Das Basketballspiel war bereits entschieden. 6:29 Minuten vor Schluss lag Alba Berlin bei Bayern München mit 54:76 zurück. Eigentlich hätten alle halblang machen können in dieser Bundesligapartie, schließlich stehen sich die Mannschaften schon am kommenden Dienstag, wieder in München, im Eurocup-Achtelfinalrückspiel erneut gegenüber. Doch dann eskalierte die Situation.
Der Münchner Paul Zipser und Albas Dragan Milosavljevic gerieten aneinander, Bayerns Aufbauspieler Alex Renfroe wütete im allgemeinen Getümmel, Bayerns Cotrainer Emir Mutapcic ging dazwischen, Schiedsrichter Robert Lottermoser ebenfalls – und kam dabei zu Fall. Unglaublich, wie die Partie, die mit 65:96 endete, aus den Fugen geriet.
Selbst der direkte Vergleich geht für Berlin noch verloren
Alba zeigte eine „inakzeptable Leistung“ (Trainer Sasa Obradovic), hatte zu keinem Zeitpunkt den Hauch einer Chance und steuerte ins Debakel. Es war die höchste Niederlage gegen München in der Geschichte, zudem ist nun auch der direkte Vergleich gegen die Münchner verloren (Berlin hatte das Hinspiel mit 90:74 gewonnen). Alba, das erst eine Woche zuvor den Pokal im Finale gegen die Bayern geholt hatte, muss aufpassen, dass es nicht sogar ohne Heimvorteil ins Play-off-Viertelfinale geht. Diesen Vorteil haben nur die vier Erstplatzierten.
Doch das alles geriet zur Nebensache. Nach besagter Situation bekam Zipser ein unsportliches Foul zuerkannt – Renfroe und Milosavljevic sogar ein disqualifizierendes. Beide können am Dienstag zwar spielen, weil der Eurocup ein anderer Wettbewerb ist, für die Bundesliga drohen ihnen aber nach §21 der Spielordnung Sperren und/oder Geldstrafen. Die Stimmung war sowieso aufgeheizt, weil Berlins Akeem Vargas kurz zuvor ein Foul an Zipser begangen hatte, das als unsportlich geahndet wurde. „Ein normales Foul, ich wollte ihn nicht verletzen“, erklärte Vargas. Er verwies auf die große Rivalität zwischen den Klubs. „Klar, dass es da öfter mal knallt.“
„Ich will Akeem keinen Vorsatz unterstellen, doch die Gefahr einer Verletzung war bei diesem Foul sehr hoch“, konterte Münchens Geschäftsführer Marko Pesic. Er schätze Vargas, der spiele oft „am Limit. Mir geht es darum, dass sich niemand verletzt“. Jetzt stehen sich beide Teams am Dienstag zum vierten Mal innerhalb von zehn Tagen gegenüber. Marko Pesic glaubt: „Die Frage ist, wer jetzt schneller regeneriert.“ Vargas war sich sicher: „Es wird wieder hitzig.“ Was ihm Mut machte: „Bei den wichtigen Spielen waren wir in dieser Saison immer da.“
BM

