Es gibt drei große Aquarien in Herthas Teamhotel „Gloria Serenity“ im türkischen Badeort Belek. Steht man davor, bieten sich zwei Möglichkeiten: Man kann verweilen, das Schöne betrachten und den strömenden Regen vor der Tür vergessen. Oder man kann hindurchschauen und das in den Blick nehmen, was dahinter liegt.

Jenseits der Aquarien nämlich befindet sich der Essenssaal der Luxusherberge, in der die Berliner für acht Tage ihr Wintertrainingslager aufgeschlagen haben. Dass der Überraschungsdritte der Bundesliga vielleicht eine ähnlich starke Rückrunde spielt wie in der abgelaufenen Hinserie (32 Punkte), dafür wird auch hier der Grundstein gelegt. Denn beim Essen zeigt sich, ob sich Grüppchen bilden – die zersetzende Kraft jedes Mannschaftsgefühls –, ob immer die gleichen Spieler zusammenhängen oder nicht. In diesem Jahr, und das ist ein Unterschied zu den Jahren davor, ist das nicht der Fall. Jeder sitzt mal neben jedem.

„Jetzt ist unser Teamgeist besser als früher“, sagt Fabian Lustenberger (27). Der Kapitän sitzt im Teamhotel und spricht über die in elf Tagen beginnende Rückrunde – dann empfängt Hertha den FC Augsburg. Auf die Frage, wie man im Sport erfolgreich wird, folgt nämlich immer die Frage, wie man erfolgreich bleibt. Für die Hertha-Fans ähnelte die Hinrunde ja dem Blick in ein Aquarium: alles im Fluss, alles schön. Aber Lustenberger will nicht verweilen, sondern dahinter schauen. Denn der Schweizer weiß, dass auf seine Mannschaft neue Herausforderungen warten. Eine zentrale wird sein, den Zusammenhalt zu schützen, obwohl es unzufriedene Spieler geben wird. Bisher verletzte Profis wie der vormalige Stammtorwart Thomas Kraft, Peter Pekarik und Änis Ben-Hatira sind zurück und erhöhen den Konkurrenzkampf. „Das kann den Teamgeist beschädigen“, sagt Lustenberger. „Jeder hat die Eigenverantwortung, dass das nicht passiert.“

Herthas Vizekapitän Sebastian Langkamp sagt: „Der Teamgeist ist unser Heiligtum. Er wird der Schlüssel zum Erfolg sein und entscheidet darüber, wie wir die Rückrunde gestalten.“ Sicher hätten die Spieler, die in den ersten 17 Partien meist gespielt haben, einen kleinen Bonus beim Trainer. „Aber keiner von uns kann sich ausruhen. Die neue Konkurrenzsituation kann auch dazu führen, dass wir uns weiterentwickeln“, sagt Langkamp. Eine Konstellation also, die Gefahren und Chancen gleichermaßen bereithält.

Beide, Langkamp und Lustenberger, haben mit Hertha erlebt, dass eine gute Hinrunde nicht zwangläufig auch eine gute Rückrunde bedeuten muss. Vor zwei Jahren gastierten sie unter Trainer Jos Luhukay ebenfalls im Wintertrainingslager in Belek – ebenfalls als Überraschungsteam der Liga, damals mit 28 Punkten. Auch da war alles im Fluss, alles schön. Danach folgte jedoch der Absturz – mit nur 13 Zählern verkam Hertha zum zweitschlechteste Team der zweiten Saisonhälfte. „Die Leute bei uns im Team haben das immer noch im Kopf. Sie wissen, dass das schon einmal passiert ist“, sagt Lustenberger und will das als Argument verstanden wissen, dass die Sinne geschärft sind.

Ibisevic schießt Berliner zum 1:0 im Testspiel gegen Hannover

Langkamp dagegen findet, dass beide Mannschaften, die von Belek 2014 und die von heute, nicht zu vergleichen sind. „Wir sind heute viel gefestigter als früher. Dazu ist unsere ganze Spielanlage besser“, sagt er. Damit das so bleibt, hat Trainer Pal Dardai den Fokus auf die vier Testspiele gelegt und ein Mittel zu einer guten Teamhygiene ersonnen: Jeder der nach Belek mitgereisten 27 Profis wird Einsatzzeit bekommen, um sich zu zeigen. Gegen Hannover 96 schickte Dardai am Montag in den zwei Halbzeiten zwei komplett unterschiedliche Mannschaften aufs Feld. Hertha dominierte, gewann aber nur 1:0 (1:0). Das Siegtor erzielte Vedad Ibisevic.