Am Dienstag wird Mario Götze in Berlin wieder im Kreise der Weltmeister sein. Es fällt nicht schwer, sich die Vorfreude des 23-Jährigen auf das Wiedersehen im Vorfeld der Länderspiele gegen England am Sonnabend und drei Tage später gegen Italien in München vorzustellen. Gut, einige von ihnen hat Götze im täglichen Training beim FC Bayern um sich herum. Er begegnet dann aber auch wieder Joachim Löw. Auf den Bundestrainer kommt in den nächsten Tagen die spezielle Aufgabe zu, seinen WM-Helden moralisch aufzupäppeln.

Seit Wochen ist der Siegtorschütze aus dem Finale von Rio de Janeiro 2014 körperlich in der Verfassung, ein Bundesligaspiel zu absolvieren. Beim letzten Schritt, seine fünfmonatige Verletzungspause mit mehr und mehr Spielzeit gedanklich abzuschließen, bremst ihn sein Vereinstrainer Pep Guardiola jedoch konsequent aus. So auch am Sonnabend beim 1:0-Sieg der Bayern beim 1. FC Köln, als Götze 90 Minuten auf der Bank schmorte. Da ist es gut, dass Löw schon vor dem Treffen im Berliner Grand Hyatt Hotel am Potsdamer Platz ein paar wohl gemeinte Worte aussandte: „Auf Mario zähle ich immer“, sagte der 56-Jährige.

Guardiola reagiert gereizt auf die Fragen nach dem 23-Jährigen

Dieses Gefühl wird dem Offensivspieler aktuell in der Wahlheimat München nicht vermittelt. Seit seiner Genesung stand Götze acht Mal im Kader des Rekordmeisters, lediglich vor Wochenfrist beim 5:0 gegen Werder Bremen durfte er in der Startformation, dann aber auch nur 54 Minuten ran. Er sei bereit für die großen Duelle, hatte Götze danach gesagt und damit vermutlich das Champions-League-Rückspiel gegen Juventus Turin am vergangenen Mittwoch gemeint. Abgesehen von ein bisschen Warmlaufen war er jedoch an dieser denkwürdigen Partie (4:2) gegen die Italiener nicht beteiligt. Während sich am Sonnabend in Köln aber geschlauchte Leistungsträger wie Thomas Müller, Philipp Lahm und Franck Ribéry bei Späßen auf der Bank erholen durften – der Trainer hatte fünf Neue ins Team rotiert –, nahm der sichtlich pikierte Götze erneut neben dem nicht als Unterhaltungskünstler bekannten Bayern-Sportvorstand Matthias Sammer Platz und wartete vergeblich auf seine Einwechslung. „Es war meine Entscheidung“, erklärte Guardiola nach dem Spiel unmissverständlich, „es war die beste Lösung für Bayern München. Und wenn wir gewinnen, liege ich richtig“, so der Katalane.

Harte Worte, die der einstige Super-Super-Spieler Götze gar nicht erst kommentieren sollte. Er verschwand nach dem Duschen durch einen Nebenausgang zum Mannschaftsbus, den wartenden Journalisten setzte der FC Bayern dagegen Robert Lewandowski, der schon in der zehnten Minute das Siegtor für die Münchener erzielt hatte, und Thomas Müller vor. „Ich werde da jetzt kein Fass aufmachen“, sagte Müller und bemühte sich um Sachlichkeit in der brenzligen Angelegenheit. „Der Mario wird sicher seine Spiele machen.“

Mittlerweile würde es allerdings nicht verwundern, wenn Götze beim Rekordmeister weder unter Guardiola, der im Sommer ja beruflich nach Manchester umsiedelt, noch unter dem neuen Trainer Carlo Ancelotti weitere Chancen bekommt. Auch im dritten Jahr der Partnerschaft Götze–Bayern hat sich der ehemalige Dortmunder nicht zu dem unverzichtbaren Mannschaftsteil entwickelt, an den die Vereinsbosse beim 37-Millionen-Euro-Transfer gedacht haben. Karl-Heinz Rummenigge wollte keine Wasserstandsmeldungen abgeben, zumal Götze ja wieder Wechselgerüchte zum FC Liverpool nachgesagt werden, weil er mit seinem einstigen BVB-Mentor Jürgen Klopp immer wieder in Kontakt stehe. „Ich mische mich da nicht ein“, erklärte Bayerns Vorstandschef. „Es ist sicher nicht immer einfach für ihn, das zu akzeptieren.“

Mit Verweis auf die Vertragsverlängerung von David Alaba sagte der 60-Jährige aber auch, dass in den nächsten beiden Jahren kein Leistungsträger den Verein ohne gesonderte Zustimmung verlassen dürfe. Lässt man mal die Alterspräsidenten Xabi Alonso, Franck Ribéry und Arjen Robben außen vor, endet allerdings der Vertrag eines vermeintlichen Perspektivspielers bereits 2017: der von Mario Götze.

Gerüchte über einen Wechsel zu Klopp nach Liverpool

Langfristig muss sich Mario Götze also Gedanken machen um seine Zukunft. Kurzfristig geht es für ihn darum, wieder die Lust am Fußball zurückzugewinnen, und da kommt die Kur beim Bundestrainer gerade recht: „Er hat jetzt bei der Nationalmannschaft Zeit, sich in Spielform zu bringen“, sagte Müller aufmunternd. Auch Löw, der bei der Einwechslung Götzes im WM-Finale mit dem Satz, „zeig der Welt, das du besser bist als Messi“, großen Anteil am Werdegang des 23-Jährigen hat, wird den Münchener aufbauen. „Er braucht jetzt einige Spiele, braucht Trainingseinheiten“, so der Bundestrainer vor dem Treffen in Berlin. „Für die EM plane ich mit Mario Götze, ganz klar.“ Das hat sich beim bisher letzten Turnier als zuträglich erwiesen.