American Football

Björn Werner: „Ich träume einfach weiter“

Berlins NFL-Star Björn Werner spricht beim Heimatbesuch über seine Arbeitssuche und ein neues Förderprojekt.

Björn Werner feierte mit den Indianapolis Colts die größten Erfolge

Björn Werner feierte mit den Indianapolis Colts die größten Erfolge

Foto: imago sport / imago sportfotodienst

Berlin.  Björn Werner lehnt lässig an der Wand in den Katakomben des Jahnsportparks. Während er spricht, wird der American-Football-Star immer wieder unterbrochen, von Freunden, Bekannten oder ihm fremden Personen, die mit ihm einschlagen oder ihm einfach nur ein „Pass auf dich auf“ mit auf den Weg geben.

Kurz zuvor hat der 26-Jährige das Finale um die 38. Deutsche Meisterschaft im American Football zwischen den Braunschweig Lions und den Schwäbisch Hall Unicorns (30:21) für Eurosport kommentiert. „Ich bin zum ersten Mal hier beim German Bowl live dabei“, freut er sich. Werner ist ein ganz anderes Spektakel gewohnt. 2015 wäre der Defensive End beinahe in den Super Bowl, das Endspiel der National Football League (NFL) in den USA, eingezogen.

„Das sind zwei Welten“, sagt er. Als erster deutscher American-Football-Spieler wurde Werner, der bei den Berlin Adlern sein Handwerk gelernt hat, 2013 bereits in der ersten Runde des NFL-Drafts von den Indianapolis Colts ausgewählt.

Der NFL-Profi hilft Talenten beim Sprung nach Amerika

Er erhielt einen Vier-Jahres-Vertrag mit einem Jahresgehalt von gut neun Millionen Euro und einem Handgeld von über vier Millionen Euro.„Ich hoffe, ich kann beweisen, dass ich diesen Draft-Pick wert bin“, sagte er damals. Im März 2016 wurde er entlassen, obwohl sein Vertrag bei den Colts noch ein Jahr lief. In der NFL können die Franchises das Arbeitsverhältnis aber früher auflösen, wenn sie mit der Leistung unzufrieden sind. „Das ist ein knallhartes Business“, sagt Werner.

Im Mai wurde der Outside Linebacker von den Jacksonville Jaguars verpflichtet, fiel dort aber der ersten Kaderreduzierung zum Opfer. Genau wie Markus Kuhn ist er derzeit ohne Vertrag. Die New England Patriots trennten sich Anfang September von dem Defensive Tackle aus Mannheim. Auch Wide Receiver Moritz Böhringer (22), der es im März als erster Spieler überhaupt direkt aus Deutschland in den NFL-Draft geschafft hatte, verpasste bei den Minnesota Vikings den direkten Sprung in den Hauptkader.

Werner nutzt die freie Zeit neben einem Ausflug in seine Heimatstadt für ein neues Projekt: Gemeinsam mit seinem ehemaligen Trainer Chris Adamson hat er Gridiron Imports gegründet, einen internationalen Vermittlungsservice für Spieler außerhalb der USA, die in die NFL wollen. „Wir suchen Jugendspieler zwischen 16 und 18 Jahren, die an die Highschool gehen können“, sagt Werner.

Vereine wählen Spieler von den Highschools aus

Dabei handelt es sich um Kooperationen mit Privatschulen und Internaten über mehrere Jahre. „Bei einem Austauschjahr muss man um die 10.000 Dollar zahlen – und danach gleich wieder zurück. Unser Ansatz ist anders“, sagt Werner. „Die Schulen, mit denen wir zusammenarbeiten, kosten normalerweise um die 50.000 Dollar.

Die Spieler, die wir dort hinbringen, würden dort Stipendien bekommen. Wie damals bei mir. Wenn die Vereine kommen, wählen sie die Spieler von den Highschools aus – und nicht aus Deutschland. Das ist einfacher, um in die NFL zu kommen. Dafür möchte ich mein Netzwerk nutzen.“

Werner profitierte als 16-Jähriger vom International Student Programm (ISP), das ihm ermöglichte, an der Highschool in Salisbury unter Chris Adamson Football zu spielen. „Normalerweise kostet so ein Austauschjahr viele tausend Euro, die ich damals aber nicht hatte“, verrät er.

Profitierte als einer der Letzten vom US-Stipendium

Kurz bevor er 2007 gen Amerika aufbrach, platzte – nach 15 Jahren Bestehen – die NFL-Europe, Europas Ableger der NFL. Sie war eng mit dem ISP verknüpft. Ein Jahr später starb auch das von der NFL bis dahin subventionierte Förderprogramm. Werner war also einer der Letzten, der es auf diesem Weg nach Amerika in die teuerste Profiliga der Welt schaffte. „Jetzt gibt es keine Möglichkeiten mehr für europäische Jugendspieler“, sagt er.

Mit Gridiron Imports will er erreichen, dass mehr Talente aus Europa den Sprung in die NFL schaffen. „Wir wollen die beiden Welten miteinander verknüpfen“, sagt Werner. Die Erfahrungen, die er in den vergangenen zehn Jahren gemacht hat, helfen ihm dabei. „Ich habe das ja alles durchlaufen.“

Nebenbei will er seine Karriere fortsetzen. Vor Kurzem absolvierte Werner ein Probetraining bei den Detroit Lions. „Solange noch nichts offiziell ist, was mein Ende in der NFL betrifft, träume ich meinen Traum vom Super-Bowl-Ring weiter“, sagt er.