Tennis

Andrea Petkovic benötigte nur vier Minuten für ihren Sieg

Wimbledon ist, wenn die Stars im Regen stehen. Die Regenausfälle zerren an den Nerven der Spieler. Eine hatte am Mittwoch Glück.

Glücklich: Andrea Petkovic gewann ihr abgebrochenes Match gegen die Japanerin Nao Hibino

Glücklich: Andrea Petkovic gewann ihr abgebrochenes Match gegen die Japanerin Nao Hibino

Foto: TOBY MELVILLE / REUTERS

London.  In den Jahren seiner frühen Wimbledon-Regentschaft war er auch bekannt als Meister der Regenpausen. Dem „Sensations-Teenager“ („The Times“) Boris Becker konnten weder hartnäckige Verzögerungen noch Tage mit komplettem Programmausfall etwas anhaben an der Church Road. Später sagte er: „Du musst Wimbledon lieben, um es zu gewinnen. Du musst es lieben, auch wenn du dich mitten im Sommer wie im Herbst oder Winter fühlst.“

Viel hat sich im Südwesten Londons seit Ende der 1980er-Jahre verändert, es gibt inzwischen sogar ein Dach überm Centre Court. Aber eins ist geblieben: Das durchwachsene Wetter. Der Regen, der mit zuverlässiger Hartnäckigkeit den Turnierablauf durcheinanderwirbelt.

Und Spieler, die mit den Unbilden des seltsamen britischen Hochsommers kämpfen, stundenlang, manchmal auch tagelang. „Es ist schon eine große Belastung, wenn das Wetter schlecht ist“, sagt die Darmstädterin Andrea Petkovic, die in einem der wenigen regenfreien Zeitfenster schnell genug war, um ihren 3:6, 7:5, 6:2-Erstrundensieg gegen die Japanerin Nao Hibino sicherzustellen.

Spiele von vier Deutschen abgesagt

Genau vier Minuten dauerte der denkwürdige Blitzauftritt von Petkovic, die am Abend zuvor noch frustriert bei einer 5:1-Führung im dritten Satz von der Turnieranlage weggefahren war. „Das Blöde ist natürlich, dass du dich dauernd damit beschäftigst, dass du dann dieses eine fehlende Spiel so rasch wie möglich heimbringen willst“, sagt Petkovic, „das erzeugt schon einen heftigen Druck.

Denn du weißt: Es soll wieder regnen, immer wieder über den ganzen Tag.“ Petkovic steht damit stellvertretend für viele Profis, die im Schmuddelwetter dieses Wimbledon-Jahrgangs auch gegen die Zeit kämpfen.

Bereits am Mittwochnachmittag sagte der All England Club die Partien von Angelique Kerber, Sabine Lisicki, Carina Witthöft und Anna-Lena Friedsam ab. „Da ist klar, dass der Stresspegel noch ein bisschen ansteigen wird“, sagt Petkovic, die nach jahrelanger Rasenaversion wenigstens im Großen und Ganzen ihren Frieden mit Wimbledon gemacht hat. Und weswegen?

„Als ich nach meinen Verletzungen aus den Top 100 rausrutschte, hat mir Wimbledon als einziges der großen Turniere eine Wild Card gegeben“, sagt die 28-jährige, „so etwas vergisst man nicht. Das war eine bewegende Geste.“ Wann sie das nächste Mal spielen wird, ist noch ungewiss im kühlen, nassen London. Aber ihre Gegnerin steht schon fest, es ist die Russin Jelena Wesnina. „Das wird hart“, sagt Petkovic. So hart wie diese zehrenden Tage mit Stop-and-Go-Tennis überhaupt.