Bundesliga

Berliner Schiri Zwayer verlässt den Platz

Leverkusens Trainer Roger Schmidt lässt den Unparteiischen bei der Niederlage gegen Dortmund eine ungewöhnliche Entscheidung fällen.

Schiedsrichters Felix Zwayer  hat das Spiel Bayer Leverkusen gegen Borussia Dortmund unterbrochen

Schiedsrichters Felix Zwayer hat das Spiel Bayer Leverkusen gegen Borussia Dortmund unterbrochen

Foto: dpa

Leverkusen. Rudi Völler redete mit puterrotem Kopf auf Felix Zwayer ein. Sein Zeigefinger zischte durch die Luft und stach beinahe auf die Brust des Berliner Schiedsrichters. Dem Eklat für die Bundesliga-Geschichtsbücher durch Roger Schmidt folgte die ganz große Aufregung.

Das 0:1 (0:0) von Bayer Leverkusen im Topspiel gegen Borussia Dortmund am Sonntagnachmittag geriet zur Nebensache. Alle interessierten sich nur noch für das sogenannte „Schmidt-Gate“.

Bayer-Trainer Schmidt hatte eine außergewöhnliche, in der Bundesliga-Historie einmalige, peinliche Szene provoziert, die wahrscheinlich noch das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) beschäftigen wird.

Er weigerte sich nach dem 0:1 durch Pierre-Emerick Aubameyang (64.) trotzig wie ein kleines Kind, nach Platzverweis den Innenraum zu verlassen. Zwayer unterbrach die Partie für neun Minuten – regelkonform, wie der DFB anschließend betonte

Leverkusen-Coach zeigt sich einsichtig: „Es war mein Fehler“

Der „Vulkan“ Völler war da allerdings längst ausgebrochen. „Das Spiel zu unterbrechen und eine solche Hektik hineinzubringen, ist völlig unnötig. Die Spieler in die Kabine zu schicken, solch eine Nummer daraus zu machen, als sei etwas ganz Furchtbares passiert, ist völlig übertrieben“, schimpfte der Bayer-Sportdirektor.

Sein Wutausbruch erinnerte an seine legendäre „Scheißdreck-Käse“-Rede nach dem DFB-Länderspiel in Island 2001. Auch damals schlugen die Emotionen bei Völler hoch. In seiner ungebremsten Erregung warf er dem Schiedsrichter auch noch vor, er habe Bayer nach der Spielfortsetzung gezielt benachteiligt. „Er hat sich ja revanchiert. Deshalb hat er den Elfmeter nicht gepfiffen!“, rief er in Anspielung auf ein Handspiel des Dortmunders Sokratis in der 71. Minute voller Sarkasmus in die TV-Kameras.

Schmidt dagegen gab sich nach dem Spiel in Teilen reumütig. „Ich bin zu stur gewesen. Da habe ich emotional reagiert. Mir wurde aus 45 Metern signalisiert, dass ich auf die Tribüne soll“, sagte er während der Pressekonferenz.

Dann räumte der 48-Jährige ein: „Ich habe meiner Mannschaft geschadet. Ich habe zu lange gezögert zu gehen. Es war ein Fehler von mir.“ Ein Nachspiel ist Schmidt dennoch gewiss. „Es kann nicht sein, dass der Trainer eine Entscheidung ignoriert und eine persönliche Erklärung des Unparteiischen durch sein Verhalten erzwingen will“, sagte Schiedsrichter-Chef Herbert Fandel nach dem Spiel.

Kießling: "Das war eine Scheiß-Situation"

Der Anlass des ganzen Ärgers war das Dortmunder Führungstor. Bayer-Stürmer Stefan Kießling unterbrach den Dortmunder Aufbau mit einem Foul an Sven Bender, der BVB führte den Freistoß schnell und 5,80 Meter weiter vorne aus -- aus Sicht der Bayer-Profis und -Verantwortlichen viel zu weit vorne.

Schmidt schimpfte, er haderte, er beklagte sich laufend beim Vierten Offiziellen Christoph Bornhorst, und Zwayer wurde es zu viel. Schmidt („Das war irregulär“) weigerte sich, den Innenraum zu verlassen, woraufhin der Unparteiische das Spiel unterbrach und in den Katakomben verschwand. „Da meinen Anweisungen nicht Folge geleistet wurde, blieb mir keine andere Wahl“, sagte Zwayer.

Kießling hatte Schmidt auf den Ernst der Lage hingewiesen, doch der Trainer war unbelehrbar. Er verfolgte den Rest des Spiels später dann in der Kabine. „Dass wir dann noch einen tausendprozentigen Elfmeter nicht bekommen, ist der Wahnsinn“, sagte er. Zwayer hatte die Szene „nicht gesehen“, er gab aber zu: „Nach Ansicht der Fernsehbilder war es ein Elfmeter.“

Kießling nannte den ganzen Vorgang schlicht eine „Scheiß-Situation“ und zeigte Verständnis für seinen Trainer: „Wir haben eigentlich ein geiles Spiel gemacht, aber dann kriegen wir so ein Dreckstor. Da kann man schon mal sauer sein“, sagte der Angreifer.

Dortmunds Trainer Thomas Tuchel bat um Nachsicht für seinen Trainerkollegen: „Ich kann mich in ihn reinversetzen“, sagte er. „Gefühle können auch mal überkochen. Diesmal war es wohl etwas zu viel“.

Zum Sportlichen: Dortmund bleibt als einzige Mannschaft im Windschatten von Bayern München, das nach wie vor acht Punkte Vorsprung hat. Leverkusen rutschte im Kampf um die Champions-League-Qualifikation wieder auf Platz vier ab – hinter Hertha BSC. Aber das war nach diesem kuriosen Spiel kein Thema.