Berlin

Ein Albtraum ist nicht genug

Albas Center Kikanovic spielt mit 32 Punkten überragend gegen Bamberg, doch am Ende gewinnt der müde Meister

Berlin. So ein Tag ist doch wie geschaffen für einen großen Sieg. 13.000 Zuschauer kommen in die Mercedes-Benz Arena, Saisonrekord bei den Heimspielen von Alba Berlin. Sogar die ARD-„Sportschau“ ist dabei, ein selten gesehener Gast im Basketball. Und Brose Bamberg schließlich, der Deutsche Meister und Schrecken der Bundesliga, muss sein viertes Spiel in acht Tagen bestreiten. Die Knochen tun schon beim Einspielen weh, der Geist ist müde. Wenn dann noch der Hausherr eine Leistung zeigt, bei der alles stimmt, ist eine Überraschung drin.

Allein, die Berliner hatten nicht einen solchen Tag. Obwohl Alba durch einen Distanzwurf von Peyton Siva schon nach 14 Sekunden 3:0 führte, 100 Sekunden später durch drei Punkte von Elmedin Kikanovic sogar mit 6:0. Obwohl viele in der Arena das Gefühl beschlich: Hallo – da geht was! Bamberg ist der Meister und spielte auch so, hatte nicht seinen besten Tag, behielt aber die Kontrolle, blieb immer ruhig, traf nicht überragend, aber besser als Alba. „Wir haben gut gekämpft“, sagte Berlins überragender Center Elmedin Kikanovic, „doch um gegen Bamberg zu gewinnen, musst du 40 Minuten auf Top-Niveau spielen. Das ist uns nicht gelungen.“ Und so siegten die Franken 89:80 (39:35), blieben auch im elften Saisonspiel ungeschlagen.

Wieder Schwächen beim Rebound und in der Abwehr

Besonders gern tritt Bambergs Trainer Andrea Trinchieri gegen den achtmaligen Deutschen Meister aus Berlin an. Zwar spricht die Gesamtbilanz nach 85 Vergleichen zwischen beiden Klubs mit 52:33 immer noch klar für Alba. Doch seitdem der Italiener vor gut zwei Jahren seinen Posten in Süddeutschland übernahm, verließ er stets als Gewinner das Parkett, nun zum sechsten Mal. „Wir haben getan, was wir tun mussten, um das Spiel zu kontrollieren“, sagte er zufrieden, „für uns ist das ein großer Sieg.“

Für Alba war es eine Fortsetzung dessen, was seit Wochen hinlänglich bekannt ist. Die Defensive funktioniert nicht so, wie es die Fans jahrelang gewohnt waren. Erneut schliefen die Gastgeber bei den Rebounds (35:25 für Bamberg). Immer wieder, gerade in engen Situationen, fanden die Gäste kurze Wege zum Berliner Korb und zu einfachen Punkten. Oder sie trafen aus der Dreier-Distanz, wenn es nötig war, zehn Mal in 20 Versuchen. Bei ihrem Gegner lautete die Quote sieben von 21. Das sind neun Punkte weniger, so wie der Abstand am Ende. Eine Milchmädchenrechnung, aber so ganz verkehrt auch wieder nicht. Gerade in der ersten Halbzeit hielten die Dreier Bamberg am Leben (6/10), während Alba (1/10) hier die Chance verpasste, klar in Führung zu gehen.

Bei den Berlinern fielen die Treffer erst, als die Partie fast entschieden, Bamberg mit zweistelligen Vorsprüngen enteilt war. Besonders bitter jedoch war, dass mit Kapitän Dragan Milosavljevic, Dominique Johnson, Malcolm Miller und Engin Atsür vier vermeintliche Leistungsträger bis tief in die zweite Halbzeit offensiv quasi gar nicht stattfanden. „Bamberg war müde, aber wir haben das nicht genutzt“, erkannte Kapitän Milosavljevic. „Und sie haben ein paar ganz gute Würfe getroffen, wir nicht.“

Albas Trainer fordert mehr Kommunikation auf dem Feld

Warum Alba überhaupt so lange auf eine Überraschung hoffen durfte, hatte einen einzigen Grund: Elmedin Kikanovic, „unser Albtraum“, wie Trinchieri sagte. Der Bosnier war mit 32 Punkten und fünf Rebounds der beste Mann auf dem Feld, warf und traf, zwölf von 16 Versuchen aus dem Feld, acht von neun von der Freiwurflinie. Zweitbester Berliner Schütze war mit Bogdan Radosavljevic (11 Punkte/je vier Rebounds und Vorlagen) ebenfalls ein Center. Doch die Schwächen der Bamberger auf den großen Positionen reichten den Gastgebern nicht zum Erfolg, da musss schon noch ein bisschen mehr kommen. „Wir haben noch nicht das Level, das wir erreichen wollen“, musste Trainer Ahmet Caki einmal mehr zugeben, „wir kommunizieren auf dem Feld noch nicht genug.“ Der Türke muss sein Team nun schnell wieder aufrichten. Am Mittwoch (20 Uhr, Mercedes-Benz Arena) steht im Eurocup das wegweisende Spiel gegen Bilbao an. Vielleicht wird das ja der Tag, wo bei Alba fast alles klappt.