Bundesliga-Spitzenspiel

0:0: FC Bayern München hält Borussia Dortmund auf Distanz

Borussia Dortmund hat in einem hochklassigen Spitzenduell die Chance verpasst, bis auf zwei Punkte an die Bayern heranzurücken.

Hummels (l.) und Bender stoppen Bayerns Robert Lewandowski

Hummels (l.) und Bender stoppen Bayerns Robert Lewandowski

Foto: Ina Fassbender / dpa

Adrian Ramos hätte seine perfekte Woche krönen können: Es lief die 88. Spielminute, der Stürmer von Borussia Dortmund erwischte am langen Pfosten eine Flanke von Pierre-Emerick Aubameyang – köpfte den Ball aber aus fünf Metern neben das Tor und versäumte es so, im dritten Spiel in Folge den BVB in Führung zu bringen. Wenig später pfiff Schiedsrichter Tobias Stieler das Spitzenspiel der Bundesliga gegen den FC Bayern beim Stand von 0:0 ab.

Den 22 Spielern war anzusehen und den 81.351 Zuschauern anzuhören, dass sie nicht so recht wussten, ob sie sich freuen oder ärgern sollten: Beide Mannschaften hatten gute Möglichkeiten gehabt, die zu einem Sieg hätten führen können, diese aber nicht genutzt – so blieb es beim torlosen Unentschieden, das dem BVB aufgrund des Spielverlaufs schmeichelte und dem Tabellenführer aus München nicht ungelegen kam. Der Vorsprung auf den Verfolger aus dem Ruhrgebiet beträgt weiter fünf Punkte.

„Es waren zwei Spitzenmannschaften, die aufeinander getroffen sind. Es hätte auch 2:2 ausgehen können. Für die Zuschauer war es ein intensives und gutes Fußballspiel. Wir haben die fünf Punkte Vorsprung gehalten“, sagte Bayern-Kapitän Philipp Lahm. Thomas Müller wurde etwas deutlicher: „Es war ein intensives 0:0. Wir hatten ein Chancenplus, aber dafür können wir uns nichts kaufen. Es bleibt spannend. Wir stehen in der Bundesliga weiter in jedem Spiel unter Druck.“

BVB-Trainer Thomas Tuchel hatte schon zum Anpfiff mit einer Überraschung aufgewartet: Erik Durm stand in der Startaufstellung und gab einen klassischen Manndecker für Bayerns Linksaußen Douglas Costa. „Unser System mit der Fünfer-Kette ist vor allem in der ersten Hälfte ganz gut aufgegangen. Wir sind da des Öfteren über Außen durchgekommen. Das ­Unentschieden ist okay“, sagte Durm.

Bürki lenkt Vidals Schuss per Reflex an die Latte

Doch die Kreise des Brasilianers einzuengen, gelang ihm vor der Pause zu wenig. Nach fünf Minuten hatte Costa zu viel Platz auf der linken Seite, flankte scharf nach innen, wo Torwart Roman Bürki den Ball genau auf Thomas Müller faustete. Doch der Nationalspieler schoss über das Tor.

Wenige Augenblicke später leistete sich Bürki den nächsten Aussetzer und vertändelte den Ball fast gegen Robert Lewandowski. Dann war es wieder Costa, der von rechts nach innen zog, von Durm, Lukasz Piszczek und Henrikh Mkhitaryan nicht gebremst werden konnte und von der Strafraumgrenzen über das Tor schoss (10.).

Auf der Gegenseite zögerte Marco Reus bei einem Konter zu lange, so dass sein Schuss geblockt wurde (4.). Nach elf Minuten konnte Aubameyang endlich einmal in ein Laufduell mit dem jungen Joshua Kimmich geschickt werden – doch der Bayern-Verteidiger drängte den Stürmer so weit nach außen ab, dass dessen Schuss von Torwart Manuel Neuer problemlos gehalten wurde (11.).

Chancen hatten weiter beide Mannschaften: Eine Flanke von Costa schoss Arturo Vidal über das Tor (18.), Durm schoss aus zehn Metern knapp vorbei (20.) und Reus brachte den Ball nicht unter Kontrolle, als ihn Aubameyang von außen freispielte – Xabi Alonso konnte in höchster Not klären (27.).

Nach und nach übernahm nun Bayern die Kontrolle, drängte den BVB weiter nach hinten. Die größte Chance allerdings kam nach einer Dortmunder Ecke: Robben und Costa liefen plötzlich frei auf Durm zu, der Niederländer spielte den Brasilianer mustergültig frei – doch der scheiterte am gut herauslaufenden Bürki (28.). Der Tabellenführer blieb gefährlich, der Verfolger vergab einige gute Kontergelegenheiten schon im Ansatz.

Die erste Gelegenheit im zweiten Durchgang hatte der BVB: Gündogan löffelte den Ball über die Abwehr, Aubameyang brachte die Fußspitze dran, doch Neuer konnte per Fußabwehr klären (51.). Kurz darauf schickte Alonso Robben in Richtung BVB-Tor, doch der schoss von der Strafraumgrenze drüber (59.). Und dann war es ausgerechnet. Bürki, der mit einer Glanztat den Rückstand verhinderte, nachdem Vidal im Strafraum abgezogen hatte (65.).

Ballbesitz der Bayern wird immer erbarmungsloser

Die Bayern blieben gefährlich. Weigl verlor im eigenen Strafraum den Ball an Costa, doch Robben jagte dessen Querpass deutlich über das Tor (72.).

Bayern-Trainer Guardiola versuchte, den ersten Impuls zu setzen, brachte Franck Ribery für den im zweiten Durchgang unauffälligeren Costa (75.). Immer erbarmungsloser wurde das Ballbesitzspiel der Bayern, Dortmund wurde zu langen Bällen gezwungen. Tuchel wechselte Ramos für Reus ein (81.) – ein Tor fiel nicht. Tuchel: „Wir müssen uns frei machen von dem Vorsprung, den die Bayern haben. Wir sollten das jetzt nicht als Enttäuschung verbuchen.“ Um das Meisterrennen spannender zu machen, bot Dortmund jedoch zu wenig.