Mitten in Downtown steht der Georgia Dome. Das Stadion ist Heimat der Atlanta Falcons. Das Team aus der National Football League (NFL) trägt seit der Arena-Eröffnung 1992 seine Heimspiele hier aus. Vor 25 Jahren war der Georgia Dome mit seinen 74.228 Plätzen das größte überdachte Stadion der Welt. Mittlerweile hat es nicht nur diesen Titel verloren, sondern ist auch in die Jahre gekommen. Und in wenigen Monaten wird es verschwunden sein, stattdesen sollen dort dann die Autos jener Fans stehen, die im neuen Mercedes-Benz Stadium die Partien ihrer Falcons verfolgen. Der 1,5 Milliarden Dollar teure Prachtbau wird im Juli eröffnet.

Noch stehen alte und neue Spielstätte direkt nebeneinander. Atlantas Quarterback Matt Ryan könnte die Distanz locker mit einem Wurf überbrücken. Auf Ryans Übersicht und Pässe wird es am Sonntag (22.30 Uhr, Sat.1) ankommen. Die Falcons spielen gegen die Green Bay Packers um das Ticket zum Super Bowl am 5. Februar in Houston. Es ist das letzte Spiel im Georgia Dome – doch das ist nur eine Randnotiz in der Olympiastadt von 1996. Denn die „Falken“ erleben unerwartet einen der wenigen Höhenflüge in ihrer 51-jährigen Klubhistorie.

Die anderen Halbfinalisten gehören zu den beliebtesten und erfolgreichsten der NFL-Geschichte. Die Packers, New England Patriots und Pittsburgh Steelers (0.20 Uhr, Sat.1) bringen es zusammen auf 14 Super-Bowl-Siege. Ihre Fans sind über ganz Amerika verteilt. Wer zu den Falcons hält, wohnt im Bundesstaat Georgia oder ist dort aufgewachsen. Der Verein hat das Image einer grauen Maus. Nur in 14 der 51 NFL-Spielzeiten gab es mehr Siege als Niederlagen. In Atlanta haben sie viel geflucht und nie richtig gefeiert. Der größte Tag liegt 18 Jahre zurück. 1999 standen die Falcons zum einzigen Mal im Super Bowl – und verloren.

2013 erreichte der Verein zuletzt das Halbfinale und verlor gegen San Francisco 24:28. „Solche Gelegenheiten kommen nicht zu oft. Und wenn du sie hast, musst du deine beste Leistung bringen“, hat Matt Ryan aus jener Partie gelernt. Er musste vier Jahre auf sein nächstes Play-off-Spiel warten.

Quarterback Ryan stellt in der Vorrunde einen Rekord auf

Bis der neue Trainer Dan Quinn vom damaligen Champion Seattle kam. Die Gewinner-Mentalität hat Quinn aus dem Nordwesten der USA mit in den Südosten gebracht. Angeführt vom überragenden Ryan („Ich spiele den besten Football meiner Karriere“) stellten die Falcons mit 540 Punkten in dieser Saison die beste Offensive der Liga. Der Star im Angriff ist neben Ryan Wide Receiver Julio Jones. Doch die wirkliche Stärke ist die Ausgeglichenheit. Ryan hat 13 verschiedene Spieler mit Touchdown-Pässen bedient – NFL-Rekord. Und in der Abwehr ist Vic Beasley zu einer regelrechten Plage für gegnerische Spielmacher geworden. Keiner hat die Quarterbacks so oft zu Boden gerissen, wie der 24-jährige Outside Linebacker.

Am Mittwoch wurde Matt Ryan darauf angesprochen, dass er der einzige der vier Halbfinal-Quarterbacks sei, der keinen Meisterring habe. Ryan unterbrach umgehend und schob ein: „noch nicht.“ Siege machen selbstbewusst – auch in Atlanta, wo übrigens dann der Super Bowl 2019 ausgetragen wird.

Doch warum solange warten? Die Vergangenheit in Atlanta war meist frustrierend. Die Gegenwart indes ist viel versprechend – und die Zukunft mit der neuen Arena sogar schillernd.