– Wenn es um Peter Prevc geht, gerät sogar die Konkurrenz ins Schwärmen. „Er springt so aggressiv wie kein Zweiter“, sagt Bundestrainer Werner Schuster. „Ob Seiten-, Rücken- oder Aufwind – er ist immer vorne mit dabei. Er hat die stabilste und effektivste Technik. Ich würde es auch gerne so machen“, sagt der Österreicher Stefan Kraft fast ein wenig neidisch. Und Kraft ist immerhin Titelverteidiger bei der heute beginnenden Vierschanzentournee.

Großer Favorit ist diesmal Prevc. Der Slowene führt im Weltcup souverän vor Severin Freund. Zuletzt hatte er beim Sieg in Engelberg (Schweiz) mit 142 Metern einen Schanzenrekord aufgestellt. Mit seinem erst 16 Jahre alten Bruder Domen sorgte er zudem für ein Novum: Erstmals belegte ein Brüderpaar im Weltcup die Plätze eins und zwei. Auch in der gestrigen Qualifikation, die ein Stromausfall beeinträchtigte, war er der Beste.

Doch wer ist der Mensch Prevc? Bei Pressekonferenzen redet der 23-Jährige meist wenig. Da sein Englisch nicht besonders gut ist, scheint er froh zu sein, wenn es vorbei ist. Beim Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen konnte er einmal nicht entrinnen. Doch in Erinnerung blieb vor allem seine höflich vorgetragene Frage: „Darf ich jetzt bitte gehen?“ Er war weg ohne auf eine Antwort zu warten.

Auch die anderen Springer können kaum Erhellendes zur Person Prevc beitragen. „Peter ist kein Typ der großen Worte“, sagt der Österreicher Michael Hayböck, „von sich aus sagt er gar nichts.“ Ähnlich äußert sich Hayböcks Teamkollege Kraft: „Ich kenne ihn nicht gut. Aber ich glaube schon, dass er ein ganz cooler Typ ist.“ Wieder nur eine sehr kleine Annäherung an den Menschen hinter dem Springer.

Etwas gesprächiger ist dieser in seiner Muttersprache. Nach dem familiären Doppelsieg in Engelberg fungierte ein Mitarbeiter des ZDF, ein gebürtiger Kroate, als Dolmetscher. Prevc sprach über seine Sprungtechnik. „Ich springe seit meinem zehnten Lebensjahr diesen Stil, weil er mir so beigebracht wurde.“ Und ergänzte: „Mein Bruder Domen ist noch aggressiver als ich.“ Bundestrainer Schuster nennt Domen einfach „Prevc 2.0“, eine Weiterentwicklung. „Der Bruder springt noch ein bisschen spektakulärer, ist fliegerisch wahrscheinlich das Beste, was es jemals gegeben hat“, sagt Werner Schuster. Allerdings fehlen ihm momentan noch die athletischen Voraussetzungen.

Es gibt einen weiteren Bruder. Cene, 19 Jahre alt, ebenfalls Skispringer. „Aber er studiert, hat nicht so viel Zeit zum Skispringen. Irgendwann wird er sich auch vorbereiten können und im Weltcup mitspringen“, erzählte Prevc. Wenig später war das Gespräch in Engelberg beendet. Er schloss mit den Worten: „Jetzt ist es genug, ich habe morgen einen schweren Wettkampf.“ Peter Prevc ist als Skispringer ein Phänomen – und als Mensch ein Phantom.

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