Radsport

Giro d’Italia wird zum Giro de Germania

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Geküsst fühlt sich ein Sieg noch besser an: Nikias Arndt hat die Anerkennung der Hostessen schon bekommen, jetzt versprüht er gute Laune

Geküsst fühlt sich ein Sieg noch besser an: Nikias Arndt hat die Anerkennung der Hostessen schon bekommen, jetzt versprüht er gute Laune

Foto: imago sportfotodienst / imago/HochZwei/Syndication

Bei der Italien-Rundfahrt gehören deutsche Radprofis und ein deutscher Rennstall in diesem Jahr zu den großen Gewinnern.

Turin.  Nikias Arndt sagte nach seinem Etappensieg beim Finale des Giro d’Italia etwas, das banal klingt, aber für sein Team nicht banal ist. Arndt sagte: „Wir werden diesen Erfolg genießen.“ Eine Menge Erleichterung sprach aus ihm. Zu oft hatte das deutsche Radteam Giant-Alpecin in dieser Saison das Nachsehen gehabt, zu heftig waren die Auswirkungen des Trainingsunfalls von Kapitän John Degenkolb und fünf Kollegen im Januar, zu tief saß die Verunsicherung.

Erste und letzte Etappe gehen an Giant-Alpecin

Arndt machte so mit dem bislang wichtigsten Sieg seiner Laufbahn eine Klammer um die 99. Italien-Rundfahrt, die ja mit dem Zeitfahr-Triumph des Niederländers Tom Dumoulin begonnen hatte. Am 6. Mai in Apeldoorn war Giant-Alpecin der erste Saisonerfolg überhaupt gelungen. Und Arndts finaler Sieg passte zum Auftritt der deutschen Radprofis insgesamt; sie zählten beim Giro 2016 zu den großen Gewinnern. Die Top-Sprinter André Greipel (3) und Marcel Kittel (2) sowie Bahnradspezialist Roger Kluge waren neben Arndt dafür verantwortlich, dass bei einem Drittel aller Etappen jeweils ein deutscher Fahrer auf dem Podium stand.

Ein bisschen komisch war Arndt in Turin dennoch zumute. Seinen ersten Tagessieg bei einer großen Landesrundfahrt hatte er sich anders vorgestellt. Nur weil der Italiener Giacomo Nizzolo wegen eines Regelverstoßes im Sprint zurückgesetzt worden war, durfte Arndt aufs Podium. „Es war ein guter Sprint von mir. Aber auf diese Art wollte ich natürlich nicht gewinnen“, sagte Arndt, der bereits 2014 eine Etappe beim Tour-de-France-Härtetest Critérium du Dauphiné für sich entschieden hatte.

Die Zukunft von Degenkolb ist ungewiss

Die Saison von Giant-Alpecin hat nach diesem ereignisreichen Giro ein paar dringend benötigte Lichtblicke erhalten, offene Fragen bleiben aber mit Blick auf die Zukunft. Die wichtigste: Geht Degenkolb am Saisonende tatsächlich? Und daran gekoppelt: Wenn ja, was macht dann der Hauptsponsor Alpecin? Zuletzt wurde über einen Wechsel Degenkolbs zum US-Team Trek-Segafredo spekuliert.

„John gehört zu den Fahrern, deren Verträge dieses Jahr auslaufen“, sagte Teamchef Iwan Spekenbrink, „wir wollten zunächst sehen, wie er sich von seinem Unfall erholt. Wir haben ein klares Bild und werden die Gespräche mit ihm aufnehmen.“ Er gehe nicht davon aus, dass Degenkolb bei einer anderen Mannschaft unterschreiben werde.

Kittels Abgang schmerzt den Rennstall immer noch

Der 27-jährige Klassikerspezialist, 2015 Sieger bei Paris-Roubaix und Mailand-San Remo, hatte nach seinem folgenschweren Trainingsunfall im Januar nahezu dreieinhalb Monate pausiert und am 1. Mai in Frankfurt sein Comeback gegeben. Bei der Kalifornien-Rundfahrt (bis 22. Mai) war der gebürtige Geraer immerhin auf zwei Etappen schon unter den besten Zehn gelandet. Bis zur Tour de France (2. bis 24. Juli) will er wieder in Topform sein. Im Vorjahr hatten sich schon Top-Sprinter Marcel Kittel (28) von Giant-Alpecin getrennt. Ein Verlust Degenkolbs und damit des zweiten deutschen Zugpferds dürfte wohl auch Alpecin (Vertrag bis 2018) nicht gefallen. Um so mehr wollten sie nun Arndts Etappensieg genießen.

( sid/BM )