Wembley ist kein Ort des Glücks für Jürgen Klopp. Auch bei seinem zweiten Auftritt in Englands Fußball-Tempel erlitt der deutsche Trainer eine bittere Niederlage. Mit seinem FC Liverpool unterlag er in einem dramatischen Endspiel um den englischen Ligapokal Manchester City verdient mit 1:3 im Elfmeterschießen. Nach Verlängerung hatte es 1:1 (1:1, 0:0) gestanden. Klopp vergab damit 143 Tage nach Amtsantritt seine erste Titelchance.
„Ich bin natürlich sehr enttäuscht mit dem Ende“, sagte Klopp, der 2013 mit Borussia Dortmund das Champions-League-Finale gegen Bayern München mit 1:2 an selber Stelle verloren hatte. „Wir haben alles versucht, wir haben ein Tor geschossen und hatten eine große Chance. Es ist unglücklich, aber eben eine Möglichkeit, ein Finale zu verlieren.“ Held des Endspiels war Citys Ersatzkeeper Willy Caballero: Er parierte im Elfmeterschießen drei Versuche der Reds. „Ich bin sehr zufrieden mit meiner Mannschaft, aber am meisten mit Willy. Er hat es verdient“, sagte City-Coach Manuel Pellegrini. Sein argentinischer Keeper jubelte mit Tränen in den Augen: „Das ist fantastisch für alle Blauen! Wenn jemand glaubt, dass der Ligapokal einem Premier-League-Spieler nichts wert ist, sollte er das hier sehen.“
Der deutsche Nationalspieler Emre Can traf als einziger für Liverpool vom Punkt, City-Torwart Caballero hielt gegen Lucas Leiva, Coutinho und Adam Lallana. Yaya Touré verwandelte den entscheidenden Elfmeter für Manchester und sicherte City den vierten Cup-Triumph. „Jeder weiß: Im Elfmeterschießen brauchst du ein bisschen Glück, aber wir hätten es schon besser machen können“, sagte der enttäuschte Klopp: „Für den Torwart war es nicht besonders schwer.“
In der regulären Spielzeit hatte der Brasilianer Fernandinho Manchester, das ab Sommer von Pep Guardiola trainiert wird, nach einem schweren Patzer von Liverpools Torhüter Simon Mignolet in Führung gebracht (49.). Philippe Coutinho rettete Klopp und Rekordsieger Liverpool (acht Erfolge) in die Verlängerung (83.). „Ich möchte nicht zu dramatisch klingen: Aber genießen werde ich diesen Tag nur, wenn wir gewinnen“, schrieb Klopp im Stadionmagazin zum Spiel. Das Liverpool Echo hatte das Duell als „The Klopp Final“ angepriesen – und der „Normal One“ war vor den Toren des englischen Fußball-Heiligtums allgegenwärtig. Hier eine Fahne mit Porträt, da ein T-Shirt mit seinem Kopf und dem Slogan „Klopp’s Army“. Auf einer elektronischen Anzeigetafel rief Klopp den Anhängern zu: „Ihr seid Teil unserer Wembley-Startelf!“
Klopp erschien dem Anlass angemessen im feinen Zwirn und lauschte vor Spielbeginn andächtig der englischen Nationalhymne. Während der intensiven Begegnung vor 86.206 Zuschauern coachte er aber gewohnt aktiv. Aus gutem Grund: Liverpool mit Nationalspieler Can als unermüdlichem Balldieb im Mittelfeld hatte mitunter große Probleme. Der viel gescholtene Mignolet bewahrte Liverpool zunächst vor einem Rückstand, als er einen Schuss von Sergio Agüero an den Pfosten lenkte (23.).
Schwache Strafstöße verhindern Erfolg des deutschen Trainers
Kurz darauf musste Klopp eingreifen, als sich der nach einem Zusammenprall mit Can sichtlich angeschlagene Verteidiger Mamadou Sakho weigerte, ausgewechselt zu werden. Es kam zu einem engagierten Wortwechsel, Sakho ging – und feuerte seine Wasserflasche auf den heiligen Rasen. Auf der Bank zog er sich seine Trainingsjacke über den Kopf. Und auch von seinen Kollegen war wenig zu sehen – die Offensive um Ex-Hoffenheimer Roberto Firmino enttäuschte weitgehend. Anders als beim 4:1-Sieg in der Premier League im November in Manchester fand Liverpool kaum eine Lücke in der meist gut organisierten City-Abwehr.
Mignolet ließ dann Fernandinhos haltbaren Schuss aus spitzem Winkel passieren, Klopp feuerte seine Mannschaft jedoch weiter an. Der frühere Liverpool-Profi Raheem Sterling verpasste die Vorentscheidung (60., 80.), nach Foul an Agüero hätte City zudem einen Strafstoß bekommen müssen (62.). Als City den Cup schon sicher glaubte, schlug Coutinho nach Pfostenschuss von Lallana zu. Gebracht hat es am Ende nichts, nur die Leiden wurden verlängert. Liverpool verpasste damit die vorzeitige Qualifikation für die Europa League. „Man kann hinfallen. Es kommt jetzt darauf an, wie wir wieder aufstehen“, so Klopp nach dem Finale.
sid/dpa

