Berlin

Der Anführer unter den Talenten

Noch spielt Egor Bogachev beim VC Olympia, der heutige Gegner BR Volleys plant aber schon mit ihm

Berlin. Den Vergleich mit Paul Carroll hat Egor Bogachev schon einmal gewonnen. 22 Punkte erzielte der 19 Jahre alte Volleyballspieler am Sonntag, als er mit dem VC Olympia 3:0 gegen Solingen gewann. Das waren drei mehr, als Carroll am gleichen Tag im Ligaspiel gegen Lüneburg für die BR Volleys erzielte.

Am Mittwoch kann sich der U20-Nationalspieler nun direkt mit Carroll messen, dann empfängt der VCO den Triplesieger im Sportforum Hohenschönhausen (19 Uhr). Für Bogachev ist es eine verrückte Konstellation. Seit drei Jahren steht er bei den BR Volleys unter Vertrag, spielen tut er aber vorrangig für den VCO. Seit vier Jahren ist er am Berliner Bundesstützpunkt, hat sich dort mit dem aktuellen Kader von der Regionalliga bis in die erste Liga hochgearbeitet, wobei der VC Olympia Jahr für Jahr außer Konkurrenz antritt. Ziel ist es, dass die Spieler sich in den unterschiedlichen Ligen durch viel Spielpraxis weiterentwickeln. In der Vorsaison schloss Bogachev mit seiner Mannschaft die zweite Liga auf Platz drei ab, der deutliche Sieg gegen Solingen, Zweitligameister der Vorsaison, zeigt, welche Fortschritte das Team seitdem gemacht hat.

Starker Nachwuchs-Jahrgang schafft ersten Bundesligasieg

Besonders Bogachev sticht hervor. Im September war der Berliner der beste Angreifer der U20-Europameisterschaft, bei der die deutsche Auswahl den sechsten Platz belegte. „Egor will immer den Ball haben, und das ist gut so“, sagt U20-Bundestrainer Johann Verstappen. „Er hat sich extrem gesteigert in diesem Jahr.“ Der gesamte VCO-Jahrgang 1997/1998 ist außergewöhnlich stark. Der dritte Platz in der zweiten Liga war bei den Männern eines der besten Ergebnisse in der Geschichte des VCO, einen Sieg in der ersten Liga hatte es gar seit 2010/11 nicht mehr gegeben.

BR-Volleys-Trainer Roberto Serniotti warnt daher davor, die Nachwuchsathleten zu unterschätzen: „Ich erwarte junge, gute Spieler, die frech und angriffslustig sind“, sagt der Italiener. „Wir dürfen nicht den Fehler machen, das Spiel zu locker anzugehen.“ Nach dieser Saison endet für sie alle die Ausbildungszeit. Egor Bogachev werden die Berliner möglicherweise schon bald in Orange auflaufen sehen, denn der 2,03 Meter große Außenangreifer, der als 10-Jähriger bei den SCC Juniors das Volleyballspielen erlernte, hat einen einjährigen Anschlussvertrag beim Triplesieger. „Er war schon in jungen Jahren sehr weit“, sagt Kaweh Niroomand, Manager der BR Volleys. „Wir haben ihn unter Vertrag genommen, weil wir in ihm durchaus eine Perspektive sehen.“ Nun ist ein Engagement bei einem Erstligaklub genau das, was sich Trainer Verstappen für seine Nachwuchssportler wünscht, noch lieber hätte er Bogachev und seine Mitspieler aber ein weiteres Jahr am Bundesstützpunkt. „Ich würde mir wünschen, dass es nach der U20 noch eine U23-Auswahl gäbe“, sagt der Niederländer. Gleiches hat der ehemalige Bundestrainer Vital Heynen stets gefordert. „Der Schritt von der U20 in die erste Liga ist für die meisten Männer zu groß“, sagt Heynen. Verstappen pflichtet ihm bei: „Die Vereine haben jeden Spieltag Druck, um es ins Play-off zu schaffen oder das Play-down zu vermeiden. Da bekommen junge Spieler kaum eine Chance.“

Bogachev tauscht also womöglich bald das Feld gegen die Ersatzbank. In Polen wäre das anders. Dort gibt es allerdings eine Ausländerbeschränkung. „Dadurch spielen all diese 19, 20 Jahre alten Talente nach Abschluss ihrer Ausbildung jede Woche auf hohem Niveau in einer Erstliga-Mannschaft. So könnte man auch das Problem zwischen 19 und 23 Jahren auch lösen“, sagt Heynen.

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