Schreie hallten durch den Gang, immer wieder, sehr durchdringend. Rein akustisch beurteilt, hätte es Schmerz sein können, der da raus musste. Oder auch Frust. Ein Blick um die Ecke klärte jedoch auf, Micki DuPont fand einfach Spaß daran, das Heben der Hanteln im Kraftraum etwas zu untermalen und martialisch klingen zu lassen. Mark Bell, der sich daneben abarbeitete, musste lachen.
Nach Siegen wie diesen bleibt eben mal Zeit, um etwas herumzualbern. Mit 5:1 (2:0, 2:0, 1:1) schlug der EHC Eisbären die Kölner Haie im Viertelfinale der Deutschen Eishockey Liga (DEL) und gewann zum zweiten Mal in Folge. „Wir waren solide, wo wir es sein mussten“, sagte Trainer Uwe Krupp. In der „Best of seven“-Serie steht es nach drei Spielen nun 2:1 für die Berliner, die am Dienstag in Köln zum vierten Spiel antreten.
EHC-Fans lassen eine U-Bahn durch die Arena fahren
Unmittelbar vor Spielbeginn hatten die Fans in der Stehplatzkurve eine Choreographie aufgeführt. Eine, die etwas eigentümlich anmutete, dafür aber sehr kreativ. Die Oberbaumbrücke, unweit der Arena gelegen, wurde plakativ nachgebildet. Ziemlich detailgetreu und mit einer U-Bahn obendrauf. Die fuhr sogar richtig, indem die Fans die Träger weiterreichten. Vielleicht bedeutete dies, dass der Zug für Haie in dieser Saison abgefahren ist. Jedenfalls war die U-Bahn noch gar nicht richtig zum Stehen gekommen, da traf Florian Busch nach 51 Sekunden zum 1:0.
Es war ein Treffer, der etwas die Richtung vorgab in diesem Spiel. Ganz abgesehen davon, dass alle drei Partien jeweils der gewann, der das erste Tor erzielte. Womöglich könnte der Treffer auch schon ein Hinweis auf die Serie sein. Überaus stellungssicher präsentierten sich die Kölner bislang in der Defensive, zeigten sich anfangs in ihrem Verbund fast unverwundbar. Doch je mehr Zeit in der Serie vergeht, desto öfter schaffen es die Eisbären, die Kölner Abwehr auseinander zu ziehen. Bei Buschs Tor wirkten die Gäste nun sogar desorientiert, hatten ihn im Rücken laufen lassen, so dass ein einfacher Pass von Travis Mulock den Weg zum Tor komplett öffnete.
Fehler wie diese unterliefen den Haien zuvor nicht, vor 14.200 Besuchern in der Mercedes-Benz Arena war es der Anfang einer Reihe von Missgeschicken. Viele davon provoziert von den Eisbären. Die sind nach der mehr als einwöchigen Pause und der Niederlage in Spiel eins gegen die durch das Pre-Play-off marschierten Haie längst in der Serie angekommen. „Wir wollen viel laufen“, sagte Busch und machte darin den Grund für die Verschiebung der Verhältnisse aus. Je mehr die Berliner liefen, desto mehr gingen den Kölnern die Argumente aus in dieser Partie, die geprägt war vom Spieltrieb der Eisbären und von vielen Strafzeiten.
Normalerweise tut es weh, wenn im Play-off die Überzahlsituationen nicht genutzt werden. In dieser Serie gab das bislang aber noch keinen Ausschlag, obwohl die Gelegenheiten reichlich vorhanden sind. In Spiel drei kassierten die Berliner 32 Strafminuten, Köln 85. „Es gibt viele Nickligkeiten, aber das gehört dazu“, sagte Busch. Aus den neun Überzahlspielen konnten die Berliner kaum Kapital schlagen, erst der letzte Treffer von Constantin Braun fiel im Powerplay (53.). Es war auf beiden Seiten das erste Überzahlspiel in der Serie, das mit einem Treffer endete. „Gut, dass wir uns darauf nicht verlassen müssen“, so Braun.
Sie können darauf bauen, bei gleicher Spieleranzahl den besseren Eindruck zu machen. Mit ihrer Beweglichkeit und ihrem Tempo erschließen sich die Eisbären mehr und mehr Passoptionen. Dieses Wissen steigert die Spielfreude der Berliner, das war in der dritten Partie deutlich zu sehen. „Wir sind dem Schwung der Eisbären hinterhergerannt“, sagte Kölns Trainer Cory Clouston und ärgerte sich, dass sein Team eine doppelte Überzahl am Anfang von fast eineinhalb Minuten ohne Treffer beendete.
Auch in der Defensive stehen die Berliner sehr gut
Das ist die andere Seite der Berliner Darbietung, auch sie können in der Abwehr sehr ansprechende Leistungen zeigen. Oft kämpften sie mit vereinten Kräften darum, irgendwie dafür zu sorgen, dass kein Puck bis ins Netz durchkommen kann. Was eine Herausforderung ist, denn „Köln ist eine gefährliche Mannschaft, du musst jeden Moment hellwach sein“, sagte Krupp.
Diese Wachheit scheint den Kölnern im mittlerweile sechsten Play-off-Spiel etwas abhandengekommen zu sein. Nach André Rankels Treffer zum 2:0 (17.), der einen Schuss von Mark Olver ins Tor lenkte, stibitzte Olver dem Kölner Alexander Sulzer den Puck beim Forechecking. Mulock nutzte das zum 3:0 (33.). Schon am Freitag beim 1:0 in Köln hatte Olver sich den Puck von Sulzer geholt und so den Treffer von Laurin Braun eingeleitet. Jonas Müller erzielte das 4:0 (37.) für den EHC, der noch das Tor von Mirko Lüdemann hinnehmen musste (47.). Es war das Spiel mit dem bislang größten Unterschied in der Serie. Jetzt müssen die Berliner daran arbeiten, dass der Abstand nicht wieder geringer wird.

