Grün ist die Farbe Irlands, und grün macht sich bezahlt für den, der am Pfingstsonntag zwischen 12 und 13 Uhr Einlass begehrt bei der Premiere des Irish Raceday in Hoppegarten, dem dritten Renntag der Turf-Saison. Wer in diesem Zeitfenster mit grüner Kleidung erscheint, muss keinen Eintritt bezahlen. Gleiches gilt für 13-14 Uhr, wenn man mit roter Haarpracht gesegnet ist – auch das typisch irisch. Dies sind aber nur zwei der „irish-like“ Zutaten zu den acht Rennen des Tages ab 14 Uhr (letzter Start 17.50 Uhr), von denen das 45. Comer Group International Oleander Rennen das Highlight ist.

Denn es gibt irische Folk-Musik, Riverdance, Demonstrationen der Sportarten Hurling und Gaelic Football. Für Trinkfeste gibt es natürlich Guinness. Hauptsache jedoch bleibt der Vierbeiner-Sport, und auch in dem spielt Irland nicht nur generell wegen seiner erstklassigen Vollblutzucht eine herausragende Rolle, sondern an diesem Sonntag vor den Toren Berlins auch eine ganz spezielle. Seit 2015 ist die Comer Group Sponsor des Oleander-Rennens, das seit 2012 in Hoppegarten stattfindet. Das von den Brüdern Brian und Luke Comer 1984 gegründete Unternehmen ist eines der weltweit erfolgreichsten in der Immobilienbranche, es hat sein Europa-Headoffice in Berlin.

Luke Comer hat früh enge Drähte zur Turf-Elite daheim und international aufgebaut. 2006 war er erstmals in Berlin. Dort etwas anzustoßen, sei ein Gedanke, „der mir Spaß macht“. Er hoffe, dass in Zukunft mehr irische Pferde in Hoppegarten am Start sind. Er und Rennbahn-Besitzer Gerhard Schöningh sehen das Engagement als Chance, „den deutschen und irischen Rennsport über große Rennen stärker zu verzahnen“. Schöningh lobt schon mal das bisherige Miteinander und erklärt, dass er „froh darüber wäre, wenn daraus längerfristige Kooperation wird“. Zunächst ist diese bis 2017 vereinbart.

Das Oleander-Rennen für vierjährige und ältere Pferde, das mit einer Distanz von 3200 Metern extreme Steher anspricht, wird mit einem Neuner-Feld gestartet, das aus acht Vierbeinern der deutschen Langstreckler-Elite und dem englischen Gast The Twisler aus dem Stall von Jane Chapple-Hyam (Newmarket) besteht. Top-Favoriten auf die 55.000 Euro Preisgeld (32.000 für den Sieger) sind der von Andreas Wöhler trainierte Alex My Boy mit Eduardo Pedroza im Sattel und Walzertakt aus dem Stall von Jean-Pierre Carvalho unter Rene Piechulek, die beide 2015 je zwei Rennen der Gruppe-Kategorie in Frankreich gewonnen haben. Walzertakt war auch schon im Vorjahr im Oleander-Rennen dabei, wurde Dritter. Das Rennen ist, sagt Gerhard Schöningh, „der Berlin-Marathon zu Pferde“.

Oleander aus dem Gestüt Schlender­han war zu seinen Lebzeiten in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts und auch danach noch Idol des deutschen Galopprennsports. Der Fuchshengst, der 1947 starb, gewann 2- bis 5-jährig bei 23 Starts 19 Mal, wurde zweimal Zweiter und einmal Dritter. Nur ein einziges Mal, 1928 beim Prix de l’Arc de Triomphe in Paris, lief er als Fünfter nichts ins Geld. Im Jahr darauf wurde er Dritter. Die Gewinnsumme lag bei 580.950 Reichsmark, eine für damalige Verhältnisse enorme Summe. Oleander war während seiner gesamten internationalen Rennlaufbahn in Hoppegarten zu Hause.