Formel E

Formel E: Nirgends wird schöner überholt als in Berlin

Der Schweizer Renault-Fahrer Sébastien Buemi gewinnt den Berlin ePrix. Und Daniel Abt fährt sein bislang bestes Ergebnis ein.

Der glückliche Sieger aus der Schweiz: Sébastien Buemi

Der glückliche Sieger aus der Schweiz: Sébastien Buemi

Foto: Jens Büttner / dpa

Berlin.  Am Ende gab es viele warme Worte zu einem überaus gelungenen Rennen bei angenehmen Sommertemperaturen. „Ich bin wirklich sehr glücklich, Formel E im Herzen der Stadt Berlin zu erleben“ sagte niemand Geringeres als Jean Todt, der Präsident des veranstaltenden Automobilsport-Weltverbandes Fia. “Das ist eben die Straßenmeisterschaft“, ergänzte Formel E-Geschäftsführer Alejandro Agag. Und Fahrer Daniel Abt lächelte: „Ich glaube, wir Deutschen haben einen Vorteil hier.“

Es war aber auch ein wirklich herzerwärmendes, spannendes Rennen, das die 14.000 Zuschauer bei schönstem Wetter zu sehen bekamen. Und wo sie ihre deutschen Helden ansprechend bejubeln konnten.

Daniel Abt, schon als starker Dritter ins Rennen gegangen, arbeitete sich zunächst an Qualifikations-Gewinner Jean-Eric Vergne ab und musste sich im Kampf um Rang zwei heftiger Angriffe von zunächst Nicolas Prost und in der Schlussphase besonders von Lucas di Grassi erwehren.

Dass er den Gesamtführenden aus dem eigenen Team nicht vorbeiließ, und dem Brasilianer möglicherweise die Weltmeisterschaft kostete, wird aber noch für Diskussionen sorgen.

Hat Daniel Abt eine interne Team-Order missachtet?

Denn kurz vor Schluss gab es die Order aus dem Abt-Stall, di Grassi passieren zu lassen: Darauf reagierte Abt so: „Ich habe di Grassi zwei Runden vor Schluss bedeutet, dass er überholen kann. Aber er er hat das wohl nicht kapiert. Und in der letzten Runde habe ich dann wieder dagegengehalten, weil ich das Podium nicht verlieren wollte“, sagte der überglückliche 23-Jährige, der den vielen jubelnden deutschen Fans mitteilte, wie „mega“-glücklich er sei. „Es hat alles gepasst von vorne bis hinten, kein Fehler, und auch der Pit Stop in der Mitte lief perfekt“, kommentierte der Allgäuer das beste Ergebnis seiner Formel-E-Karriere.

Es war ein doppelter Triumph des deutschen Abt-Teams mit den Rängen Zwei und Drei. Und di Grassi („Ich bin kein Fan von Team-Order“) verteidigte trotz der missachteten Stall-Anweisung auch seine Gesamtführung mit einem denkbar knappen Vorsprung von einem Punkt auf den Schweizer Sieger Sébastien Buemi.

Es war nicht der einzige deutsche Triumph: Nick Heidfeld fuhr vom 16. Rang, auf den er wegen zu geringen Reifendrucks nach der Qualifikation zurückgestuft wurde, in einem bemerkenswerten Rennen auf Rang sieben vor. „Ich bin richtig glücklich, dass ich es noch in die Top Ten geschafft habe und ein paar Punkte gewonnen habe“, sagte der Mönchengladbacher. Und Neuling Rene Rast, erstmals nach zwölf Jahren wieder in einem Formel-Wagen, nachdem er im Team Aguri den bei der DTM in Spielberg weilenden Portugiesen Antonio Felix da Costa ersetzte, fuhr im ersten Drittel einmal die schnellste Runde.

Rast zum ersten Mal überhaupt im Formel-E-Wagen

Es war das erste Mal überhaupt, dass er Pilot eines Formel-E-Autos war. „Das war interessant, weil die Geräusche nur vom Wind kommen“, sagte Rast. „Obwohl es keinen Sound gibt, wird man wie vom Gummiband gezogen“, sagte er über die Boliden, die innerhalb von drei Sekunden auf 100 km/h beschleunigen können. Am Ende schied der Neuling wie auch der Franzose Loic Duval aus, nachdem er nahezu das komplette Rennen am Ende des Felldes verbracht hatte.

Eine ganz andere Perspektive hatte Sébastien Buemi. Er gewann den dramatischen Berlin ePrix. Nachdem der Renault-Fahrer sich zum Start an Vergne vorbeigeschlichen hatte und von diesem kurze Zeit später wieder überholt wurde, schlug das Schweizer Imperium zurück: Buemi überholte erneut und baute seinen Vorsprung souverän aus. Selbst eine Safety-Car-Phase fünf Runden vor Schluss konnte seine Führung nicht gefährden. Dafür waren seine Verfolger Abt und Di Grassi viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt...

Begeisterung über die neue Strecke

Insgesamt zeigte sich der große Vorteil des Berliner Kurses im Gegensatz zu Paris oder auch London. Es gab zur Freude der Zuschauer viele Möglichkeiten zum Überholen. Und spektakuläre Szenen: Abgebrochene Nase und Frontflügel des von der Pole Position gestarteten Vergne lagen nach dessen Mauercrash auf der Strecke, weswegen die Gelbe Flagge gezückt werden musste, um die zahlreichen Trümmerteiile einzusammeln.

Bruno Senna drehte sich, und Favorit Lucas di Grassi arbeitete sich nach mauer Qualifikation, nach der er als Zehnter durch diverse Strafen anderer Fahrer letzlich von Position Acht ins Rennen ging, wie erwartet Platz für Platz nach vorne.

Hatte er doch schon vorher geunkt: „Das Qualifying ist in Berlin weniger wichtig als in London, wo das Überholen schwierig ist.“ Überhaupt die neue Strecke: „Das ist niemals Plan B, das ist der neue Plan A“, jubelte Daniel Abt. „Ich hoffe, wir kommen zurück, sagte di Grassi,

Endergebnis (48 Runden, 92,5 km): 1. Buemi (Schweiz/Renault e.dams) 53:46.086 Min., 2. Abt (Kempten/Abt Schaeffler Audi Sport) 53:47.853. 3. di Grassi (Brasilien/Abt Schaeffller Audi Sport) 53:48.467. 4. Prost (Frankreich/Renault e.dams) 53:49.414. 5. Vergne (Frankreich/DS Virgin Racing) 53:51.013. 6. Frijns (Niederlande/Andretti Formula E Race Team) 53:52.587. 7. Heidfeld (Mönchengladbach/Mahindra) 53:53.786. 8. Conway (Großbritannien/Venturi) 53:54.391. 9. de Silvestro (Schweiz/Anndretti) 53:58.559. 10. Sarrazin (Frankreich/Venturi) 53:59.327.

Gesamtwertung: Hier rückt Buemi (140 Punkte) durch seinen dritten Saisonsieg bis auf einen Zähler an Spitzenreiter Di Grassi (141) heran, die Entscheidung fällt am 2. /3. Juli bei den letzten beiden Rennen des Jahres in London. Abt ist mit 50 Punkten als Siebter bester Deutscher.