Radsport

Deutscher Frust statt deutscher Dominanz bei Tour de France

Die hohen Ziele der deutschen Sprinter André Greipel und Marcel Kittel erfüllen sich nicht bei einer Tour voller Überraschungen.

Im Schatten der anderen: André Greipel (l.) kann sich bei dieser Tour de France nicht wie gewohnt in Szene setzen. Einmal wurde er knapp von

Im Schatten der anderen: André Greipel (l.) kann sich bei dieser Tour de France nicht wie gewohnt in Szene setzen. Einmal wurde er knapp von

Foto: Michael Steele / Getty Images

Berlin/Montpellier.  Sie hatten auf diese Etappe gewartet. Nach Tagen voller Berge in den Pyrenäen lag endlich wieder ein Abschnitt mit kaum nennenswerten Herausforderungen in der Topographie vor den deutschen Top-Sprintern. Doch die Tour de France will dieses Jahr nicht nach dem Geschmack von Marcel Kittel und André Greipel laufen. Mit der Entscheidung auf der elften Etappe von Carcassonne nach Montpellier hatten sie nach 162,5 Kilometern nichts zu tun.

Ein anderer war cleverer gewesen. Auf der von starkem Seitenwind geprägten Etappe nutzte Peter Sagan, selbst ein Sprinter, 15 Kilometer vor dem Ziel die Hektik im zerrissenen Feld und fuhr mit einem Helfer eine überraschende Attacke. Dazu hatte er den Gesamtführenden Christopher Froome plus Adjutanten im Schlepptau. Gemeinsam ließen sie das zögerliche Feld nicht mehr herankommen.

Ein Meisterstück von Weltmeister Sagan, der schon auf der hügeligen Etappe tags zuvor mit einer Ausreißergruppe ins Ziel gekommen war. Sein Grünes Trikot für den besten Sprinter dürfte ihm niemand mehr streitig machen. Auch Froome baute seinen Vorsprung in der Gesamtwertung aus. Enttäuscht zurück blieb einmal mehr vor allem André Greipel (33).

„In solchen Momenten ist er ein geschlossenes Buch“

Der Rostocker fuhr bislang unglücklich oder hinterher. „Es ist schon enttäuschend. Wir müssen ihm aber jetzt seine Ruhe lassen“, sagt Marc Sergeant, Manager von Greipels Team Lotto-Soudal. Der Sprinter ist ein sehr introvertierter Mensch, seinen Kollegen fällt es nicht leicht, an ihn heranzukommen. „In solchen Momenten ist er ein geschlossenes Buch“, so Sergeant.

Greipel selbst, der bereits zehn Etappen in Frankreich gewinnen konnte in den Vorjahren, sprach schon davon, „einfach keine Power“ gehabt zu haben. Andererseits wurde er in Angers nur um Haaresbreite von Mark Cavendish geschlagen. An dessen starker Form musste sich auch Kittel messen.

Zwar unterlag auch er meist, doch wenigstens einmal gelang Kittel ein Sieg, ein ganz knapper nach Fotofinish in Limoges. Vielleicht hätte er in Montpellier eine Chance gehabt. Bei der einzigen Sprintwertung des Tages kämpfte er verbissen mit Sagan und Cavendish – und er schlug sie beide.

Wenigstens Kittel kann zufrieden sein

Doch Sagan hatte die bessere Taktik. „Das war anders geplant, ist einfach mies gelaufen“, sagte Kittel, der mit der ersten großen Verfolgergruppe ins Ziel kam, aber anders als Greipel (8.) nicht mehr um eine Platzierung sprintete.

Im Gegensatz zu Greipel wird Kittel dennoch überwiegend zufrieden sein mit der Tour. Denn nach seiner Absenz im Vorjahr zeigte ihm sein neunter Tour-Etappenerfolg, dass er wieder zu den Großen gehört. „Das fühlt sich an wie hundertmal Weihnachten hintereinander“, sagte danach. Zwei Sprint-Etappen bleiben noch. Vor allem für Greipel werden sie wichtig sein.