Ski alpin

Svindal fehlt nur noch der Abfahrtssieg auf der Streif

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Ulli Baum
Aksel Lund Svindal auf dem Weg zum Sieg im Super-G

Aksel Lund Svindal auf dem Weg zum Sieg im Super-G

Foto: Christophe Pallot/Agence Zoom / Getty Images

Der Norweger Svindal gewann am Freitag erstmals beim Super-G in Kitzbühel und will nun auch die legendäre Abfahrt gewinnen.

Kitzbühel.  Es ist nicht überliefert, ob die Wälder am Hahnenkamm gute Jagdreviere sind. Vermutlich eher nicht, denn auf dem Hausberg von Kitzbühel ist stets viel los. Am Weltcup-Wochenende besonders, aber da ist die Jagdsaison in Tirol eh schon vorbei. Zumindest Hirsch, Reh und Gams haben nichts zu befürchten. Es geht in diesen Tagen einmal um eine goldene Gams, und zum anderen um Tiere, die vor allem in Skandinavien heimisch sind, aber im Winter gern die Weltcup-Pisten bevölkern. In Kitzbühel fürchten die Skirennläufer aber nur einen einzigen Vertreter dieser Gattung. „Ein Elch und ungefähr 50 Jäger“, sagte zumindest der Österreicher Hannes Reichelt, würden am Sonnabend (11.45 Uhr, ARD und Eurosport), bei der legendären Abfahrt auf der „Streif“ unterwegs sein. Gemeint ist hier Aksel Lund Svindal, der norwegische Dauersieger in den schnellen Disziplinen in diesem Winter.

Auch ein Deutscher schafft es in die Top Ten

Beim Super-G am Freitag hat der Führende im Gesamtweltcup seinen Verfolgern bereits ein Schnippchen geschlagen und seine erste goldene Gams für einen Sieg in Kitzbühel abgeräumt, heute soll die zweite folgen. „Die Abfahrt“, sagt Svindal, „wäre schon noch größer.“ Er gewann vor Andrew Weibrecht aus den USA und dem Österreicher Hannes Reichelt. Der Deutsche Andreas Sander belegte wie bei der Abfahrt von Santa Caterina Ende Dezember den zehnten Platz. Noch nie schaffte der Ennepetaler im Weltcup ein besseres Resultat.

Während sich die Athleten in dieser Woche darum kümmern, bestmöglichen Sport zu bieten, liefern sich die Gastronomen einen Wettkampf um die beste Après-Veranstaltung. Denn fast genauso wichtig wie die Skirennen sind an diesem Wochenende die Promi-Partys. Es hat sich wieder einmal vieles um die Frage gedreht: Kommt Arnold Schwarzenegger? Der Schauspieler und ehemalige Gouverneur von Kalifornien macht es wie jedes Jahr spannend. „Angeblich“, sagt der Reporter einer österreichischen Zeitung, „kommt er sicher.“

Unten im Vip-Zelt warten die Prominenten

Am Hahnenkamm-Wochenende existieren in Kitzbühel halt Parallelwelten. Auf der „Streif“ kämpfen die Skirennfahrer um die schnellste Linie, manchmal auch nur darum, heil im Ziel anzukommen. Unten im VIP-Zelt, am Fuße des Hahnenkamms, sitzen die Prominenten, oder solche, die der Veranstalter dafür hält. Und dann gibt es noch die Partys für diejenigen, die weder berühmt noch reich sind. Die kommen spätestens am Samstagmorgen, feiern in der Fußgängerzone.

Die Faszination des legendärsten Skirennens der Welt wird jedes Jahr aufs Neue versucht zu ergründen. Die vielleicht beste Erklärung gibt es oben am Starthaus. Bei Skirennen ist es dort gewöhnlich alles andere als ruhig. Es herrscht ein permanentes Stimmengewirr, manchmal wird sogar ein bisschen gefrotzelt. Nicht so in Kitzbühel, da ist es im Starthaus ruhig, „fast wie in einer Kirche“, sagt Reichelt, Sieger von 2014. „Alle sind sehr andächtig.“

Für zwei Österreicher ist die Saison vorbei

Die Abfahrt ist technisch nicht die schwierigste auf der Weltcup-Tour, aber diejenige, auf der sich die Athleten am meisten überwinden müssen. „Sie ist eine Frau, die alles für dich tut, wenn sie dich liebt“, sagt Reichelt. „Aber wenn sie dich nicht mag, dann bestraft sie dich bitter.“ Jedes Jahr schaffen es ein paar Athleten nicht, die Zuneigung der „Streif“ zu gewinnen. Dieses Mal hat es in den Trainings zwei Österreicher erwischt. Für Max Franz und Florian Scheiber ist wegen Bänderverletzungen im Knie die Saison vorbei. Spektakuläre Stürze sind Teil des Mythos. Die Jäger nach Elchen und goldenen Gams-Trophäen lassen sich ohnehin nicht aufhalten von den Risiken, die am Hahnenkamm lauern.