Am Ende war es ein Fehltritt zu viel. Bundestrainer Joachim Löw hat Max Kruse nach dessen erneutem öffentlichen Fauxpas für die Länderspiele gegen England am Sonnabend im Berliner Olympiastadion (20.45 Uhr) und Italien (29. März in München) aus dem Aufgebot gestrichen. Seine Fahrkarte für die Fußball-EM im Sommer in Frankreich dürfte der Nationalspieler damit verspielt haben. „Der Vorfall am zurückliegenden Wochenende widerspricht meinen Erwartungen. Max hat sich zum wiederholten Male unprofessionell verhalten. Das akzeptiere ich nicht“, wird Löw in einer Mitteilung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zitiert.

Kruses Karriere hängt nun am seidenen Faden – und mit ihr auch seine Zukunft beim VfL Wolfsburg. Denn die Geduld beim Bundesligisten ist aufgebraucht, zumal Löw Kruse bereits 2014 wegen disziplinarischer Verfehlungen nicht mit zur Weltmeisterschaft nach Brasilien genommen haben soll.

Die schützende Hand wird bei den Wölfen jedenfalls nicht mehr über Kruse gehalten. Zwar hatte Manager Klaus Allofs am Sonntag noch ausführlich mit Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff telefoniert; ebenso wie Trainer Dieter Hecking mit Joachim Löw. Umstimmen wollte er ihn aber auch nicht mehr. „Max hatte seinen Warnschuss. Das war jetzt der zweite“, sagte Allofs. „Ich werde mich da jetzt nicht auf die Hinterbeine stellen. Er muss wissen, dass er seinen Ruf und seine Karriere gefährdet. Was er da macht, ist ein Lebenswandel, den er so nicht weiterführen kann.“

Mit einem weiteren nächtlichen Vorfall hatte Kruse am Sonnabend das Fass endgültig zum Überlaufen gebracht. Wenige Stunden nach dem enttäuschenden 1:1 gegen Darmstadt 98 feierte der Stürmer seinen 28. Geburtstag in einem Berliner Klub – nur eine Woche nachdem der VfL ihn für einen vorherigen Berlin-Besuch mit Nebengeräuschen sanktioniert hatte.

Als Kruse in dem Klub gegen zwei Uhr nun mehrfach ungefragt von einer Reporterin fotografiert wurde, schnappte er sich kurzerhand ihr Handy und löschte die Bilder. Wieder dauerte es nicht lange, bis die Geschichte im Boulevard auftauchte. Allofs: „Man hätte bei der Vorgeschichte auch mal auf die Idee kommen können, seinen Geburtstag zu Hause zu feiern.“

Kruse kam diese Idee nicht – und brachte den Bundestrainer auf die Palme. „Schon vergangene Woche habe ich Max klar gesagt, was ich von ihm erwarte – sowohl auf als auch neben dem Platz. Ich möchte Spieler, die sich auf den Fußball und die EM konzentrieren, auch zwischen den Spielen“, erklärte Löw. Dieses Warnsignal ignorierte Kruse aber wie zuvor ähnliche Hinweise in Wolfsburg von Allofs und Hecking. Nun gab‘s die Quittung von Löw: „Wir brauchen Spieler, die fokussiert und konzentriert und sich auch ihrer Vorbildrolle bewusst sind.“

Zumal die sportlichen Leistungen derzeit nicht passen, gibt es für Kruse nicht mehr viel Spielraum. „Er muss jetzt unter Beweis stellen, dass er es verstanden hat“, sagt Allofs, der Kruse nun mit einer Geldstrafe im fünfstelligen Bereich belegt hat.

dpa