München –

Die Bayern bringen sich in Bedrängnis

Nach der überraschenden Niederlage der Münchner gegen Mainz wittert Verfolger Dortmund seine Chance im Titelrennen

München.  Jürgen Klopp ist tief im Herzen immer noch ein Mainzer. Jürgen Klopp ist bis vergangenen Juni Dortmund-Trainer gewesen und natürlich weiter mit dem BVB emotional verbunden. Und Klopp ist gut drauf, als er im britischen TV ein Interview nach dem 3:0 seines FC Liverpool über Manchester City gibt. Angesprochen auf andere Ergebnisse der Premier League, schweift der Coach ab und sagt: „Ich weiß im Moment noch nichts von den anderen Ergebnissen, also ... ähm, ähm, ich habe gehört: Bayern hat verloren.“ Und bekommt einen typisch Klopp’schen Kurzlachanfall, in den sich deftige Schadenfreude mischt über das 1:2 der Bayern am selben Abend gegen seinen Ex-Verein FSV Mainz.

Wie gemalt, dieser Fußballabend für Klopp, für alle Mainzer und natürlich für die Dortmunder, die relativ locker mit einer besseren B-Elf in Darmstadt mit 2:0 gewannen. Auf fünf Punkte ist der Abstand an der Tabellenspitze zwischen Bayern und Verfolger BVB plötzlich geschrumpft. Und das ausgerechnet vor dem Top-Spiel am Sonnabend zwischen den Schwarz-Gelben und den Roten in Dortmund (18.30 Uhr).

„Der Glaube macht alles wahr“, sprudelte es aus einem völlig euphorisierten Mainz-Trainer Martin Schmidt nach dem 2:1 in München heraus, „ich habe in den letzten Tagen immer von Sieg in München geredet und den Jungs gesagt: Ihr müsst dran glauben!“ Und dann, einmal mittendrin im Redefluss, sagte der Schweizer an die Zuhörer im Presseraum der Allianz Arena gerichtet: „Ich weiß, ihr wollt das nicht hören. Aber das macht die Bundesliga aus, solche Geschichten wie heute.“ Einer für alle, die Mainzer für die Liga. Schmidt sprach aus, was alle außer den Bayern dachten: „Dass wir den Titelkampf noch einmal spannend machen konnten, ist gut für die Liga.“

In Dortmund hat man die Vorlage gern aufgenommen. „Wir wollen alles daran setzen, den Vorsprung weiter zu verkürzen. Jetzt ist die Ausgangslage für uns natürlich besser“, sagte Trainer Thomas Tuchel, „der Ball liegt jetzt bei uns, und es liegt bei uns, den nächsten Schritt zu machen.“ Und plötzlich hat diese Saison etwas, woran niemand zu glauben wagte ob der Dominanz der Bayern: Spannung und ein echtes Titelrennen. „Dieses Jahr ist der BVB ein komplett anderer als in den vergangenen drei Jahren“, meinte Guardiola, der immer davon gesprochen hatte, dass diese Dortmunder unter Tuchel für ihn zu den fünf besten Mannschaften in Europa gehören. Nun ist sie da – die neue, alte Rivalität.

Mit Blick auf das nun plötzlich immer heißer werdende Topspiel meinte Bayern-Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge: „Das sollten wir besser nicht verlieren.“ Sonst wäre die erste Krise der Saison perfekt – und das nur zehn Tage vor dem für Guardiola noch wichtigeren Achtelfinal-Rückspiel der Champions League gegen Juventus Turin.

War das 1:2 gegen die Mainzer, bei dem der Bayern-Coach auf Kapitän Philipp Lahm sowie Xabi Alonso komplett verzichtete und Thomas Müller plus Douglas Costa zunächst auf die Bank schickte, nun ein Ausrutscher oder der Beginn einer Schwächeperiode, ausgerechnet wieder im Frühjahr? Steigt mit dem geschrumpften Vorsprung in der Liga der Druck, weil Bayern auf einmal etwas zu verlieren hat? „Es ist nicht einfach für uns“, erklärte Guardiola, „die Leute haben schon im November gesagt, der FC Bayern ist schon Deutscher Meister. Nun merken wir, dass wir noch viel Arbeit machen müssen, um unseren Titel zu verteidigen.“

Dortmund, seit zehn Pflichtspielen ungeschlagen (nur ein Remis), wird die Nagelprobe. Gewinnt man, dürfte Dortmund als Verfolger endgültig erlegt sein. Bei einer Pleite wird es kaum noch möglich sein, Stammkräfte in der Liga für die Königsklasse zu schonen. Es steht für Bayern – insbesondere für Guardiola – viel auf dem Spiel.

„Das ist das, was wir uns erhofft haben. Wir wollten bis zum direkten Aufeinandertreffen Punkte gutmachen“, sagte BVB-Kapitän Mats Hummels, „die Konstellation ist nun natürlich umso schöner. Wir wollen den Abstand auf zwei Punkte verkürzen, es sehr spannend machen. Es wird ein heißer Ritt.“ Für Dortmund, für die Liga – und ein kleines bisschen auch für Jürgen Klopp.