Deutschland ist Europameister – und Dagur Sigurdsson ist der Baumeister des deutschen Handball-Wunders: Vorbild, Motivator, Taktik-Tüftler. Innerhalb kürzester Zeit formte der Bundestrainer aus einem Team der Nobodys eine Spitzenmannschaft und führte eine darbende Sportart zurück ins Rampenlicht. Die Spieler vertrauen ihm blind, die Fachwelt überschlägt sich mit Lobeshymnen.
Der frühere Welthandballer Daniel Stephan sagte: „Der größte Dank gilt Trainer Dagur Sigurdsson. Alle seine Maßnahmen haben gefruchtet.“ Und selbst Fußball-Weltmeistertrainer Joachim Löw zeigte sich beeindruckt. „Genauso wie wir stellt auch Dagur Sigurdsson das Team in den Mittelpunkt, jeder kämpft für den anderen“, sagte Löw.
Mit isländischer Akribie und seiner durch und durch unaufgeregten Art führte Sigurdsson das deutsche Team in den letzten anderthalb Jahren wieder in die Spur.
Fußball zum Zeitvertreib
Als viele Experten die deutsche Mannschaft aufgrund der vielen Verletzten vor der EM schon abgeschrieben hatten, blieb er erstaunlich cool. Den Druck, Platz sieben bei der Wüsten-WM vor Jahresfrist in Katar nun vor einem Millionenpublikum bei ARD und ZDF bestätigen zu müssen, ließ sich Sigurdsson nie anmerken.
Sigurdsson ruht in sich selbst. Seine Akkus lädt der frühere Jugend-Nationalspieler im Fußball, der in seiner Heimat als Unternehmer unter anderem ein Hostel mit 215 Betten betreibt, beim Gitarrespielen, Motorradfahren oder Joggen auf – Hobbys, für die er in Polen allerdings keine Zeit hatte.
Klima bedingungslosen Vertrauens
Stattdessen sorgte Sigurdsson mit seinem Team für eine wahre Renaissance des deutschen Handballs – und für den größten Erfolg seit dem goldenen Wintermärchen 2007 im eigenen Land. Nach den Nackenschlägen der verpassten Olympia-Quali 2012 und der EM 2014 ohne deutsche Beteiligung gehört die DHB-Auswahl plötzlich wieder zur Weltspitze.
Die größtenteils blutjungen Spieler hängen förmlich an Sigurdssons Lippen. In einem Klima des bedingungslosen Vertrauens wuchs bei den deutschen Grünschnäbeln auch das Vertrauen in die eigene Stärke – mit jeder Minute, von Tag zu Tag. Erik Schmidt brachte es auf den Punkt: „Wir vertrauen ihm blind“, so der Kreisläufer.
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