Klare Siege sind schön, sie freuen die Fans, kommen meist spektakulär daher. Ein 2:1 oder so kann da erst einmal nicht mithalten. Das klingt eher nach Beißen und Kratzen. Mitunter lässt sich aus solchen Spielen aber viel mehr ableiten. Etwa die Standfestigkeit einer Mannschaft unter schwierigen Bedingungen. Gegen Köln spielte der EHC Eisbären am Dienstag unter besonderen Umständen. Die Haie waren stark, trotzdem gewannen die Berliner (3:1).

Trainer Uwe Krupp ließ seine Freude darüber erst im inoffiziellen Teil raus. „Was für ein Spiel“, sagte der 50-Jährige auf dem Gang zurück in die Kabine. Zu Beginn des letzten Abschnitts lagen die Berliner zurück, gegen einen bestens organisierten Kontrahenten. Aber Krupps Team spielte weiter mutig und pfiffig nach vorn. In solchen Situationen lassen sich schnell Fehler begehen, doch die Berliner machten keine, vermieden Konter und wurden belohnt.

Ob die Eisbären in der vergangenen Saison zu solchen Siegen fähig gewesen wären, ist zu bezweifeln. Das ist Krupp auch egal, für ihn geht es um diese Saison – und in der ist etwas passiert. „Unsere Mannschaft hat sich weiterentwickelt“, erzählt er. Je weiter die Saison voranschreitet, desto größer wird ihre mentale Stabilität. Sie kann mit vielen Ausgangslagen gut umgehen, ohne vom rechten Weg abzukommen. Das aufgebaute Selbstvertrauen unterstützt diesen Prozess, ist aber nur ein Faktor.

Ein anderer ist die Verpflichtung von Mark Olver. „Er gibt uns noch einmal einen richtigen Push“, sagt Krupp. Zwar ist Olver seit seiner Anstellung Ende Oktober nicht als Torjäger in Erscheinung getreten. Doch er ist spielerisch vielseitig, dazu körperlich präsent. Mit ihm veränderte sich das ganze Gefüge beim EHC. Zuvor spielten in der vierten Reihe überwiegend Laurin Braun, Sven Ziegler und Shuhei Kuji. Für die Gegner nichts, auf das man groß achten musste. Jetzt sitzt Kuji viel auf der Bank, die jungen Braun und Ziegler sind in der dritten und vierten Reihe nun auf starke Mitspielern verteilt. Olver selbst spielt meist mit Kapitän André Rankel und Travis Mulock. „So kannst du ganz anders auftreten“, sagt Krupp.

Unberechenbarer ist sein Team auch geworden. Jungprofis wie Braun und Ziegler drehten gegen Köln das Spiel. „Das zeigt, dass wir gut aufgestellt sind und uns nicht immer auf Darin Olver oder Barry Tallackson verlassen müssen“, erzählt der Trainer, der sich derzeit kaum mit Problemen befassen muss und in Nürnberg am Freitag die Tabellenführung verteidigen will.

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