– Eine gute Woche vor dem Start in die EM (15. bis 31. Januar) tüftelt Dagur Sigurdsson intensiver denn je am Masterplan für die verletzungsgeplagte Handball-Nationalmannschaft. Nach dem 37:30 gegen Tunesien habe er zwar einen „super, super Angriff“ gesehen, sagte der Bundestrainer. „Aber man braucht kein Professor zu sein, um zu erkennen, dass Abwehr und Torhüter gerade in der ersten Halbzeit schwach waren.“

Das Spiel gegen den neunfachen Afrikameister war erster Härtetest auf dem Weg zum Turnier in Polen – und für Sigurdsson gleichzeitig die erste Möglichkeit, seine im Trainingslager in Berlin entwickelten Varianten in der Praxis auszuprobieren. Denn der Isländer ist nach den schwerwiegenden Ausfällen von unter anderen Kapitän Uwe Gensheimer (Wadenverletzung) und Patrick Groetzki (Wadenbeinbruch) vor allem auf der linken Außenbahn zum Experimentieren gezwungen.

Doch weder Martin Strobel noch Niclas Pieczkowski, weder Simon Ernst noch Steffen Fäth, alles gelernte Rückraumspieler, fanden sich auf der ungewohnten Position zurecht. Rune Dahmke ist nach dem Ausfall von Gensheimer und seinem Ersatz Michael Allendorf einzig verbliebener Linksaußen im Kader, er fehlte gegen die Afrikaner aber noch wegen einer Sprunggelenksverletzung. „Ich hoffe, dass er bei den nächsten Spielen wieder dabei ist“, sagte Sigurdsson.

Sonnabend und Sonntag schließt die DHB-Auswahl ihre Testspielreihe mit zwei Spielen gegen Island in Kassel und Hannover ab. „Wir haben noch ein paar Tage Zeit, um uns zu steigern, speziell, was die Abwehr betrifft“, sagte der gegen Tunesien starke Rückraumspieler Christian Dissinger. „Es ist doch klar, dass noch nicht jedes Rad ins andere greift.“ Doch gerade in der Offensive überraschte das Team. „Das ist das Positive, dass wir trotz der Ausfälle so viele Varianten spielen können“, sagte Torhüter Carsten Lichtlein. Denn Sigurdsson rotierte nicht nur auf Linksaußen, auch im Rückraum ließ er seine Akteure immer wieder auf den unterschiedlichsten Positionen auflaufen.

dpa