Young European Sailing in Kiel und holte zudem Silber beim Laser Youth Easter Meeting im Malcesine (Italien). Hinzu kamen ein Europacup-Triumph und der Sieg bei Deutschen Jugendmeisterschaften.


