Mark Olver hatte das Gefühl, dass die Leute um ihn herum nicht mehr mitkommen. „Ich spreche viel zu schnell“, sagte er. Also versuchte der Stürmer, etwas langsamer zu erklären, wie es in ihm aussieht nach dem 4:2 des EHC Eisbären gegen die Augsburger Panther. Doch Olver kommt nach Spielen nicht so schnell runter, es dauert bei ihm, bis sich das Adrenalin gesetzt hat.
Gegen Augsburg war es auch nicht lange her, dass er mit seinem Treffer zum Endstand fünf Minuten vor Schluss Klarheit in eine Partie gebracht hatte, die noch einmal kritisch geworden war. „Ich bin froh, dass ich jetzt meinen Teil beitragen kann“, sagte Olver, der vor einer Woche 28 Jahre alt geworden ist. Schon gegen Nürnberg (2:3 n.P.) zwei Tage zuvor hatte er ein Tor erzielt, 40 Sekunden vor dem Ende. Der Treffer brachte den Eisbären einen Punkt.
In der Deutschen Eishockey Liga (DEL) hat Olver jetzt 20 Spiele absolviert. „Der Start verlief etwas schleppend“, erzählt er. Der Angreifer macht dies wohl mehr an Punkten fest, fünf Tore und vier Vorlagen sammelte er seit seinem Wechsel zum EHC Ende Oktober. Das ist jedoch mehr eine Frage der Perspektive. Trainer Uwe Krupp war von Anfang an angetan von Olver, dem jüngeren Bruder des Eisbären-Stürmers Darin. „Wir haben gehofft, dass wir einen Schlüsselspieler bekommen. Und das ist er auch“, findet Krupp.
Olver ist ein schlauer Mittelstürmer, der ein Spiel lenken kann und weiß, wo das Tor steht. Überdies ist er sich für nichts zu schade, erledigt auch die Dinge, die andere nicht so gern tun. Olver kämpft mit allen Bandagen. Darum sitzt er bei den Berlinern am meisten auf der Strafbank. Der Deutsch-Kanadier spielt aber auch sehr effektiv, in der Plus-Minus-Statistik liegt er mannschaftsintern auf Platz zwei mit +9. Er steht also bei weit mehr Toren auf dem Eis als bei Gegentoren. Die Summe seiner Fähigkeiten, mit der er in der NHL zu 74 Einsätzen für Colorado kam, bringt die Eisbären voran. „Er gibt uns eine andere Dynamik in der Mannschaft“, sagt Krupp. Von seinen Schüssen landen 16 Prozent im Netz, nur Bruder Darin ist mit 18 Prozent besser bei den Eisbären.
Die beiden haben in den vergangenen Wochen besonders viel Zeit miteinander verbracht, ihre Eltern sind nämlich aus Kanada rübergekommen. Zum ersten Mal seit mehr als einem Dutzend Jahren feierte die Familie gemeinsam Weihnachten. Inzwischen sind die Eltern wieder daheim. „Ich hätte sie gern länger hier behalten“, erzählt Olver, der sich nach den jüngsten Treffern etwas befreiter und neben Kapitän André Rankel und Travis Mulock wohl fühlt. Die Reihe funktioniert gut. „Aber bei allen im Team läuft es toll. Alle verstehen sich, und das nicht nur auf dem Eis“, sagt der Mittelstürmer, der einen Vertrag bis Saisonende besitzt – und gute Aussichten, dass er verlängert wird.

