Tour de France

Zuschauer bringen Tour-Führenden Chris Froome zu Fall

Ein TV-Motorrad rauscht in eine Wand aus Zuschauern, mehrere Fahrer stürzen. Den Briten erwischt es am schlimmsten.

Dauerlauf statt Klettertour mit dem Rad: Christopher Froome erlebte Merkwürdiges

Dauerlauf statt Klettertour mit dem Rad: Christopher Froome erlebte Merkwürdiges

Foto: JEAN-PAUL PELISSIER / REUTERS

Mont Ventoux.  Erst lief Chris Froome verzweifelt den Mont Ventoux hinauf, dann versuchte er, auf einem viel zu kleinen Ersatzrad Schlimmeres zu verhindern – ohne Erfolg. Kopfschüttelnd fuhr er, mittlerweile wieder auf einem eigenen Rad sitzend, über die Ziellinie. Der Brite war zuvor auf dem Weg ins Ziel der zwölften Etappe von einem in den Zuschauermassen hängengebliebenen TV-Motorrad zu Fall gebracht worden. Ein wohl einmaliger Skandal bei der Tour.

Mehr als eine Minute verlor der 31-Jährige auf seine schärfsten Verfolger um Nairo Quintana, die er schon abgehängt hatte auf dem Weg zum Gipfel. Das Gelbe Trikot übernahm sein Landsmann Adam Yates. Zunächst. Denn nach einem Jury-Entscheid wurde das Etappenergebnis, bei dem der belgische Radprofi Thomas De Gendt aus einer Ausreißergruppe heraus nach 178 Kilometern vor seinem Landsmann Serge Pauwels vorn lag, so gewertet wie zum Zeitpunkt des Zwischenfalls.

Froome sprintet zu Fuß bergauf

Rund anderthalb Kilometer vor dem Ziel war vor der kleinen Gruppe um Froome ein Motorrad förmlich in einer Wand von disziplinlosen Fans stecken geblieben und abrupt zum Stehen gekommen, der Australier Richie Porte, der Niederländer Bauke Mollema und schließlich auch Froome rauschten ins Stauende herein – den Briten erwischte es am schlimmsten. Ein folgendes Motorrad fuhr auf und zerstörte dabei sein Rad. In seinen Radschuhen sprintete Froome zu Fuß bergauf, während seine Rivalen nicht halt machten und vorbeizogen. „Es gab keinen Platz für die Motos oder die Fahrer, um durch die Menschenmengen zu kommen. Chris‘ Fahrrad ist bei dem Crash kaputt gegangen“, kommentierte Sky-Sportdirektor Nicolas Portal die Ereignisse. Ursprünglich hatte der Sky-Kapitän 1:40 Minuten und damit auch das Gelbe Trikot auf seinen Landsmann Adam Yates verloren. Gemäß dem Juryentscheid liegt Froome nun in der Gesamtwertung 47 Sekunden vor Yates. Mitfavorit Quintana auf Kolumbien folgt 1:01 Minuten zurück auf Platz vier.

Am Nationalfeiertag der Franzosen tummelten sich auf der wegen starker Winde um sechs Kilometer verkürzten Etappe von Montpellier auf den kahlen Riesen der Provence tausende Menschen an den Straßenrändern auf dem Weg zum Gipfel. „Wir waren zu weit hinten. Jeder wurde blockiert, einschließlich des neutralen Materialwagens. Es war ein Albtraum“, sagte Portal. Auf dem Schlussanstieg hatte zunächst Quintanas Adjutant Alejandro Valverde attackiert und sich leicht abgesetzt, wenige hundert Meter später versuchte es der Kolumbianer selbst, allerdings nur zaghaft. Doch Froomes Sky-Helfer fuhr die Lücke schnell wieder zu, der Mann in Gelb musste nicht einmal selbst nachsetzen.

Froome behält Gelb nach Entscheidung der Jury

Drei Kilometer vor dem Ziel attackierte Froome und sah wie der große Gewinner aus, danach nahm das Drama seinen Lauf. „Ich bin sehr erleichtert. Die Entscheidung der Kommissare ist korrekt. Ich danke der Organisation der Tour de France“, sagte Froome erleichtert nach einem chaotischen Tag. Fast eine Stunde hatte er warten müssen, bis die Jury ihre Entscheidung bekanntgab. Der Schrecken nach den üblen Szenen am mythischen Gipfel war ihm aber noch deutlich anzumerken. „So will ich das Trikot nicht gewinnen. Ich will es mit den Beinen holen“, sagte Yates, der Verständnis zeigte für die Beurteilung der Szene durch die Jury.

Bereits 27 Kilometer vor dem Ziel war es zu einem Schreckmoment für Froome, der zum dritten Mal nach 2013 und 2015 die Tour gewinnen will, nach einem Sturz von Simon Gerrans gekommen. Der Australier war bei einem Tempo von 56,3 Stundenkilometern gestürzt, ein Sky-Teamkollege von Froome war dabei ebenfalls zu Fall gekommen. Der Brite stoppte, die Gruppe mit Gesamtsieg-Rivale Quintana attackierte nicht und wartete.

Weiter vorn fuhren der eigentlich für seine Sprintqualitäten bekannte Rostocker André Greipel und dessen Mitausreißer noch immer mit knapp zehn Minuten Vorsprung. Er war in seiner Fluchtgruppe der einzige Deutsche, der an diesem Tag auffiel. Das soll sich am Freitag ändern. Da steht das große Zeitfahren auf dem Programm. Für die 37,5 Kilometer nach La Caverne du Pont-d’Arc hat sich Tony Martin (Cottbus) Siegchancen aus. Für Froome ist es eine Möglichkeit, seinen Vorsprung zu vergrößern. Wenn er den Schock vom Mont Ventoux verdaut hat.