Jedes der bisherigen 15 Heimspiele konnte der FC Bayern diese Saison gewinnen. Diese Serie riss am Mittwoch ausgerechnet bei der Rückkehr von Uli Hoeneß in sein zweites Wohnzimmer. Bayern verlor mit 1:2 (0:1) gegen Mainz. Beim ersten Spiel von Uli Hoeneß in Freiheit strauchelt sein Team.

Zwei Tage nach seiner Haftentlassung strahlte der 64-Jährige, weil er wieder einen Abend unter Freunden im Stadion erleben durfte. Es war sein erster Besuch seit dem 10. Mai 2014 (1:0 gegen Stuttgart). Wenig später war er wegen Steuerhinterziehung zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden, arbeitete als Freigänger ab Januar in der Jugendabteilung des Vereins. Um 19.44 Uhr kam der Ex-Präsident mit Ehefrau Susi in der Arena an, plauschte am Parkplatz locker und gelöst mit seinem ehemaligen Chauffeur Bruno Kovacevic. Hoeneß als freier Mann, als einfacher Fan – und vor allem: als neuer Mensch. Er sei „in keinem Amt beim FC Bayern mehr“, erklärte Hoeneß, „ich bin nicht Präsident, ich bin gar nichts.“ Und doch im Mittelpunkt.

637 Tage Gefängnis hat Hoeneß im Kopf und in den Knochen. Auf der Ehrentribüne saß er zwischen seiner Frau Susi und dem scheidenden Adidas-Chef Herbert Hainer. Vom Stadionsprecher wurde er nicht erwähnt. Kein Foto, keine Bilder auf den Videoleinwänden. „Uli, Du bist der Beste“ war vor Anpfiff auf einem Transparent der Fans in der Südkurve zu lesen. Sprechchöre gab es aber nicht.

Ex-Häftling bittet um Ruhefür sich und seine Frau

Aber auch kein Sieg zur Rückkehr. „Wir freuen uns, dass er zurück ist“, sagte der momentan verletzte Abwehrspieler Jérome Boateng vor Anpfiff, der sich in den Ex-Präsidenten nicht nur als Zuschauer zurück wünscht, „in welcher Funktion, das muss er entscheiden. Für die Mannschaft ist das heute etwas ganz Besonderes, jeder will ihm einen Sieg schenken“. Sportvorstand Matthias Sammer sagte: „Wichtig ist, dass er mit seiner Familie zur Ruhe kommt. Wir sehen das mit Freude, aber auch mit Gelassenheit.“Als Freigänger durfte Hoeneß nur die Basketball-Spiele besuchen und „da auch nur in eine der hinteren Reihen“, wie er der „Bild“ sagte. Über seine Gefühlswelt verriet Hoeneß: „Grundsätzlich geht es mir gut. Ich muss jetzt erst einmal den Kopf freikriegen.“ Man könne sich nicht vorstellen, „was die letzten Jahre für eine Belastung für den Kopf waren – nicht nur im Gefängnis, auch die Zeit davor“. Er habe Schwierigkeiten gehabt, in seiner Zelle einzuschlafen, berichtet der 64-Jährige, „so einfach ist es nämlich nicht, im Gefängnis zu schlafen. So ging das jetzt 14 Monate. Ich möchte meine Ruhe jetzt. Ohne Fotografen vorm Haus.“

Und die Mannschaft? Machte ihm das Genießen des Spiels sehr schwer. Unkonzentriert, fahrig, viele Fehler. Jairos Tor tat weh (26.), bis Arjen Robben den Ausgleich herbei hämmerte (64.). Dann der Schock kurz vor Schluss, als es auf ein Remis hinauslief: das 1:2 für die Mainzer durch Cordoba nach einem Konter (86.). Bayerns erste Heimpleite seit Mai. Und plötzlich sind es nur noch fünf Punkte Vorsprung auf Verfolger Dortmund.

ps