Bevor André Breitenreiter am Mittwochmorgen zur nächsten Trainingseinheit bittet, wird sich eine Armada von Touaregs auf den Weg nach Gelsenkirchen machen. Noch steigen Stars wie Ralf Fährmann, Leroy Sané und Klaas-Jan Huntelaar aus ihren VW, wenn sie am Schalker Vereinsgelände ankommen. In der kommenden Saison wird es aber ein anderes Fabrikat sein: Volkswagen steigt aus, Schalke steigt um.

Noch fungiert der Automobil-­Gigant in der sogenannten „Sponsoren-Pyramide“ auf der zweithöchsten Ebene als „Premium-Partner“. VW hat sich seit dem Jahr 2008 als „exklusiver Automobil-Partner“ beim Revierklub engagiert. 2012 wurde der Vertrag vorzeitig um drei weitere Jahre verlängert.

VW-Chef Müller kündigtfinanzielle Konsequenzen an

Nach Informationen dieser Zeitung wird die Zusammenarbeit jedoch zum Saisonende am 30. Juni enden.

Die Konzernspitze der Volkswagen Aktiengesellschaft steht unter Druck. Am Dienstag kamen über 20.000 VW-Mitarbeiter zur Betriebsversammlung in einer Produktionshalle zusammen. Vor den Arbeitnehmern mussten sich die Topmanager zur Abgas-Affäre erklären. VW-Chef Matthias Müller sagte auf der Versammlung, dass die Software-Manipulationen und ihre Folgen „finanzielle Konsequenzen nach sich ziehen“, die in Gänze noch nicht absehbar seien, aber „substanziell und schmerzhaft“ ausfallen dürften.

Auch das Sportsponsoring kommt dabei auf den internen Prüfstand. Vor allem im Profifußball ist Volkswagen engagiert. „Der Fußball ist eine wesentliche Säule in der Sponsoring-Strategie unseres Unternehmens. Diese wichtige Kommunikations- und Werbeplattform wurde in der Vergangenheit sehr erfolgreich genutzt, und dies wird auch in Zukunft der Fall sein“, hatte VW erklärt, als der Abgasskandal bekannt wurde. Und sinngemäß hinzugefügt: Konkrete Entscheidungen ­werden folgen.

Aushängeschild des VW-Engagements ist der VfL Wolfsburg, eine 100-prozentige Tochter des Konzerns. Es heißt, VW habe bis zu 90 Millionen Euro im Jahr in den Fußballklub am Firmenstandort gepumpt.

Offen ist, wie es mit dem DFB-Pokal weitergeht, den VW ebenfalls sponsert. Es kursieren Gerüchte, dass Mercedes, unter anderem Partner der Nationalmannschaft, nicht abgeneigt wäre, in den Wettbewerb einzusteigen. Jährlich 1,6 Millionen Euro soll Volkswagen das zweite Trikotsponsoring wert sein: beim Zweitligisten 1860 München. Auch dieser Vertrag wird am Saisonende nicht verlängert. Das bestätigte ein VW-Sprecher: „Volkswagen wird die zum Saisonende auslaufenden Verträge mit Schalke 04 und 1860 München nicht verlängern.“ Die finanziell angeschlagenen „Löwen“ würde der VW-Ausstieg deutlich härter treffen als Schalke. Existenzbedrohend ist der Ausstieg für Schalke nicht. Aus Wolfsburg kam pro Jahr eine Überweisung im niedrigen einstelligen Millionenbereich. Zudem stattet VW die Lizenzspieler-Abteilung inklusive ­Trainerstab mit Autos aus der Markenflotte aus.

Hertha und Audi werdenihre Partnerschaft verlängern

Nicht nur Schalke profitiert von VW. 20 der 36 Vereine aus den beiden Topligen sind auf irgendeine Weise vom VW-Konzern mehr oder weniger abhängig. Als Beispiel seien hier Werder Bremen, der VfL Bochum, der MSV Duisburg oder Greuther Fürth genannt. Hertha BSC hat seit zehn Jahren eine Partnerschaft mit Audi, die Marke gehört ebenfalls zum VW-Konzern. Der Vertrag läuft im Juni aus. Dem Vernehmen nach fährt Audi jedoch eine eigene Strategie. Der Vertrag mit Hertha soll um zwei oder drei Jahre verlängert werden.

Über 100 Millionen Euro von VW fließen laut einer 2015 von der TU Braunschweig durchgeführten Studie jährlich an Vereine aus dem Profi-Fußball. Nur wenige andere Unternehmen investieren ähnlich viel Geld in den Fußballzirkus.